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Seit drei Jahren ohne Job in der NFL: Quarterback Colin Kaepernick.  

American Football

Die seltsamen Charaden der NFL: Rassismus-Vorwürfe überschatten Saisonstart

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Nach dem Kaepernick-Debakel versucht die American-Football-Liga, sich politisch korrekt zu zeigen und kooperiert mit Jay-Z – glaubwürdig ist das nicht.

Chicago ist eine der schwärzesten Städte der USA. Beinahe 900.000 Afroamerikaner wohnen in der „Windy City“ am Ufer des Lake Michigan. Und so darf man davon ausgehen, dass sich unter den Fans, die zum Saisonstart der Football-Liga NFL an das Soldier’s Field kamen, eine überdurchschnittliche Anzahl an Afroamerikanern befindet.

Vielen von ihnen wird die Show gefallen haben, welche die Liga vor dem 10:3-Sieg der Green Bay Packers im Eröffnungsspiel bei den Chicago Bears inszenierte. Star der Vorführung war der Rapper Meek Mills, der bevorzugt über die Lebenserfahrung der schwarzen Unterschicht im Ghetto erzählt – jenem schier unentrinnbaren Kreislauf aus Drogen, Gewalt und Gefängnis, dem er selbst entstammt.

Colin Kaepernick hat immer noch keinen Job in der NFL

Für die NFL ist diese Entertainmentwahl eher überraschend. Noch in diesem Frühjahr musste die Liga als Headliner für die Halbzeitshow der Superbowl die im doppelten Wortsinn blasse Band Maroon 5 akzeptieren. Kaum ein Künstler war mehr bereit mit der Liga zu kooperieren, nachdem sie dem öffentlich gegen Rassismus demonstrierenden Quarterback Colin Kaepernick keinen Job mehr geben mochte. Insbesondere schwarze Musiker gaben der NFL einen Korb – darunter auch der Rap-Superstar Jay-Z.

Nun haben sich die Zeiten jedoch verblüffend rasch geändert. Vor wenigen Tagen kündigte Jay-Z eine Kooperation mit der NFL an, er ist neuer Entertainment-Direktor und Berater in Sachen sozialer Gerechtigkeit. Als solcher wählte er Mike Mills als Saisonstarter aus, der selbst ein Opfer des dem US-Gerichtswesen inhärenten Rassismus wurde, als ein Richter seine Bewährungsauflagen nach einem Bagatelldelikt mit übertriebener Härte durchsetzte.

Die NFL entdeckt soziale Themen - sagt sie zumindest

Die Liga möchte sich offensichtlich „woke“ geben, wie man hier sagt, man möchte demonstrieren, dass man sich um die sozialen Themen des Landes sorgt, die besorgte Sportler wie Colin Kaepernick anzusprechen versuchen. Deshalb hat die NFL zuletzt auch eine Initiative für soziale Gerechtigkeit ins Leben gerufen, in der man sich um Bildung, Polizeigewalt sowie die Pathologien des Strafrechtssystems kümmern will. Die Initiative wird von vorwiegend schwarzen Spielern getragen, die Projekte fördern oder gründen, um schwarzen Jugendlichen bessere Aussichten im Leben zu schaffen.

Ist die NFL, die sich nicht zuletzt wegen der Causa Kaepernick den Vorwurf des Rassismus gefallen lassen musste, also geläutert? Skeptiker können sich das nicht vorstellen.

Eric Reid zum Beispiel, Profi bei den Carolina Panthers, hält das Spiel von Ligachef Roger Goodell für eine Charade: „Sie tun so, als würden sie sich für farbige Amerikaner interessieren, indem sie irgendwelche Pseudopartnerschaften bilden. In der Zwischenzeit hat Colin, der diese ganzen Diskussionen angezettelt hat, noch immer keinen Job.“

NFL: Colin Kaepernick ist seit mehr als drei Jahren arbeitslos

In der Tat ist Colin Kaepernick nun seit etwas mehr als drei Jahren arbeitslos, nachdem die San Francisco 49ers ihn mit fadenscheinigen Vorwänden vor die Tür gesetzt hatten. Zum Saisonstart postete Kaepernick auf Instagram ein Video von sich selbst beim Training. „917 Tage ohne Anstellung“, hieß es in dem Clip. „Und ich bin noch immer bereit.“

Auch sonst ist die Bilanz der Liga, wenn es um Rassismus geht, alles andere als beeindruckend. Nachdem im vergangenen Jahr fünf schwarze Trainer gefeuert wurden, hat die NFL in ihrer 100. Saison nur noch drei schwarze Trainer – in einem Sport, der zu 70 Prozent von schwarzen Spielern betrieben wird. Auf den ersten schwarzen Teameigner wartet man noch immer vergeblich.

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Das könnte nun pikanterweise Jay-Z werden. Kurz nachdem der Musiker und die NFL ihre Partnerschaft bekannt gaben, berichtete das Portal JMZ, dass der Rapper und Unterhaltungs-Milliardär seit einiger Zeit mit Nachdruck das Ziel verfolgt, eine Football-Mannschaft zu erwerben. „Er spielt eine Art dreidimensionales Schach“, kommentierte der Journalist Dave Zirin, Sportkommentator der politischen Wochenschrift „The Nation“. „Er benutzt seine Allianz für soziale Gerechtigkeit um das historische Ziel zu erreichen, als erster Afroamerikaner in den hyperexklusiven Kreis der NFL-Eigner aufzusteigen.“

NFL: Jay-Z fällt Colin Kaepernick in den Rücken

Dafür, so Zirin, sei Jay-Z sogar bereit, Colin Kaepernick in den Rücken zu fallen. „Die Sache mit dem Kniefall ist durch“, sagte Jay-Z bei einer Pressekonferenz zu der Partnerschaft. „Wir müssen jetzt gemeinsam schauen, was wir bewegen können, anstatt ewig darüber zu jammern, dass Colin keinen Job findet.“

Jay-Z, so folgert Zirin aus solchen Äußerungen, ist kein Aktivist sondern zuforderst ein Kapitalist, der seine Finanzinteressen wahrnimmt. Ob die NFL rassistisch ist oder nicht, sei ihm letztlich gleichgültig.

In der Zwischenzeit wird den Spielern, die noch immer Kaepernicks Kampf weiterführen, das Leben schwer gemacht. Kevin Stills, der weiterhin vor jedem Spiel bei der Nationalhymne kniet und der Jay-Z massiv für seine Kooperation mit der NFL kritisiert, wurde beim Training von seinem Coach mit einer Dauerberieselung von Jay-Z-Titeln begrüßt. Der Besitzer von Stills‘ Team, den Miami Dolphins, ist Steve Ross, ein glühender Anhänger und enger Freund von Donald Trump.

Das jemand wie Ross nun Jay-Z als politische Waffe gebraucht, ist auf den ersten Blick befremdlich. Doch so sind nun einmal die Realitäten im amerikanischen Sport des Jahres 2019.

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