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Neuverteilung der TV-Gelder ist überfällig

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Von: Frank Hellmann

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Wer guckt wo zu? Die Fernsehgelder sollen in der Bundesliga nach einem neuen Schlüssel verteilt werden.
Wer guckt wo zu? Die Fernsehgelder sollen in der Bundesliga nach einem neuen Schlüssel verteilt werden. © Imago

Dass die Fernsehgelder in der Bundesliga neu verteilt werden müssen, ist ein notwendiger Schritt. Während Traditionsklubs jubeln dürfen, könnten sich dagegen neue Gräben auftun. Ein Kommentar.

Fast zehn Jahre ist es jetzt her, dass der italienische Fußball einen historischen Erfolg bejubelte. Der Titelgewinn bei der WM 2006 in Deutschland wirkte noch nach, als sich die Vereine der Serie A dafür feierten, eine gerechte Verteilung der Fernsehgelder errungen zu haben. 40 Prozent als Sockelbetrag, 30 Prozent nach Tabellenplatz und die restlichen 30 Prozent nach Zahl der organisierten Fans jedes Klubs sowie – man höre und staune – nach der Einwohnerzahl der Stadt. Italiens Sportministerin Giovanna Melandri sprach dereinst von einem „historischen Tag“. Ein Triumph der Gerechtigkeit? Beim AC Siena waren sie damals zutiefst beleidigt, denn eine der schönsten Städte der Toskana war auf einmal krass benachteiligt. Wegen ihrer nur 50.000 Einwohner. Wenn heute in einem Kongresshotel in Frankfurt das neue Verteilungsmodell für die 36 Lizenzvereine aus erster und zweiter Liga vorgestellt wird, wird weder Größe (noch Schönheit) der Standorte eine Rolle spielen. Die TSG Hoffenheim (3300 Einwohner) hätte sonst ein kleines Problem. Dass aber andere Kriterien einfließen, als nur der Tabellenplatz, ist bei näherer Betrachtung überfällig. Das Showbusiness Bundesliga wird im erheblichen Teil durch die Medienerlöse am Laufen gehalten und dabei gibt nun mal der Bezahlsender Sky das Meiste dazu.

Das Pay-TV leisten sich mehr Fans von Eintracht Frankfurt, 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen oder auch Hamburger SV als Anhänger des FC Ingolstadt, Darmstadt 98 oder FC Augsburg. Und Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg oder Hoffenheim mögen noch so anerkannt sein – bei den Einschaltquoten hinken sie zum Teil deutlich hinterher. Insofern ist es nur logisch, sich ein Modell auszudenken, das diesen emotionalen wie geldwerten Faktor auf eine bestimmte Art moderat berücksichtigt.

Vermutlich wird sich sogar das Wehklagen von kreativen Gestaltern wie dem SC Freiburg oder FSV Mainz 05 in Grenzen halten, weil sie sich sportlich viel Knowhow und wirtschaftlich viel Kraft angeeignet haben. Und sie genau wissen: Mit einer Million mehr wissen einige der im Team Marktwert zusammengeschlossenen Klubs ohnehin nichts Gescheites anzufangen.

Spannend dürfte sein, ob der Verteilungsschlüssel verhindert, dass der Graben zur zweiten Liga unüberwindbar tief bleibt – und Absteiger nicht ins Bodenlose stürzen. Schon jetzt müssen abgestiegene Erstligisten im ersten Jahr alles auf eine Karte setzen, um wieder hochzukommen. Gar nicht zu reden von der gewaltigen Kluft, die sich demnächst zur Dritten Liga auftun wird.

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