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„Wenn du es willst, ist es zu schaffen“, sagt Jaromir Jagr, hier 2017 in Diensten der Florida Panthers.

Eishockey

Der Nimmermüde

Altstar Jaromir Jagr kann es auch mit fast 48 Jahren noch nicht lassen – er ist nun ein Eishockey spielender Manager.

Sein markantes Haar trägt Jaromir Jagr nackenlang wie eh und je, es wird nur langsam dünner, und der Dreitagebart ist längst ergraut. Doch sonst ist das der Jagr, den man halt so kennt. Unverwechselbar bewegt sich das tschechische Idol über das Eis. Nicht mehr so schnell wie früher, aber wenn Jagr den Puck mit dem Körper vor dem Gegner abschirmt, dann macht er das auch mit fast 48 Jahren mit unvergleichlicher Geschicklichkeit. Eishockey, der Sport, den er so liebt und so geprägt hat, ist und bleibt für Jaromir Jagr erquickend wie ein Jungbrunnen.

„Eishockeyspielen ist für mich wie Urlaub. Das empfinde ich immer noch so“, sagte Jagr erst kürzlich dem Internetportal The Athletic. Und er ist immer noch mit der gleichen Leidenschaft bei der Sache, die ihn in der nordamerikanischen Profiliga NHL hinter Wayne Gretzky auf Platz zwei der ewigen Scorerliste gebracht hat. Nie war ein Europäer in Übersee so erfolgreich. 1733 NHL-Hauptrundenspiele mit 766 Toren und 1921 Scorerpunkten sind atemberaubende Kennziffern seiner herausragenden Karriere.

Die NHL hat Jagr seit knapp zwei Jahren hinter sich gelassen. Er, der tschechische Nationalheld, zweimalige Stanley-Cup-Champion, Olympiasieger und Weltmeister, ist zurückgekehrt in seine böhmische Heimat Kladno. Jagr hilft seinem Verein, bei dem er die Reife für Nordamerika erlangte, wo er kann – mit aller Kraft, praktisch rund um die Uhr.

Jagr spielt, Jagr lockt Zuschauer an, Jagr managt, Jagr organisiert, Jagr repräsentiert den Verein. Dort, in der kleinen Industriestadt vor den Toren Prags, passiert nichts ohne den umtriebigen Klubbesitzer auf Kufen. „Ich mache alles“, erzählte er, „absolut alles.“ Nach schier unglaublichen 30 Jahren als Eishockeyprofi könnte sich Jagr eigentlich entspannt zurücklehnen, stattdessen ist er beschäftigter denn je. Und ans Aufhören verliert er sowieso keinen Gedanken – jedenfalls solange er sich auf dem Eis für konkurrenzfähig hält: „Wenn ich merke, dass ich nicht mehr helfen kann und keine Fans mehr in die Arena bringe, dann spiele ich nicht mehr.“ Ein Mann, ein Wort.

Der Wille ist entscheidend

Soweit ist es allerdings noch nicht. Nachdem Jagr im Frühjahr fast im Alleingang die Erstligarückkehr von Rytiri Kladno sicherte, füllt er nun die Eishockey-Stadien von Karlsbad bis Trinec, von Liberec bis Brünn. Alle kommen, um ihn zu bewundern. Und für einen Scorerpunkt pro Spiel ist das Phänomen Jagr allemal gut, während er mit seinen „Rittern“ um den Anschluss an die Playoffplätze kämpft.

„Schau dir Tom Brady an, schau Roger Federer an. Ich bin noch ein bisschen älter als die beiden. Aber wenn du es willst, wenn du die Zeit aufbringst, dann ist das zu schaffen“, sagte Jagr. Zehn seiner Mitspieler sind halb so alt wie der Flügelstürmer, doch noch immer geht Jagr voran, ist ein Vorbild an Fleiß.

Telefonate am Morgen, Training auf dem Eis direkt danach, weitere Geschäftstermine, wieder aufs Eis oder in den Kraftraum. Tagein, tagaus. „Wir denken manchmal ziemlich altmodisch“, erzählte der kanadische Stürmer Brendan O‘Donnell, 27 Jahre, alt, für den die NHL bislang nur ein Traum ist, „aber was haben wir im Vergleich zu ihm erreicht? Nichts. Vielleicht sollten wir genau das machen, was er tut.“ Solche Worte hört der Boss sicher gern. (sid)

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