Im Sauerkraut stehen Mitarbeiter einer Sauerkrautfabrik in Hameln. Sie hat zwölf bis zu 13 Tonnen fassende Gärbottiche, in denen das Duo den über ein Förderband einlaufenden geschnittenen Weißkohl stampft und mit Salz versetzt.
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Im Sauerkraut stehen Mitarbeiter einer Sauerkrautfabrik in Hameln. Sie hat zwölf bis zu 13 Tonnen fassende Gärbottiche, in denen das Duo den über ein Förderband einlaufenden geschnittenen Weißkohl stampft und mit Salz versetzt.

Noch immer zu viel Salz in der Nahrung

Reduzierung könnte Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko mindern / Experte kritisiert Ignoranz auch von Medizinern

Stuttgart (ap). Weniger Salz in der Nahrung könnte nach Expertenschätzung jeden zehnten Schlaganfall und Herzinfarkt verhindern. Die meisten Menschen nehmen heute weitaus mehr Salz zu sich, als notwendig und gesund ist, wie der Heidelberger Professor Eberhard Ritz in der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift" berichtet. Die Folge seien bei vielen Menschen ein erhöhter Blutdruck und Folgekrankheiten wie eben Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenschäden.

Die zahlreichen Studien, die diesen Zusammenhang belegten, würden selbst von Medizinern ignoriert, kritisiert Ritz. Um die richtige Menge Salz in der Nahrung werde in einer emotional aufgeladenen Atmosphäre diskutiert, die rational nicht erklärbar sei. Der Experte vermutet nach eigenen Worten, dass dafür die große Bedeutung, die Salz in der Vergangenheit hatte, eine Rolle spielt.

"Salz ist noch immer ein Symbol für Reinheit, Unbeflecktheit, Unbestechlichkeit, Unvergänglichkeit und selbst für Unsterblichkeit", sagt Ritz. Tatsächlich habe Salz in früheren Jahrhunderten den Reichtum vieler Städte und Länder begründet. Es sei zugleich ein lebensnotwendiges Gut gewesen, da es zur Konservierung von Nahrungsmitteln benötigt worden sei und den Handel vieler Güter erst möglich gemacht habe.

Dieses kostbare Gut wolle vermutlich unbewusst noch heute keine Mutter ihrem Kind vorenthalten, erklärt der Mediziner. Und so komme es, dass selbst die Babynahrung zu salzhaltig sei. "Alle Versuche, die frühkindliche Prägung auf Kochsalz durch eine salzreduzierte Babynahrung zu verhindern, sind kläglich gescheitert", kritisiert Ritz. Doch gerade hier müsse angesetzt werden: "Studien zeigen, dass die Salzzufuhr im Kindesalter den Salzappetit und die Höhe des Blutdrucks im Jugendalter vorbestimmen."

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