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Einer, der vorangeht: Jan-Lennard Struff, die Nummer eins bei den deutschen Tennisspielern. 

Daviscup

Ohne Zverev, mit Selbstvertrauen

Gegen Weißrussland will sich das deutsche Daviscup-Team fürs Finale in Madrid qualifizieren.

Boris Becker saß oben auf dem Schiedsrichterstuhl, graues Sweatshirt, rotes Basecap, hochkonzentriert. „Bisschen mehr Kick, Philipp“, rief er Philipp Kohlschreiber bei dessen Aufschlägen zu, dann kletterte der Chef vom Stuhl runter und widmete sich der Nummer eins im Team. „Struffi, komm mal kurz“, raunte er Jan-Lennard Struff zu, es folgte ein angeregtes Gespräch im Flüsterton.

Im Düsseldorfer Castello will das deutsche Daviscup-Team das einzige Hindernis vor der erneuten Teilnahme an der Finalwoche im November in Madrid aus dem Weg räumen. Am Freitag und Samstag geht es gegen die international zweitklassigen Weißrussen, deren Spitzenspieler Egor Gerassimow die Nummer 68 der Welt ist.

Man müsse bei aller Zurückhaltung schon zugeben, dass man in der Favoritenrolle sei, sagte Teamchef Michael Kohlmann am Dienstag in Düsseldorf, warnte aber dennoch vor Überheblichkeit. „Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Favoriten im Daviscup schon recht unerfreuliche Überraschungen erlebt haben“, sagte der 46-Jährige: „Wir nehmen nichts und niemanden auf die leichte Schulter.“

Becker „wichtig“ fürs Team

Natürlich kam drei Tage vor dem ersten Aufschlag am Freitag (16 Uhr/sportdeutschland.tv) die Frage nach Deutschlands Spitzenspieler Alexander Zverev auf, der in Düsseldorf nicht dabei ist. Er habe bei den Australian Open im Januar in Melbourne mit Zverev über dieses Thema gesprochen, sagte Kohlmann: „Und es war schnell klar, wenn er Acapulco und Indian Wells spielt, dann spielt er hier nicht.“ Eine Entscheidung für das ganze Jahr sei das aber nicht: „Über Madrid sprechen wir, wenn wir qualifiziert sind.“

Die Verantwortung als Nummer eins trägt vorerst Jan-Lennard Struff, und diesen Job hat er schon beim Finalturnier im November 2019 ganz hervorragend erledigt. „Er hat eine große Präsenz auf dem Platz, er geht voran, er gibt nie auf, seine Einstellung ist absolut vorbildlich“, sagte Kohlmann.

Philipp Kohlschreiber, 36, die Nummer zwei im Team, hält ganz große Stücke auf den sieben Jahre jüngeren Struff. „Er ist ein unglaublicher Mannschaftsspieler, er bringt viel Energie rein und ist ein total positiver Typ“, sagte „Kohli“, einst selbst die deutsche Nummer eins: „Struffi gibt immer 100 Prozent, er ist sehr wichtig für uns.“ Für das abschließende Doppel nominierte Kohlmann die letztjährigen French-Open-Sieger Kevin Krawietz und Andreas Mies, fünfter Mann im Team ist Dominik Koepfer.

Boris Becker, Chef für den Bereich Männertennis im DTB, hatte derweil wieder auf dem Schiedsrichterstuhl Platz genommen. „Er vermittelt den Jungs immer wieder dieses Selbstverständnis, mit dem er mit Druck umgegangen ist“, sagte Kohlmann: „Er ist ein ganz wichtiger Bestandteil des Teams.“ Welchen Rat der Boris dem Struffi im Flüsterton gegeben hat, blieb aber leider ein Geheimnis. 

sid

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