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Kristina Bröring-Sprehe reitet Desperados.

Festhallen-Reitturnier

Noch lange nicht bereit für die Rente

Dressurreiterin Bröring-Sprehe wird beim Grand Prix in Frankfurt mit Desperados Zweite.

Eigentlich waren sie zu spät dran gewesen: Sowohl der Däne Daniel Bachmann Andersen als auch Team-Olympiasiegerin Kristina Bröring-Sprehe hatten sich erst kurzfristig für einen Start in der Großen Dressurtour beim Frankfurter Festhallenturnier entschieden. Anders als die beiden begehrten Finals der Nachwuchspferdeserien, die nur über eine Qualifikation zu erreichen sind, ist die Teilnahme an den Grand-Prix-Prüfungen auf dem Messegelände nur bedingt gefragt; im jetzt 14 Paare starken Feld war deshalb noch Platz frei. 

Die teilweise höher eingeschätzte Konkurrenz hatte das Nachsehen. Mit ihren nach längeren Pausen ausgeruhten Pferden, Zepter bei Andersen, Desperados bei der Amazone aus Dinklage, belegten die Nachzügler im Grand Prix am Freitag die beiden ersten Plätze vor den Weltmeisterinnen Jessica von Bredow-Werndl auf Zaire und Isabell Werth auf Don Johnson. 

„Es ist kein Geheimnis, dass wir fantastische Pferde haben.“

Während der zehnjährige Zepter die Zukunft noch vor sich hat, nähert sich die sportliche Karriere des sieben Jahre älteren Hannoveraners Deperados dem Ende. „Wahrscheinlich werde ich ihn im nächsten Jahr verabschieden“, erklärte dessen 32 Jahre alte Reiterin. Auch wenn der Vierbeiner, der nach dem Team-Triumph in Rio verletzungsbedingt zwei lange Pausen einlegte, bei seinem gestrigen Comeback im Viereck keinesfalls den Eindruck eines baldigen Rentners machte. 

„Natürlich hat man eine Meisterschaftsteilnahme immer im Hinterkopf, und ich möchte nichts ausschließen“, sagte Bröring-Sprehe mit Blick auf die EM 2019. Doch sie werde auf dem Weg zu großen Zielen jetzt mehr auf Desperados‘ neunjährigen Nachkommen Destiny setzen, mit dem sie am Sonntag ihre Premiere im Louisdor-Finale feiert. 

Sorgen um die Stärke ihrer Equipe muss Bundestrainerin Monica Theodorescu sich so oder so nicht machen. Das deutsche Dressurreiten scheint besser denn je aufgestellt. Mehr als 60 Medaillen konnten die hiesigen Vertreter dieser Disziplin über alle Altersklassen hinweg 2018 auf internationaler Ebene sammeln. „Es ist kein Geheimnis, dass wir fantastische Pferde haben.“ Doch müssten diese auch gesund bleiben. „Ende der 70er bis Ende der 90er Jahre war es schwerer, ins Nationalteam zu kommen, als mit diesem zu gewinnen“, erinnert sich Theodorescu. Dann sei das Engagement eine Zeit lang erschlafft, und bei der Suche nach den Gründen für die dadurch verpassten Chancen sei man an die falschen Ansprechpartner geraten. 

Als die heute 55-Jährige nach den mit nur eine Silbermedaille abgeschlossenen Spielen von London die Zügel beim nationalen Verband in die Hand nahm, gab sie als Devise aus, sich nicht über die Richter zu beschweren, sondern einfach besser zu sein als die anderen. Vier Jahre später standen die Deutschen wieder ganz oben. Wenn man sich zudem den tierischen Nachwuchs ansieht, wofür Frankfurt sich mit entsprechenden Prüfungen anbietet, scheint es auf lange Sicht schwer, sie von dort wieder zu vertreiben. 

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