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Dynamisch wie eh und je: Colin Kaepernick.

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NFL: Colin Kaepernick bekommt plötzlich eine neue Chance

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Der für seinen Hymnenprotest jahrelang geschmähte Quarterback darf sich in einem Schau-Training für die NFL empfehlen - und verstört die Liga mit einem plötzlichen Ortswechsel.

Atlanta - Auf dem American-Football-Feld der Charles Drew High-School von Atlanta ist oft Einiges los, insbesondere am Freitagabend während des Schuljahres, wenn die Charles Drew Titans zu ihren Heimspielen auflaufen. Dann kommt ein Großteil der Schülerschaft nebst Familien auf der Tribüne zusammen, die Cheerleader laufen auf, und auf dem Parkplatz werden die Grills angeworfen.

Was sich am Samstag am Spielfeld der High School abspielte, hatte der ruhige Wohnbezirk Riverdale jedoch noch nie erlebt. Kurz vor 16 Uhr fuhren mehrere TV-Übertragungswagen vor, es folgten Hundertschaften von Schaulustigen, zum Teil mit Transparenten und Schildern bewaffnet. Darauf zu lesen waren Dinge wie „Stand up for the Flag“ – Steh für die Fahne auf – oder, auf der anderen Seite „I’m with Kap“.

Colin Kaepernick in der NFL: Kurzfristiger Ortswechsel vonnöten

Grund für den Auflauf war die kurzfristige Entscheidung des ehemaligen NFL-Quarterbacks Colin Kaepernick, auf dem Feld der Drew Highschool ein Training abzuhalten. Und es war nicht irgendein Training. Kaepernick, 32 Jahre alt, der wegen seiner stummen Proteste beim Abspielen der Hymne seit drei Jahren keine Anstellung mehr findet in der US-amerikanischen Profiliga, durfte Vertretern der NFL vorführen, dass er noch das Zeug dazu hat, auf höchstem Niveau Football zu spielen.

Ursprünglich hatte das Vorspielen auf dem Trainingsgelände der Atlanta Falcons – der Profimannschaft der Stadt – stattfinden sollen. Doch als die Reporter, Demonstranten und Fans schon angereist waren, gaben Kaepernicks Vertreter bekannt, er habe sich dazu entschlossen, lieber an der Drew zu trainieren. Die kurzfristige Verlegung war dabei nur das letzte Kapitel eines Tauziehens zwischen der Liga und Kaepernick, das sich über die gesamte Woche vor dem Termin hingezogen hatte. Es gab kein Detail am Termin, das nicht umstritten war.

Colin Kaepernick und die NFL: eine Geschichte voller Probleme

Zuerst beklagte Kaepernick, dass Samstag im Wochenplan der NFL ein denkbar schlechter Tag ist. Die Mannschaften seien viel zu beschäftig damit, die Sonntagsspiele vorzubereiten. Dann wurde um den Haftungs-Ausschluss-Vertrag für den Termin gezackert. Schließlich forderte Kaepernick im Vorfeld eine Bekanntgabe all der Teamvertreter, die anzureisen gedachten.

Dass die Dinge zwischen Kaepernick und der NFL nicht eben rund laufen ist freilich keine Überraschung. Er stellt seit Beginn seiner Proteste in der Saison 2016/2017 ein gehöriges Problem für die Liga dar. Er hat damit von Anfang an die Fans gespalten. Vor allem die jüngeren und die afroamerikanischen NFL-Liebhaber waren begeistert von seiner mutigen Stellungnahme gegen den systemischen Rassismus in Amerika. Die eher konservativen weißen Fans bis hinauf zu US-Präsident Donald Trump fanden Kaepernicks Haltung respektlos.

Colin Kaepernick und die Teameigner: Keine allzu gute Verbindung

Die Teameigner der NFL gehören, wie es sich herausstellte, vornehmlich zur letzteren Kategorie. Kaepernick bekommt seit drei Jahren keine Anstellung mehr in der NFL, obwohl er nachweislich zu den besten Quarterbacks der Liga gehört. Er klagte gegen die kollektive Ausgrenzung und erzielte immerhin einen Achtungserfolg. Im Februar dieses Jahres zahlte die Liga dem arbeitslosen Werfer im Rahmen eines Vergleichs zwischen 60 und 80 Millionen US-Dollar. Seither kommt Kaepernick theoretisch wieder als Angestellter für die Liga in Frage. Doch bislang zeigten die 32 Teameigner wenig Interesse.

In der vergangenen Woche nun änderte sich das überraschend. Die Liga bot wie aus dem Nichts Kaepernick die Gelegenheit, vor Scouts unter Beweis zu stellen, dass er noch immer das athletische Niveau für die beste Liga der Welt hat. Dahinter steckte, wie bekannt wurde, eine Intervention des Jay-Z. Die Liga hatte zu Beginn der Saison eine Kooperation mit dem Hip-Hop-Star bekanntgegeben. Er ist für die Unterhaltung rund um die Spiele verantwortlich und soll sicherstellen, dass die jüngere, nicht-weiße Klientel dem Football nicht den Rücken kehrt.

Colin Kaepernick: Quarterback mit Spitzenniveau

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Doch es war nicht alleine ein Anruf von Jay-Z beim Ligachef Roger Goodell, der Kaepernick das Probetraining bescherte. In der NFL herrscht derzeit eine starke Personalnot auf seiner Stammposition. Eine ganze Riege von Spitzen-Quarterbacks ist langfristig verletzt, talentierte Nachrücker sind auf dem Markt nicht zu finden. So wird plötzlich Colin Kaepernick wieder interessant. Sportlich, das hat er beim Training unter Beweis gestellt, hätte er es auch nach drei Jahren Spielpause noch drauf. Die anwesenden Scouts zeigten sich beeindruckt – Kaepernicks Klasse siedele ihn im oberen Drittel der Liga an, war von den anwesenden Beobachtern zu hören.

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Nun muss die NFL zeigen, ob sie den Mut hat, Kaepernick zurückzuholen, oder ob sie ihn weiter zum Märtyrer macht. Die Entscheidung könnte rasch fallen. Die Saison geht in die entscheidende Phase, die Zeit drängt. Schon in den nächsten Tagen dürfte die Welt erfahren, welcher garantierte Ärger der NFL lieber ist: der, wenn sie Kaepernick wieder beschäftigt. Oder jener, wenn sie es nicht tut.

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