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„Hau mal richtig drauf!“

Pferd traktiert: Fünfkampf-Trainerin Kim Raisner von Olympia ausgeschlossen

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Das Verhalten von Annika Schleu und Kim Raisner im Modernen Fünfkampf sorgt für Aufregung. Nun zieht der Weltverband Konsequenzen.

Tokio - Pferde im Sport einzusetzen, ist höchst umstritten. Jana Hoger von der Tierschutzorganisation Peta sprach im FR-Interview nicht lange um den heißen Brei herum und nannte das Kind beim Namen: Reitsport sei der „Gipfel der Tierquälerei“. Am drittletzten Wettkampftag der Olympischen Spiele in Tokio hat sich erneut ein Drama abgespielt. Anders als beim Vielseitigkeitsreiten, als ein Pferd eingeschläfert werden musste, spielte sich diesmal zunächst mal ein sportliches Drama ab.

Im Modernen Fünfkampf, der einst von Pierre de Coubertin ins Leben gerufen worden war, lag die Berlinerin Annika Schleu vor der dritten Disziplin auf Goldkurs. Doch dann war das Reiten an die Reihe. Hier aber ging plötzlich alles schief, sodass die 31-Jährige vom ersten Platz vor dem abschließenden Laser Run noch auf Rang 31 zurückfiel - am Ende belegte sie diesen Platz auch in der Gesamtwertung. Statt einer fast sicheren Medaille blieben in Japan nur jede Menge Frust und große Enttäuschung.

Annika Schleu ist nach dem Ausscheiden bei Olympia 2021 den Tränen nahe.

Olympia 2021: Pferd verweigert sich dem Reitsport

Doch ein Drama war die ganze Show nicht nur für Annika Schleu, sondern vor allem auch für das Pferd. „Saint Boy“ war sichtlich aufgeregt und verunsichert, hatte zuvor schon bei der russischen Reiterin Gulnas Gubaidullina vom Team des Russischen Olympischen Komitees mehrfach verweigert. Ein Tierarzt untersuchte „Saint Boy“ und erklärte das Pferd für einsatzbereit. 

Als in der Phase der Eingewöhnung kaum etwas ging, brach Schleu erstmals in Tränen aus. Guter Rat war teuer. Bundestrainerin Kim Raisner suchte nach einer Lösung und forderte Annika Schleu auf, nicht ganz so zimperlich mit „Saint Boy“ umzugehen: „Hau mal richtig drauf! Hau drauf!“, forderte Raisner ihre Athletin zum Einsatz mit der Gerte auf. Die Worte waren auch im Fernsehen deutlich zu hören. Und Annika Schleu tat wie geheIßen, ein ums andere Mal schlug sie mit der Gerte auf das Pferd ein.

Kim Raisner wiederum leistete sich wohl noch einen viel handfesteren Aussetzer. Die Bundestrainerin soll das Pferd von Annika Schleu nämlich sogar mit der Faust geschlagen haben. So zumindest begründete der Weltverband am Samstag (07.08.2021) seine Entscheidung, Kim Raisner von den Olympischen Spielen auszuschließen. Nach dem Wettkampf hatte Raisner ihre Athletin in Schutz genommen, sich dabei aber wohl eher auf das sportliche Ergebnis bezogen: „Es ist nicht ihre Schuld. Das Pferd wollte immer nur zur Tür.“

Moderner Fünfkampf bei Olympia 2021: Trainerin Kim Raisner und ihre Athletin Annika Schleu.

Olympia 2021: Pferd will nicht über Hindernisse springen

Das scheint recht vernünftig von dem Tier, das eben ganz offenbar keine Lust hatte, über dämliche Hindernisse zu springen. Zwar ritten Schleu und „Saint Boy“ noch in den Parcours und bewältigten gemeinsam auch die ersten Sprünge, bevor das Pferd die Nase endgültig voll hatte und jede weitere Mitarbeit einstellte. „Das Pferd hat sich hier absolut nicht wohlgefühlt“, sagte Lena Schöneborn, der 2016 in Rio ein ganz ähnliches Schicksal widerfahren war. Ein komplett misslungener Ritt und null Punkte im Springreiten hatten damals ihre Träume vom zweiten Olympia-Gold nach 2008 beendet.

Moderner Fünfkampf
Erste DisziplinSchwimmen
Zweite DisziplinFechten
Dritte DisziplinReiten
Vierte und Fünfte DisziplinLaser Run (Laufen/Schießen)

„Es kann fast keiner besser nachempfinden als ich. Es war die gleiche Situation wie in Rio“, sagte Schöneborn, die auf der Tribüne saß über die bitteren Momente ihrer langjährigen Trainingspartnerin miterlebte: „Es ist der worst, worst case, der jetzt eingetreten ist. „Ich kann es kaum glauben, dass uns das zwei Olympische Spiele hintereinander passiert“, sagte Bundestrainerin Raisner in der ARD und fing selbst an zu weinen. Nur das Pferd fragte keiner. „Saint Boy“ weinte vielleicht auch. Aber aus anderen Gründen. (Christian Stör)

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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