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Tokio 2021

Olympia 2021: IOC-Präsident Thomas Bach macht aus Japanern Chinesen

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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In Tokio ist das Olympische Dorf offiziell eröffnet. IOC-Präsident Thomas Bach tritt gleich mal in ein großes Fettnäpfchen.

Update vom 13.07.2021, 15.45 Uhr: Da ist Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, bei seiner ersten Pressekonferenz gleich mal mächtig ins Fettnäpfchen getreten. Die Versuche von Bach, die Skepsis der Japaner, was die Spiele anbelangt, zu mindern, und die Gastgeber der Spiele für sich zu gewinnen, begannen mit einem peinlichen Versprecher. Bach nämlich bezeichnete das japanische Volk als „Chinesen“, als es darum ging, den Menschen die Angst vor einem Super-Spreader-Event zu nehmen.

„Unser gemeinsames Ziel sind sichere Spiele“, sagte er zu Beginn eines Treffens mit der Leiterin des Organisationskomitees von Tokio 2021, Seiko Hashimoto und Geschäftsführer Toshiro Muto. „Für alle – für die Sportler, für alle Delegationen und vor allem auch für die Chinesen … Japaner.“ So berichtet jetzt der britische Guardian.

Der Ausrutscher wurde bei dem Treffen von den Dolmetschern nicht übersetzt, entging aber japanischen Medienvertretern keinesfalls. In den sozialen Netzwerken des Landes löste Bachs Fauxpas heftig Gegenreaktionen aus.

Thomas Bach (li.): „Schwierige Umstände“ in Tokio und ein Versprecher.

Olympia 2021: Angst vor Corona geht im Athletendorf um

Erstmeldung: Tokio - Es ist nicht ungewöhnlich, dass im Zusammenhang mit Olympischen Spielen Superlative bemüht werden. Und so ließ es sich der Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, nicht nehmen, Tokio am Tag der Eröffnung des Athletendorfes vom „am besten vorbereiteten“ Olympia-Gastgeber der Geschichte zu reden. Bach lobte bei einem Treffen mit Japans Organisationschefin Seiko Hashimoto am Dienstag (12.07.2021) die Gastgeber für ihren „fantastischen Job bei den Vorbereitungen“ zu Olympia 2021.

Die „schwierigen Umstände“ hob Bach hervor, was sich auch dadurch manifestierte, dass sich Bach und Hashimoto in Begleitung weiterer Offizieller mit Abstand voneinander mit Masken und durchsichtigen Plastiktrennwänden an den Tischen gegenüber saßen.

Noch zehn Tage sind es bis zur Eröffnung dieser Spiele, und gebe es noch „viel Arbeit zu tun“, sagte Bach. Japans Bürger könnten darauf vertrauen, dass die Spiele dank strengster Maßnahmen für alle „sicher“ sein werden. Dafür hat Tokio, so ist zumindest der Eindruck, auch wirklich sehr viel getan.

Olympia 2021: Angst vor dem Superspreader-Event

Wegen der über Wochen steigenden Infektionszahlen hatte die japanische Regierung unlängst zum vierten Mal den Corona-Notstand ausgerufen, der auch für die Zeit der Spiele gilt. Auch wenn die Inzidenzwerte im europäischen Maßstab weiter vergleichsweise niedrig sind, bereitet die immer noch geringe Impfquote vielen Japanern Sorgen. Daher kommt für viele Menschen im Gastgeber-Land Olympia zur Unzeit. Dass knapp 60.000 Beteiligte aus dem Ausland gerade jetzt einreisen dürfen, wirkt für die Gegner der Spiele wie ein unnötiges Risiko. Die Angst vor einem Superspreader-Event und einem Fest für Corona-Mutanten überschattet den Olympia-Start.

In den leeren Arenen - Zuschauer:innen sind bei den Wettkämpfen nicht erlaubt - und im Athletendorf soll die Gefahr von Infektionen minimiert werden. Da macht auch eine vollständige Impfung keinen Unterschied. So muss sich jeder Olympia-Teilnehmer und jede Teilnehmerin, egal ob Athlet:in, Funktionär:in oder Journalist:in, muss sich kurz vor dem Trip nach Japan zwei Corona-Tests unterziehen. Das negative Testergebnis muss auf einem ärztlichen Standardformular für japanische Behörden bestätigt werden. In einem vorab erstellten Aktivitätsplan müssen die Aufenthaltsorte in der Olympia-Blase in den ersten zwei Wochen angegeben und von den japanischen Behörden genehmigt werden. In einer Gesundheits-App werden persönliche Daten wie die Körpertemperatur erfasst. Zudem muss die japanische Corona-Warnapp aktiviert werden, um die Kontaktnachverfolgung zu erleichtern.

Olympia 2021: Alle auf Abstand, auch im Athletendorf

Für die ersten 14 Tage ist für jeden Olympia-Beteiligten die Bewegungsfreiheit auf Wettkampfstätten, Unterkünfte und offizielle Orte mit Olympia-Bezug beschränkt. Da auch eine Impfung keinen 100-prozentigen Schutz vor einer Infektion oder einer Weiterverbreitung des Coronavirus bietet, wollen die Organisator:innen das Restrisiko so gering wie möglich halten.

Das Athletendorf, in dem rund 18.000 Menschen für die Dauer der Spiele untergebracht sein werden, ist für gewöhnlich das Herz der Spiele, Partyzone und Begegnungsstätte für Sportlerinnen und Sportler aller Länder. In Tokio ist alles anders. Alles auf Abstand, mindestens zwei Meter, auch beim Essen. Man ist aufgefordert, Kontakte zu minimieren, Umarmungen und das Händeschütteln zu vermeiden, sich nur möglichst kurz in der Mensa aufzuhalten. In öffentlichen Bereichen ist der Alkoholkonsum untersagt. Außerhalb des eigenen Zimmers herrscht Maskenpflicht. Erst wenige Tage vor ihrem ersten Wettkampf dürfen die Athlet:innen ins Dorf einziehen, spätestens zwei Tage nach ihrem letzten Einsatz sollen sie wieder abreisen.

Das Olympische Dorf in Tokio: Sicherheit geht vor.

Tokios Wettkampfstätten werden sich weitestgehend verwaist präsentieren. Bei den Wettkämpfen der Olympischen Spiele sind alle Zuschauer:innen ausgeschlossen. Die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zur Fahrt in die Arenen ist für alle Angereisten aus dem Ausland in den ersten zwei Wochen verboten. In den Stadien und Hallen muss Maske getragen werden, dies gilt auch für die Athlet:innen bei Siegerehrungen. Markierungen auf dem Boden sollen das Einhalten der Abstandsregeln erleichtern. Beim Aufwärmen und im Wettkampf dürfen die Sportler:innen ihre Maske abnehmen. Handtücher sollen nicht geteilt werden, regelmäßig wird desinfiziert. Für jede der Sportarten bei Olympia gilt zusätzlich ein eigenes Corona-Regelkorsett, das die jeweils eigenen Bedingungen berücksichtigt.

Olympia 2021: Kaum Zustimmung für die Spiele in der Bevölkerung

Sollte es dann doch zu einem positiven Corona-Befund kommen, wird zunächst ein weiterer Test zur Kontrolle veranlasst. Bestätigt dieser das Ergebnis, muss sich der oder die Betroffene in eine eigens eingerichtete Isolierstation begeben. Dann entscheiden die Behörden, wie lange die Quarantäne dauert. Athlet:innen werden in diesem Fall nicht automatisch disqualifiziert, sondern tauchen als „ist nicht gestartet“ in der Wertung auf.

Die Skepsis der Japaner:innen vor den Sommerspielen ist ungeachtet der Sicherheitsvorkehrungen allerdings weiterhin ungebrochen. Nach einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Marktforschungsinstituts IPSOS befürworten nur 22 Prozent im Gastgeberland die Olympia-Austragung während der Pandemie.

Bestens vorbereitet sieht man sich trotz aller Vorbehalte in Tokio weiterhin. Ob es dann, wenn die Spiele zu Ende sind, für das fast schon obligatorische „die besten Olympischen Spiele aller Zeiten“ aus dem Munde des Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees reichen wird, bleibt abzuwarten. Diesmal wird nicht alleine der sportliche Aspekt für eine solche Bewertung ausschlaggebend sein. Die Pandemie ändert auch das. (Stefan Krieger mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Takashi Aoyama/dpa

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