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Witold Banka ist aktuell polnischer Sportminister und wird am 1. Januar sein Wada-Amt antreten.

Witold Banka

Neue Ära einläuten

Der frisch gewählte Wada-Präsident Witold Banka hat klare Ziele im Kampf gegen Doping.

Die Wahl des Polen Witold Banka zum neuen Präsidenten der Welt-Antidopingagentur war eine Formsache, galt aber trotzdem als wichtigste Zukunftsentscheidung der Organisation. „Es ist nicht einfach in den jetzigen Zeiten das Ruder zu übernehmen“, sagte Lars Mortsiefer, Vorstand der Nationalen Antidopingagentur. „Ich glaube, es ist gut zu sehen, dass da jemand unbedarft, jung aber mit klaren Zielen in die Kommandozentrale kommt.“ Das Wada-Gründungskomitee hatte den 35 Jahre alten früheren 400-Meter-Läufer am Donnerstag auf einer Sitzung in Kattowitz einstimmig gewählt. Er wird am 1. Januar die Nachfolge von Craig Reedie antreten. Der Schotte stand seit Aufdeckung des russischen Dopingskandals 2014 für sein Krisenmanagement, mit dem die Wada an Glaubwürdigkeit speziell bei Athleten verloren hat, in der Kritik.

Banka will nicht nur vieles besser machen als sein Vorgänger, sondern sogar eine neu Ära („Die Zukunft des Kampfes gegen Doping beginnt heute“) bei der Wada einläuten. „Die Athleten haben uns vertraut und wir dürfen sie nicht im Stich lassen“, betonte er. „Wir haben eine schwierige Aufgabe vor uns.“ Denn laut Banka steht die Wada vor dem Abgrund: „Ein Schritt vorwärts und wir werden stürzen.“ Mit den starken Worten hat Banka, dem schon als Sportler Doping „angeekelt“ habe, immense Erwartungen geweckt. Anders als seine Vorgänger, die zugleich Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) oder der Politik nahe waren, will er den Interessenkonflikt vermeiden.

Bis zum Antritt als Wada-Chef wird er den Posten als polnischer Minister für Sport und Touristik abgeben. „Es hat den Anschein, dass er sich als unabhängiger Präsident betrachtet“, sagte die Nada-Vorsitzende Andrea Gotzmann. Banka erweckt zumindest den Eindruck, als wäre er alles andere als pflegeleicht. Travis Tygart, Chef der Antidopingagentur der USA, wäre dies mehr als recht: „Wir brauchen eine starke, unabhängige Wada, nicht einen schwachen Dienstleister, den einige in den letzten Jahren genossen haben.“

Gemessen wird Banka nicht allein daran, ob er wie angekündigt athletennäher sein wird oder neue Geldquellen für das Wada-Budget auftut. Seine Nagelprobe wird der Fall Russland sein.

Was geschieht, wenn sich die Manipulation von Dopingdaten aus dem Moskauer Labor bewahrheitet? „Da muss er sich klar positionieren. Das erwarten alle von ihm“, so Mortsiefer. Banka ließ keinen Zweifel daran, dass er dem Anspruch gerecht werden will. Beim Nachweis der Manipulation würden „die Schritte gegenüber Russland und denen, die manipuliert haben, sehr streng und konsequent sein“ werden.

Bemerkenswert war, dass bei der Verabschiedung des scheidenden Wada-Präsidenten Reedie dessen Amtszeit sogar von einem kritischen Geist wie Richard Pound positiv bilanziert wurde. „Oftmals war die Kritik nicht fair. Er hätte das Handtuch werfen können, aber hat weitergekämpft“, sagte der Wada-Gründungspräsident.

Ungeachtet davon, soll der zuletztr verabschiedetet Welt-Antidopingcode, der jedoch erst am 1. Januar 2021 in Kraft tritt, dazu beitragen. „Das Regelwerk ist der Klebstoff aller Antidopingbemühungen“, erklärte Lars Mortsiefer. (dpa)

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