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Glücksfall: Novak Djokovic in New York.

US Open

Novak Djokovic zurück auf dem Gipfel

Der Serbe Novak Djokovic triumphiert bei den US Open auch dank der Kraft der Imagination ? und einer Wanderung durch die Provence.

Die argentinischen Sportfans sind ein leidenschaftliches Völkchen, aber das Problem mit der Leidenschaft ist ja manchmal: Es macht die Menschen manipulierbar. Als Juan Martin del Potros treue Anhänger aus seiner Heimat Tandil beim US-Open-Finale gewohnt lautstark bei der Sache waren, griffen sie immer wieder auf das klassische „Olé! Olé! Olé!“ zurück. Wie naiv.

Sie merkten nicht, wie ihre Rufe entführt wurde. Sie konnten es nicht merken.

„Mein Spitzname ist ja Nolé“, erklärte del Potros Gegner Novak Djokovic nach seinem Finaltriumph: „Wenn die Fans ‚olé‘ rufen, mache ich in meinem Kopf ‚Nolé‘ draus. Keine Lüge. Das mache ich wirklich.“

Selbstbetrug kann ein kraftvoller Antrieb sein, und wenige beherrschen ihn so gut wie dieser Djokovic, seit Sonntag dreimaliger US-Open-Sieger. 2015 hieß sein Gegner im Endspiel von New York Roger Federer, der Weltliebling, dessen Name überall gerufen wird, wo er hinkommt. Auch damals stellte Djokovic sich einfach vor, er wäre gemeint, auch damals gewann er.

An die Grenzen der Imagination stieß der Serbe diesmal erst bei der Siegerehrung. Gerne hätte er sich einen anderen Gratulanten zu seinem insgesamt 14. Grand-Slam-Triumph gewünscht. Doch alles, was er bekam, war John McEnroe. Djokovic hatte gehofft, dass Pete Sampras ihm den Pokal überreicht. „Ich wollte ihm sagen: ‚Pete, ich liebe dich!‘ Du bist mein Idol“, scherzte der 31-Jährige, nachdem er am Big Apple den nächsten Gipfel seiner Tenniskarriere erklommen hatte.

Sampras fehlte, dabei wäre es so passend gewesen. Mit dem 6:3, 7:6 (7:4), 6:3 über del Potro zog Djokovic in der „ewigen“ Bestenliste der Grand-Slam-Titelträger mit Sampras gleich und verkürzte den Abstand zu seinen Dauerrivalen Rafael Nadal (17) und Roger Federer (20). Del Potro war sich nach dem einseitigen Finale sogar sicher, dass Djokovic „alles hat, um die Rekorde in diesem Sport zu brechen“.

Fest steht: Die Dominanz, die ihn 2016 in Roland Garros alle vier Majortitel in den Händen halten ließ und die dann auf einmal, beinahe unerklärlich, verschwunden war, hat Djokovic zurückerlangt. Der Wimbledonsieg, sein letzter noch fehlender Masterstitel in Cincinnati und nun sein Triumph in New York. „Wenn mir jemand das im Februar erzählt hätte, ich hätte es wohl kaum geglaubt“, sagte Djokovic.

Auch nach seiner Ellbogenoperation im Anschluss an die Australian Open hatte der frühere Weltranglistenerste noch einige Monate gebraucht, um wieder der schier unbezwingbare Spieler zu werden, der er einst war. Erst bei einer Wanderung mit seiner Frau Jelena in den Bergen der französischen Provence im Juni besann sich Djokovic, wie er nun erzählte.

Drei Legenden ganz oben

Auf dem Gipfel des Montagne Sainte-Victoire, nach einem dreistündigen Aufstieg, habe er neue Inspiration und Motivation geschöpft, sagte er: „Ich habe an die Gefühle gedacht, die Tennis in mir auslöst. Sie waren alle positiv. Ich habe den frischen Wind gespürt. Der Rest ist Geschichte.“

Eine Erfolgsgeschichte, die ihn mittlerweile wieder auf Platz drei des Rankings geführt hat. Vor ihm liegen nur noch Federer und Nadal. Anders als Djokovic, der vor einem Jahr pausierte, hat der Schweizer im Herbst viele Punkte zu verteidigen, der Spanier Nadal fällt wegen Kniebeschwerden zunächst aus. Die Chance, an die Spitze seines Sports zurückzukehren, könnte sich deshalb schon in diesem Jahr für Djokovic ergeben.

Das Trio thront wieder gemeinsam über dem Rest der Tenniswelt, dabei waren alle drei mindestens einmal abgeschrieben worden. Doch weder die nachfolgende Generation, noch die von der ATP mit viel Getöse vermarkteten Jungstars um Alexander Zverev haben es bislang geschafft, „diese Legenden“ (del Potro) zu verdrängen. Die letzten acht Grand-Slam-Titel gingen an die großen Drei. (böl/sid)

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