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Glücklicher Verkäufer der Biathlon-WM: Magdalena Neuner.
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Glücklicher Verkäufer der Biathlon-WM: Magdalena Neuner.

Biathlon-WM

Neuner und dann lange nichts

Die Biathlon-WM in Ruhpolding soll ein Höhepunkt der boomenden Sportart werden. Verband, Fernsehen und Ausrichter legen sich dafür kräftig ins Zeug. Doch: Die Perspektive für Biathlon in Deutschland ist ungewiss.

Von Stephan Klemm

In der vergangenen Woche haben sich die deutschen Biathleten in ihren abgeschiedenen Trainingslagern ein bisschen abzulenken versucht von dem, was Uwe Müssiggang als den „großen Hype“ umschreibt. Es waren nur kurze Ausflüge in eine andere Welt.

Denn „es nutzt ja nichts, wir können uns dem Thema Heim-WM in Ruhpolding jetzt nicht mehr entziehen. Dafür sind wir zu aufgeregt“, sagt der Bundestrainer.

Am Donnerstag um 15.30 Uhr (live im ZDF) geht es mit der Mixed-Staffel los, die Chiemgau-Arena ist seit einem Jahr renoviert und bereit, Kosten: 16 Millionen Euro.

Neuner - der personifizierte Hype

250.000 Zuschauer werden an acht Wettkampftagen erwartet. Ruhpolding, 6000 Einwohner, zum vierten Mal Gastgeber für Weltspiele mit Ski und Gewehr, hat einen Etat von sieben Millionen Euro aufgelegt.

„So wie uns geht es allen Nationen, alle fiebern dieser Kulisse entgegen, diesem großen Höhepunkt für unseren Sport“, hat Andrea Henkel festgestellt, eine von Müssiggangs Gold-Hoffnungen.

Henkel (34) ist eine hervorragende Biathletin, zwei Mal Olympiasiegerin, sieben Mal Weltmeisterin, vor kurzem hat sie ein Massenstartrennen in Oslo gewonnen, die Form stimmt also. Und doch ist für sie wie für alle anderen Biathleten nur eine Nebenrolle reserviert. Denn es gibt ja noch Magdalena Neuner. Sie ist der personifizierte Hype.

Neuner hört nach dieser Saison auf, mit 25 Jahren. Die Tage von Ruhpolding will sie nutzen, um sich adäquat von ihrem deutschen Publikum zu verabschieden. Die Bayerin, acht Saisonsiege, zehn WM-Titel, möchte sechs Medaillen erringen. In jedem Rennen eine. Das hat es noch nie gegeben.

Die Ticketstelle in Ruhpolding – Werbebotschafterin: Magdalena Neuner – und das Fernsehen – Trailer-Favoritin: Magdalena Neuner – sind glückliche Verkäufer.

Riesiger Sendeaufwand

Die Chiemgau-Arena – auf allen Plakaten zu sehen: Magdalena Neuner – wird immer ausverkauft sein. Und die Einschaltquoten werden gewiss so hoch sein wie nie zuvor bei dieser Sportart. Dabei sind sie auch ohne WM schon die besten, die der Wintersport zu bieten hat.

Die Mischung aus Laufen und Schießen, eine einst fast vergessene Sportart, erlebt seit ein paar Jahren einen sagenhaften Aufschwung. ARD und ZDF reagieren darauf in Ruhpolding mit dem Einsatz von 50 Kameras und riesigem Sendeaufwand. Biathlon ist die Nummer eins für die TV-Leute, andere Winter-Events laufen nebenher, auch der alpine Skisport, jahrzehntelang das Premium-Produkt des Deutschen Ski-Verbandes (DSV).

„Wir stehen nicht mehr im Fokus“, sagt Alpin-Sportdirektor Wolfgang Maier. Zurzeit erlebe Biathlon einen „Super-Boom, völlig zurecht, sie haben telegene Formen der Wettkampfgestaltung gefunden, die fesseln. So weit sind wir leider noch nicht. Beim Biathlon laufen sie häufig gegeneinander, das Element Schießen kann alles durcheinanderwirbeln, du bist live dabei, du fieberst mit, und dann ist da noch die Magdalena Neuner.“

Sympathisch, erdig, authentisch, findet Maier – „die haben alle gern, alle halten zu ihr, Wahnsinn. So etwas haben wir trotz unserer Doppel-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch zurzeit nicht.“ Neid empfinde er aber keineswegs, „ich denke als Verbandsmensch. Das schadet uns ja nicht“.

Nach Henkel kommt wenig

So denkt auch Horst Hüttel, der Sportchef der Skispringer, die vor der Biathlon-Hausse die Zuschauer am meisten von sich überzeugt hatten. „Das war vergleichbar. Wir hatten mit Sven Hannawald und Martin Schmitt Siegspringer. Solche Leute haben wir jetzt nicht, die Biathleten haben aber Neuner. Zumindest noch.“

Was nach ihrem Rücktritt passiere, sei völlig offen.

Denn Neuners Rücktritt wird zu Beginn des nächsten Winters eine große Schneise in die Biathlon-Statistik der Frauen schlagen. Es bleibt mit Henkel eine Seniorin mit partieller Siegmöglichkeit, danach „haben wir eher nichts mehr für ganz vorne“, sagt Müssiggang. DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller fordert deshalb Langläuferinnen zur Flucht zu den Biathletinnen auf.

Noch ist Neuner ja da

Schießen lasse sich schon erlernen. Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle hat „eigentlich nichts gegen diese Form des Austauschs“, der ja in Wirklichkeit ein Wildern ist, aber mit ein bisschen Genugtuung sagt er: „Bisher hat sich niemand gemeldet.“ Pfüllers Vorstoß sei verständlich: „Biathlon ist zu Recht aufgrund der Erfolge ganz vorne. Das will man nicht einfach aufgeben.“

Noch aber ist Neuner ja da. Und neben ihr und Henkel gibt es mit Arnd Peiffer sowie Andreas Birnbacher auch zwei männliche Medaillenkandidaten. Alle zusammen starten am Donnerstag schon mal in der Mixed-Staffel. Das bedeutet: Deutsche Favoriten werden dann in jedem Wettkampf vertreten sein. Es könnte sehr laut werden in der Chiemgau-Arena. Der Boom ist auf dem Höhepunkt.

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