Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Leverkusens Trainer Bruno Labbadia schaute in der Bundesliga-Rückrunde nicht recht glücklich aus.
+
Leverkusens Trainer Bruno Labbadia schaute in der Bundesliga-Rückrunde nicht recht glücklich aus.

Labbadia und Leverkusen

Niemand zweifelt am Potenzial

  • VonDaniel Theweleit
    schließen

Bruno Labbadia ließ Bayer Leverkusen zuweilen hinreißenden Fußball spielen, aus der Krise fand die junge Mannschaft aber keinen Weg. Nun droht der Trainer offen mit seinem Abschied. Von Daniel Theweleit

Druck? Nein, Druck verspüre er nicht, versichert Bruno Labbadia, und ein gequältes Lächeln huscht über seine Lippen. Der Trainer von Bayer Leverkusen verlässt den Trainingsplatz, zum letzten Mal vor dem Pokalfinale gegen Werder Bremen am heutigen Samstag. "Den sehen wir hier nicht wieder", flüstert einer der Kiebitze, und es wäre wenig verwunderlich, wenn Labbadia ähnliche Gedanken durch den Kopf gingen.

Seit Wochen kursieren Gerüchte über die Zukunft des 43-jährigen Fußballlehrers, doch er sagt: "Wir haben ein absolut positives Erlebnis vor uns, ich verspüre eine große Vorfreude auf das Endspiel." Es ist ein Finale, von dem Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler glaubt, es könne einst als "Wendepunkt" in die Historie eingehen.

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" allerdings klingt das alles ganz anders. Dort moniert Labbadia, dass es eine "Kampagne" gegen ihn gebe. "Sicher ist: Es müssen sich einige Voraussetzungen ändern." Vor allem mit Manager Michael Reschke gebe es momentan keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit: "Fakt ist, dass wir eigentlich von Anfang an keine gemeinsame Arbeitsebene fanden."

Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser wollte den Rundumschlag nicht überbewerten. "Das nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, haben wir nie gesagt" erklärte Holzhäuser auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Ich sehe es als Reaktion auf die Kritik an ihm. Eine Kampagne gegen ihn gibt es nicht."

Mit einem Sieg würde das verkorkste Spieljahr für Leverkusen doch noch einigermaßen gerettet werden, die junge Mannschaft hätte die Chance, sich in der kommenden Saison auf dem europäischen Parkett weiterzubilden, und Auswahlspieler, die um ihre Teilnahme an der WM 2010 bangen, könnten ihre internationale Tauglichkeit in der neuen Euro League beweisen. Zudem würde Labbadia, dessen Name angeblich längst die Listen der trainersuchenden Erst- und Zweitligisten ziert, seine Chancen auf einen Verbleib in Leverkusen erheblich erhöhen.

Der junge Trainer ist in den vergangenen Monaten, als seine Mannschaft vom spektakulär spielenden Geheimfavoriten auf den Meistertitel zur grauen Bundesligamaus mutierte, heftig kritisiert worden. Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser mochte sich zu keinem der üblichen Treueschwüre durchringen. Auch Völler ist kritisch, "er frisst zu viel in sich rein", sagt der Sportdirektor über Labbadia, ihm fehle manchmal die nötige Lockerheit im Umgang mit seinen Jungs, deren Mehrheit ja gerade erst der Pubertät entwachsen ist. "Wenn es nicht läuft, arbeitet er noch mehr und noch mehr", erzählt Völler. "Normalerweise sagt man ja zu einem Trainer: Komm, mach doch mal dies, tu doch mal das. Bei Labbadia muss man eher bremsen."

Diese Verbissenheit, die in guten Tagen als Akribie gelobt wird, ist Teilen des Kaders zuletzt gehörig auf den Geist gegangen. Gerüchte machen die Runde über eine interne Abstimmung der Spieler, die ein klares Votum gegen den Trainer ergeben haben soll. Labbadia winkt ab: "Ich denke mir meinen Teil dazu, möchte mich aber jetzt nicht äußern." Wie Völler schon sagt, der Trainer frisst die Dinge in sich rein, aber was soll er tun? Wenn er sich öffentlich wehrt, macht er das Thema nur größer, als es ohnehin schon ist. "Es gab ein paar Reibereien", beschwichtigt Völler, "aber es gibt eben immer Spieler, die nicht so oft spielen, die nicht glücklich sind mit dem Trainer".

Aus der Mannschaft will sich vor dem Saisonhöhepunkt niemand öffentlich äußern, aber es sind nicht nur Ergänzungsspieler, die über den Trainer klagen. Labbadia-Unterstützer sagen, es sei ganz richtig, die als mimosenhaft geltende Mannschaft auch mal härter anzupacken, Kritiker verweisen auf die gescheiterten Versuche, den Abwärtstrend in der Bundesliga zu stoppen. "Wir sind weiterhin von Brunos Potenzial überzeugt", sagt Völler, dass Labbadia ein talentierter Fußballlehrer ist, bezweifelt aber ohnehin kaum jemand.

Der Hamburger SV hat sich während seiner Trainersuche im Frühjahr 2008 wegen der mangelnden Erfahrung gegen Labbadia entschieden, bei Bayer Leverkusen kommt erschwerend hinzu, dass nicht nur dem Trainer, sondern auch der Mannschaft die Routine fehlt. Wenn es läuft ist das Spiel dieses Teams dafür aber von hinreißender Schönheit und geprägt von einer wunderbaren Unbeschwertheit. "Wir schätzen die Art, wie Labbadia Fußball spielen lässt", sagt Völler, sogar im enttäuschenden Jahr 2009 blitzte der Zauber gelegentlich auf.

Das 4:1 in Hoffenheim war beeindruckend, das 4:2 im DFB-Pokal gegen den FC Bayern elektrisierte die Fans, und nach dem 2:1-Sieg auf Schalke Anfang Mai sprach Völler von "echtem Spitzenfußball". Allein die Konstanz fehlt, ein typisches Merkmal mangelnder Erfahrung.

Labbadia hat das übrigens schon vor der Saison geahnt, damals sagte er: "Dieses Jahr wird unglaublich schwierig, denn wenn es mal nicht so läuft, dann macht Erfahrung schon was aus. Wir brauchen kurzfristige Erfolge, weil wir diese junge Mannschaft mit ihrem großen Potenzial nur mit Erfolgen weiterentwickeln können." Der DFB-Pokal ist der Schlüssel daher zur Zukunft, für den Klub, den Trainer und die Spieler. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare