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Aaron Rodgers von den Green Bay Packers.

NFL

Zum Niederknien

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Die NFL ist weiter schwer mit Außersportlichem beschäftigt ? gut, dass es Aaron Rodgers gibt.

Und nun zu etwas völlig anderem. American Football, die NFL. Dieser Sport und diese Liga haben in den zurückliegenden Wochen ja ein recht verwirrendes Bild abgegeben, es ging vordergründig um Spieler, die bei der Nationalhymne niederknieten, aus Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA, und es ging darum, dass sich ein Typ mit footballfarbenem Teint, der der US-Präsident sein soll, anschließend darüber im Internet empörte. Knien, Empörung, Empörung über die Empörung, weiteres Knien, weitere Empörung. So geht das nun schon seit Saisonbeginn, und auch am fünften Spieltag blieb die NFL ihrem eskalativen Rhythmus treu.

US-Vizepräsident Mike Pence besuchte das Spiel der Indianapolis Colts gegen die San Francisco 49ers, 20 der Gästeakteure sanken wie üblich darnieder, sie sind besonders eifrige Protestierer, und Pence, nicht arg viel mehr als ein Schoßhündchen Donald Trumps, hielt sich an die Anweisung seines Präsidenten und verließ aus Protest gegen den Protest das Stadion. Brav, Mikey. Brav. Donald ist stolz auf dich.

Déjà-vu für Dallas

Es kann zurzeit nicht schaden, hin und wieder daran erinnert zu werden, dass auch nach dem Abspielen der Nationalhymne, nach dem gegenseitigen Belauern der Protestgegner und Protestbefürworter, spannende Dinge geschehen in der NFL. Gut, dass es Aaron Rodgers gibt. Rodgers, 33, Quarterback der Green Bay Packers, ist ein Meister des Dramas, das weiß man nirgends so gut wie in Dallas. In Dallas spielt dieser Rodgers ganz besonders gerne, hier hat er 2010 mit den Packers seinen ersten und bislang einzigen Superbowl gewonnen.

Hier, neun Monate ist es her, hat er die favorisierten Cowboys im Viertelfinale eigenhändig aus den Playoffs befördert, mit einem magischen Pass Sekunden vor Schluss, und hier hat er die Texaner nun erneut daran erinnert, wie es sich anfühlt, einem Zauberer ausgeliefert zu sein. Ein kleiner Lauf, ein schicker Pass, und schon hatte es Green Bay in die gegnerische Endzone geschafft und das Spiel doch noch mit 35:31 gewonnen.

Packers-Coach Mike McCarthy sah sich später vor ganz neue Herausforderungen gestellt von seinem Quarterback. Er wisse ja gar nicht, was er zu Rodgers’ Leistung noch sagen soll: „Ich werde mein Vokabular erweitern müssen.“ Und Dallas’ Verteidiger David Irving fand zwar Worte, als er die Schwierigkeit beschreiben sollte, gegen Rodgers zu verteidigen, verkniff sie sich aber lieber. „Am Liebsten würde ich ja jetzt das F-Wort benutzen“, sagte Irving, aber dann beließ er es doch bei einem Lächeln. „Awesome“ sei das, was Rodgers da mache, fantastisch also: „Bei ihm ist es so, dass man alle braucht, um einen zu stoppen.“

Rodgers, heißt es, könne die Zeit einfrieren. Vielleicht hat er sich das von Tom Brady abgeguckt, dem Quarterback der New England Patriots, der sich vor zehn Jahren entschloss, nicht mehr zu altern. 40 ist er offiziell, aber er spielt wie ein 30-Jähriger, und die NFL kann ihren jungen Oldie als Aushängeschild weiterhin gut gebrauchen; zwei andere Stars fallen ja für den Rest der Saison aus. Wide Receiver Odell Beckham Jr., 24, von den New York Giants brach sich den Knöchel, und auch J.J. Watt, 28, Houston Texans, verletzte sich schwer am Bein. Womöglich zur Freude Donald Trumps: Niederknien kann man mit einem gebrochenen Schienbeinköpfchen nämlich ganz bestimmt nicht mehr.

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