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Tokio 2020 - Moderner Fünfkampf
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Olympia 2021: Nach ihrem missglückten Auftritt mit dem ihr zugelosten Pferd Saint Boy wehrt sich Fünfkämpferin Annika Schleu gegen Vorwürfe der Tierquälerei.

Springreiten

Nach Olympia-Drama: Annika Schleu wehrt sich gegen Vorwürfe

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Nach ihrem Auftritt im Reitwettbewerb des modernen Fünfkampfes bei Olympia 2021 gibt es viel Kritik an Annika Schleu. Nicht alle Vorwürfe kann sie nachvollziehen. 

Tokio – Gegen Ende der Olympischen Spiele 2021 in Tokio hatte der Auftritt von Annika Schleu für Aufsehen gesorgt. Vor der dritten Disziplin im Modernen Fünfkampf, dem Springreiten, lag die 31-Jährige in Führung. Eine Medaille bei Olympia 2021 war zum Greifen nah. Sogar Gold wäre drin gewesen.

Doch das ihr zugeloste Pferd „Saint Boy“ hatte mehrmals verweigert, auch schon im ersten Durchgang bei der russischen Athletin Gulnas Gubaidullina. Schnell habe Schleu bemerkt, dass sie keine Chance hatte. Sie begann zu weinen – und fiel schließlich auf Rang 31 zurück. Auf Rat von Bundestrainerin Kim Raisner schlug sie mehrere Male mit der Gerte auf das Pferd, doch ohne Erfolg. Raisner soll das Pferd sogar mit der Faust geschlagen haben, wie der Weltverband den Ausschluss der Trainerin von den Olympischen Spielen begründet. Die Bilder der weinenden Annika Schleu gingen um die Welt. Schnell wurden Vorwürfe der Tierquälerei, auch generell im Reitsport, immer lauter.

Annika Schleu bei Olympia 2021: „Hass hat Enttäuschung über verpasste Medaille überlagert“

Vor allem in den sozialen Medien hagelte es Kritik. Doch gegen Anschuldigungen der Tierquälerei wehrt sich die Pentathletin. „Es gibt Menschen, die empfinden Reitsport prinzipiell als Tierquälerei“, wie sie gegenüber der Zeitung Zeit meint. „Wenn jemand diese Einstellung hat, ist das sein gutes Recht.“ Schwierig sei es für sie allerdings bei denjenigen, „die gar nichts gegen den Reitsport haben, sich auskennen und jetzt so tun, als hätte ich etwas Böses getan“.

Zwar könne sie verstehen, was die Bilder der missglückten Vorstellung bei Olympia 2021 bei Zuschauer:innen auslösen, doch Annika Schleu habe ihr Pferd „nicht extrem hart behandelt“ – „ich bin mir wirklich keiner Tierquälerei bewusst“. Sie habe vielleicht ruhiger agieren können, räumt sie im Nachhinein ein. „Hat es jetzt wirklich keinen Sinn mehr? Oder braucht es noch diesen kleinen Anschubser? Das war verdammt schwierig abzuwägen.“

„Früher wurde ich von meinen Trainern für meine Zurückhaltung im Umgang mit den Pferden kritisiert“, erklärt Scheu. „Das war übrigens auch im Fechten mein Problem. Es hieß: Sei konsequenter, sei bestimmter, zeig, wo es langgeht! Nun werde ich für etwas beschuldigt, das total im Gegensatz zu dem steht, wie ich sonst bin. Ich dachte in der Situation, wenn ich jetzt abgrüße, dann bestätige ich den Eindruck, zu inkonsequent zu sein. Also versuchte ich es wieder und wieder.“ Für sie und Saint Boy sei es „eine ausweglose, schwierige Situation“ gewesen.

Reitsport-Drama bei Olympia 2021: Annika Schleu ist sich „keiner Tierquälerei bewusst“

Als sie abstieg, wusste Schleu, dass die Aufnahmen nur schwer für sie zu ertragen sein würden, doch „mit dieser heftigen Bewertung von außen“ habe die Fünfkämpferin nicht gerechnet. Ihre Smartwatch habe nach dem Abstieg vom Pferd „unaufhörlich vibriert“. Die Berlinerin hätte Nachrichten von ihrer Familie erwartet. Dabei waren es „Emojis und derart verletzende Satzfetzen“, die ihr „den Boden unter den Füßen weggezogen“ hätten.

Dass Bundestrainerin Kim Raisner „von außen mit der Hand eingegriffen habe“, will Schleu überhaupt nicht bemerkt haben. Äußerungen von Isabell Werth, der erfolgreichsten Reiterin der Welt, dass der Moderne Fünfkampf „aber auch gar nichts mit Reiten zu tun“ habe, findet Annika Schleu zu diesem Zeitpunkt unangebracht. Im Gegensatz zu Werth habe sie ihr Pferd auch erst seit 20 Minuten gekannt. Wenn jede:r sein eigenes Pferd mitbringt, „wäre der Fünfkampf ein sehr elitärer Sport“, so Schleu. Neben viel Reisen, einer fremden Umgebung und einem anderen Klima müsste man den Tieren ansonsten zu viel zumuten.

Olympia 2021: Nach ihrem missglückten Auftritt mit dem ihr zugelosten Pferd Saint Boy wehrt sich Fünfkämpferin Annika Schleu gegen Vorwürfe der Tierquälerei.

In einer Stellungnahme des Weltverbandes heißt es: „Die Unvorhersehbarkeit dessen, was geschieht, wenn Athleten auf unbekannten, zufällig ausgelosten Pferden reiten, mit nur 20 Minuten Zeit, ein Verständnis herzustellen, ist Teil des dramatischen Spektakels, das den Modernen Fünfkampf einzigartig und mitreißend macht.“ Für Annika Schleu sei das eine Einstellung, mit der sie niemals gerechnet hätte: „Keiner von uns wünscht sich diese Art des dramatischen Spektakels.“ Jede:r Fünfkämpfer:in sei sich bewusst, dass das Springreiten „Träume platzen lassen kann“.

Olympia 2021 – Annika Schleu fühlte sich nach missglücktem Springreiten „alleingelassen“

Der Weltverband habe Schleu nach dem Wettkampf „alleingelassen“. Auch der deutsche Präsident Klaus Schurmann habe sich nicht bei ihr gemeldet. Nur Fünfkampf-Kolleg:innen, ihr eigener Verband sowie der Deutsche Olympische Sportbund hätten Unterstützung gezeigt.

„Die Regel, ab wann man einem Pferd nicht mehr zumutet, noch mal in den Parcours zu gehen“, würde Annika Schleu gerne ändern. Saint Boy nicht gegen ein anderes Pferd auszutauschen, sei „der größte Fehler“ gewesen. Die Berlinerin habe sich mit ihrer Sportpsychologin in Verbindung gesetzt und werde sich weiter mit ihr austauschen. Ihre Präsenz in den sozialen Medien fuhr sie herunter: „Ich will mich nicht diesem Hass aussetzen müssen. Sollte ich meine Profile je wieder aktivieren, dann wohl nie mehr zugänglich für jeden. Ich befürchte bloß, wenn man einmal so etwas erlebt hat wie ich, ist es sehr schwer, sich davon zu erholen.“

Mittlerweile wurden Annika Schleu und ihre Trainerin strafrechtlich angezeigt. Der Tierschutzbund macht den beiden Frauen schwere Vorwürfe.* (lrg) *fuldaerzeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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