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Philipp Weber.  

Handball-EM

Der neue Anführer Philipp Weber

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Vor zwei Jahren unter der Last zusammengebrochen, nun ein Faktor im deutschen Handball: Philipp Weber ist trotz des verpassten Halbfinals ein Gewinner bei der Europameisterschaft.

Philipp Weber lief lange durch den sperrigen Weg der Katakomben der Arenen, hindurch durch die Journalisten, und erreichte die Kabine ohne Zeitverlust. Wenn der Rückraumspieler des SC DHfK Leipzig mit der Nationalmannschaft unterwegs war, hielt sich das Interesse an seiner Person in Grenzen. Das hat sich geändert. Der Stellenwert innerhalb des Teams des Deutschen Handballbundes (DHB) war niedrig, eine Nominierung für die Europameisterschaft, die am Samstag für die deutsche Mannschaft in Stockholm mit dem Spiel um den fünften Platz gegen Portugal zu Ende geht, keineswegs sicher.

Mit der Steigerung der DHB-Auswahl während der Hauptrunde in Wien steigerte sich auch Weber, zuletzt war er der Stratege in der Offensive. Möglicherweise ist der Leipziger gerade in die Rolle geschlüpft, die er bereits 2018 ausfüllen sollte, und woran er vor zwei Jahren in Kroatien krachend gescheitert war.

Die Botschaft von Bob Hanning war unmissverständlich. „Wenn wir unsere Ziele in den kommenden Jahren erreichen wollen, brauchen wir einen starken Spielgestalter. Philipp Weber soll diese Mannschaft in den nächsten Jahren führen“, sagte der DHB-Vizepräsident im Januar 2018 in Zagreb. Doch die Europameisterschaft endete damals in einem mittelgroßen Desaster.

„Sicherlich“, sagte Weber in der Wiener Stadthalle, habe die große Erwartungshaltung von außen eine Rolle für das Scheitern vor zwei Jahren gespielt. Dem Druck war der talentierte Rückraumspieler nicht gewachsen. Er spielte vor und während der Heim-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr keine Rolle in der Nationalmannschaft, galt vor dem aktuellen Turnier nicht als gesetzt.

Spätestens mit dem zweiten Hauptrundenspiel gegen Kroatien, das dramatisch mit 24:25 verlorenging, spielte sich Weber ins Rampenlicht. Da konnte er seine Stärken im Eins-gegen-Eins, seine Geschwindigkeit und Wendigkeit optimal zur Geltung bringen. Weber schwang sich zu einer prägenden Figur auf und behielt diese Rolle. Mit 20 Treffern zählt er zu den besten deutschen Torschützen, fast 70 Prozent der Würfe fanden bislang das Ziel, was für einen Rückraumspieler ein ausgesprochen guter Wert ist.

„Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung von uns als Mannschaft bei diesem Turnier, und auch mit meiner eigenen Leistung“, erklärte der 27-Jährige. Im Gespräch wirkt er mittlerweile reifer und reflektierter. In Wien bekam man den Eindruck, dass aus dem Lausbuben inzwischen ein Mann geworden ist.

In Leipzig galt Weber früh als großes Talent, aber auch als ein Heranwachsender, der möglicherweise nicht professionell genug für seinen Sport lebt. Beim SC DHfK traf er schon einmal auf den heutigen Bundestrainer Christian Prokop, beide waren kein perfekt harmonierendes Paar. 2016 wechselte er deshalb zur HSG Wetzlar, wurde Bundesliga-Torschützenkönig, und kehrte nach einem Jahr nach Leipzig zurück, weil Prokop inzwischen zum DHB weitergezogen war.

Die alten Geschichten interessieren ihn aber nicht mehr. „Mein Job ist es, die Mannschaft zu führen, punktuell Akzente zu setzen“, erklärte er nach dem 26:22-Sieg gegen Tschechien. Gegen Portugal und in den kommenden Jahren soll das so bleiben.

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