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Der Mann, der Dallas veränderte: Dirk Nowitzki. 

„The Great Nowitzki“

Der Nowitzki-Kosmos

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Thomas Pletzingers Buch über das Geheimnis des Erfolgs und das Leben eines der größten deutschen Sportlers aller Zeiten.

Eigentlich war Thomas Pletzinger im Jahr 2012 nur in die USA geflogen, um eine große Reportage über Dirk Nowitzki für das „Zeit“-Magazin zu schreiben. Nach dem Erscheinen fragte sich der Buchautor und Journalist: war das wirklich alles? Habe ich wirklich verstanden, was den Basketballer, den Menschen Nowitzki ausmacht? Fortan beschäftigte Pletzinger sich noch intensiver mit dem Basketball-Superstar, dem immer die Attribute bodenständig, nahbar und sympathisch nachgesagt werden. Herausgekommen ist das Buch „The Great Nowitzki“ im Verlag Kiepenheuer & Witsch, heute erscheint es.

Es ist eine Großreportage geworden, eine Reise durch den Nowitzki-Kosmos. Den, oberflächlich betrachtet, zwar viele durch Zeitungsartikel, Interviews und den Film „Der perfekte Wurf“ kennen. Aber Pletzinger gelingt es, noch tiefer vorzudringen. „Dirk Nowitzki ist für viele eine Projektionsfläche für die Wünsche und Träume vieler Menschen“, schreibt Pletzinger.

Thomas Pletzinger: The Great Nowitzki. Biografie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2019, 512. S, 26 Euro.

Er war in Nowitzkis Geburtsstadt Würzburg, hat ihm den Ball in seiner Trainingshalle in Rattelsdorf zugeschmissen, während dieser Wurf um Wurf nahm. Er hat Nowitzkis alte Weggefährten wie Robert Garrett oder Steve Nash besucht, hat sich in Dallas die Lobpreisungen und Liebesbekundungen angehört. „Es ist wegen 2011“, lautet die einfache Begründung für die Zuneigung. Das Meisterschaftsjahr der Dallas Mavericks, das Nowitzki unsterblich gemacht hat.

Pletzinger war stiller Beobachter, wenn Nowitzki in Deutschland einen Medientermin nach dem anderen absolvierte, die sogenannten „Zootage“, wie Nowitzki sie nennt. Pletzinger beschreibt sie als „ein Kaleidoskop der Hektik, ein Mosaik aus Gesichtern, Flügen, Lobbys, Mikrofonen und völlig willkürlich gestellten Fragen.“

Er hat sich sehr oft, sehr lange mit Holger Geschwinder unterhalten, jenem Mann, der Nowitzki entdeckt, individuell gefördert, trainiert und gemanagt hat. „Holger wie eine Art Allwetterjacke für Dirk. Er schützt vor Sturm, Frost und Hitze.“ Pletzinger hat dutzende Male das Sommertraining von Nowitzki und Geschwinder in Rattelsdorf oder in den leeren NBA-Arenen beobachtet. Eine Choreografie, die einen „meditativen Effekt“ auf Pletzinger hatte, und die Nowitzki 21 Jahre lang Basketball spielen ließ und ihn zu einem der besten Spieler aller Zeiten machte, bis er im April seine Karriere beendete.

Pletzinger gelingt es, die Erhabenheit der vielen großen Augenblicke in Nowitzkis Karriere einfühlsam und treffend zu beschreiben. Die komischen Momente, wenn er zum Beispiel im Restaurant mit Nowitzkis Entourage sitzt und ein Vater seine Tochter für ein Foto mit dem Star vorschiebt, fängt Pletzinger ein, indem er sie für sich sprechen lässt. Das Buch ist ein Muss für jeden Basketball-Fan und Sportinteressierten, um zu begreifen, welche Anstrengungen es gebraucht hat, um dahin zu kommen, wo Nowitzki hingekommen ist. Sechstbester Punktesammler der Geschichte, ein Mann, der von allen respektiert und geliebt wird. Egal, ob man für die Dallas Mavericks war oder nicht. Egal welche politische Einstellung man vertritt: Auf Nowitzki konnten sich immer alle einigen. Er ist der perfekte Botschafter Deutschlands.

„Dirk hat sich immer bemüht, ein normaler Menschen zu bleiben und nicht zu einem Symbol zu werden, einem Stellvertreter. Und trotzdem ist er genau das geworden: Es ist, als wollten wir von Dirk Nowitzki wissen, wie wir enden werden.“

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