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"Wunderkind" Remco Evenepoel.

Radsport

„Der neue Merckx“ sorgt für Staunen

Remco Evenepoel wird in Belgien als der neue Eddy Merckx gefeiert und ist in der begeisterten Radsport-Nation mit seinen 19 Jahren schon ein vollvermarkteter Topstar. 

Harrogate (SID) Auch Tony Martin ist von Wunderkind Remco Evenepoel fasziniert. „Die Leistungen sind unglaublich. Wahrscheinlich ist er der neue Eddy Merckx“, sagte der deutsche Routinier bei der Straßenrad-WM über Belgiens Ausnahmetalent. Mit 16 noch Fußball-Nachwuchsnationalspieler und nun schon mitten in der Weltelite der Radprofis: Evenepoels Weg sorgt für beinahe ungläubiges Staunen.

In Belgien umgibt den Teenager längst ein Hype, dessen Auswüchse nicht immer gesund wirken. Um Evenepoel, der in Anlehnung an Merckx‘ Spitznamen der „Kannibale von Schepdaal“ genannt wird, läuft bereits auf allen Kanälen eine durchgestylte PR-Maschinerie. Sogar eine eigene Kleidungslinie inklusive Onlineshop gehört zum Repertoire.

Die Merckx-Vergleiche lehnt Evenepoel („Nennt mich nicht den nächsten Eddy Merckx“) zwar ab, doch verhindern kann er sie nicht. Zumal das Radsportidol selbst über den außergewöhnlichen Youngster sagte: „Er könnte besser sein als ich. Remco hat alle Qualitäten, um es zu schaffen.“ Und so geht unter belgischen Journalisten der Scherz um, dass ja eigentlich Eddy Merckx der alte Remco sei.

In der britischen Grafschaft Yorkshire hat Evenepoel nun erneut eine besondere Leistung vollbracht. Mit 19 Jahren und 243 Tagen stieg er zum jüngsten Medaillengewinner bei einem WM-Einzelzeitfahren der Profis auf. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das als 19-Jähriger schaffen kann“, sagte er. Nicht wenige hatten Evenepoel zuvor gar als Top-Favoriten gehandelt.

Eine Kostprobe seiner Begabung gab Evenepoel auch bei der Deutschland Tour ab, als er zwischen Marburg und Göttingen ein fast 100 Kilometer langes Solo zeigte und im Feld auch den letztjährigen Tour-de-France-Sieger Geraint Thomas zu einer intensiven Jagd zwang. „Da hat uns der kleine Junge mal kurz gezeigt, was er drauf hat“, erinnerte sich Nils Politt schmunzelnd.

Ebenso eindrucksvoll war Evenepoels Sieg bei der Clasica San Sebastian, einem schweren Eintagesrennen kurz nach der Tour de France. Zuvor hatte Evenepoel die Belgien-Rundfahrt gewonnen, danach holte er sich den EM-Titel im Einzelzeitfahren. Nochmal zur Erinnerung: Erst seit 2017 konzentriert sich Evenepoel voll auf den Radsport, zuvor war er sogar Kapitän des belgischen U17-Teams. Aber im Fußball ging es ihm offenbar nicht schnell genug.

Der umtriebige Patrick Lefevere, Teamchef des belgischen Rennstalls Deceuninck-Quick Step, hat rasch gehandelt und Evenepoel mit einem langfristigen Vertrag bis 2023 ausgestattet. „Er hat alle Erwartungen übertroffen, aber wir werden ihn dennoch geduldig und kontinuierlich entwickeln“, sagte Lefevere, in dessen Team seit Jahren erstaunliche Leistungen möglich sind.

Evenepoel setzte in Harrogate fort, was er 2018 mit den WM-Titeln im Zeitfahren und Straßenrennen der Junioren angedeutet hatte. Die Suche nach schlüssigen Erklärungen fordern diese Leistungen geradezu heraus. „Klar hätten viele erwartet, dass die Profis eine andere Liga sind“, sagte Tony Martin – und betonte: „Ich will daran glauben, dass eine fantastische sportliche Leistung auch eine fantastische sportliche Leistung ist.“ (sid)

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