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Das neue Handball-Duo an der Seitenlinie: Bundestrainer Christian Prokop und sein Co Erik Wudtke (rechts).

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Der Neue an Prokops Seite

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Während er Handball-EM gibt Erik Wudtke den Aushilfsassistenten.

Für die Zeit nach seiner aktiven Karriere als Handballer hatte Erik Wudtke einen ganz besonderen Berufswunsch: Sportlicher Leiter bei den Fußballern von Alemannia Aachen. Dazu muss man wissen: Wudtke ist ein waschechter Aachener – und als er davon träumte, da war die Alemannia noch weit weg davon, im Mittelmaß der Regionalliga West zu versinken. Im Jahr 2005 spielte der Traditionsklub in der zweiten Liga. Der Trainer hieß Dieter Hecking, der Antreiber im Mittelfeld war ein gewisser Simon Rolfes, und im Sturm glänzten Jan Schlaudraff und Erik Meijer.

„Die Alemannia hat sich allerdings in eine andere Richtung entwickelt“, sagt der 47 Jahre alte Sportfachwirt. Das Lachen in seiner Stimme verrät: Ganz schlimm hat es ihn nicht getroffen. Tatsächlich kann sich auch Wudtkes Karriere im Handball-Geschäft sehenlassen. Der Vater von zwei Kindern war Jugendtrainer im Landesverband Hamburg. Er führte den TuS Ferndorf in die Zweite Bundesliga. Er arbeitete als Sportlicher Leiter bei Bayer Dormagen. Und: Er ist seit 2015 ein Gesicht des Deutschen Handballbundes (DHB).

Eine rheinische Frohnatur

Zu seinem aktuellen Job als Jugend-Bundestrainer kommt nun eine verantwortungsvolle Aufgabe hinzu: Während der am kommenden Donnerstag beginnenden Männer-EM in Norwegen, Österreich und Schweden assistiert er dem deutschen Chefcoach Christian Prokop – als Ersatz für den erkrankten Alexander Haase. Seit Donnerstag ist Wudtke offiziell dabei. Am vergangenen Samstag haben die Fans den 1,96-Meter-Hünen mit der hohen Stirn erstmals beim Test im Mannheim gegen Island (33:25) in Aktion erlebt.

Erst kurz nach dem Jahreswechsel hatte Wudtke mit Isländern zu tun. Mit der deutschen U18 gewann er das Nachwuchsturnier in Merzig – und im Finale gab es ebenfalls einen Sieg gegen die Nordeuropäer. „Bei diesen Jungs steht vor allem die Persönlichkeitsentwicklung im Vordergrund, bei der A-Mannschaft wird es dagegen darum gehen, schnellstmöglich auf die EM fokussiert zu sein“, sagt der Co-Trainer. „Die eigentlichen Trainingsabläufe unterscheiden sich kaum.“

Wudtke muss viele Spieler erst noch richtig kennenlernen. Zumindest hatte er die deutschen Talente Johannes Golla und Marian Michalczik schon als Junioren unter seinen Fittichen. Nervosität verspürt er nach eigener Einschätzung nicht – „eher Vorfreude“. Wie es vor dem ersten Vorrundenspiel am 9. Januar gegen die Niederlande in ihm aussieht, vermag Wudtke natürlich noch nicht zu sagen.

Seine offene Art wird dem Wahl-Kölner, seit jeher dem rheinischen Frohsinn zugetan, bei der täglichen Arbeit helfen. Nachdem zuletzt einige Spieler für die EM abgesagt hatten, bot Wudtke Bundestrainer Prokop im Spaß an: „Christian, soll ich besser neben meinem Trainer- auch meinen Spielerpass mitnehmen?“ Seinen Namen hätte er aber dann doch nur auf der Liste der DHB-Offiziellen gefunden, erzählt er mit einem Lächeln.

Während seiner Laufbahn als Aktiver trug er das Trikot des belgischen Spitzenklubs und Europacup-Teilnehmers HC Eynatten. Seinen größten Erfolg feierte der Mittelmann allerdings mit der MT Melsungen: Er stieg im Frühling 2005 mit dem ambitionierten Team aus Nordhessen in die Bundesliga auf – und Wudtke war sogar der Kapitän dieser Mannschaft.

Damit ging für ihn ein sportlicher Traum in Erfüllung. Weitere Wünsche könnten in den nächsten Tagen auf einer Reise durch Europa reifen.

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