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Nebensache Halbfinale

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Tor zum Anfield Stadion: Liverpool will vor heimischer Kulisse gegen Atletico Madrid die 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel wett machen.
Tor zum Anfield Stadion: Liverpool will vor heimischer Kulisse gegen Atletico Madrid die 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel wett machen. © Getty

Der FC Liverpool kann dem Erzrivalen Manchester United den Weg zum Titel ebnen - mit einem Sieg über Chelsea. Kaum jemand spricht mehr über das Spiel gegen Atletico Madrid. Von Wolfgang Hettfleisch

Von Wolfgang Hettfleisch

"Hoffentlich, sagt Wayne Rooney, "können uns Liverpool oder Wigan einen Gefallen tun." Wigan, warum nicht. Aber Liverpool? Okay, Bittsteller Rooney ist ein waschechter Liverpodlian, wurde in Croxteth, einem Vorort mit üblem Ruf, geboren und wuchs dort auf. Aber ein Liebling jener, deren Herz für den FC Liverpool schlägt, ist der 24-Jährige nun wirklich nicht. Er spielte von Kindesbeinen an beim Lokalrivalen FC Everton und, noch viel schlimmer aus deren Sicht: Rooney wechselte von den "Blauen" zu Erzfeind Manchester United.

ManU einen Gefallen tun? Dafür hat man als "Scouser" ungefähr so viel Verständnis wie auf Schalke für Nachbarschaftshilfe zugunsten des BVB. Doch die Konstellation ist, wie sie ist. Am Sonntag schaut Premier-League-Tabellenführer Chelsea London an der Anfield Road vorbei. Und alles spricht dafür, dass der auf Platz sieben notierte FC Liverpool am vorletzten Spieltag Schicksal spielen wird im Zweikampf um die Meisterschaft zwischen dem FC Chelsea und Manchester United.

In der Lokalzeitung Liverpool Echo verbreiten Reds-Fans eine ziemlich happige Botschaft: Es gebe keinen Grund für das Team von Rafael Benítez, sich gegen Chelsea ein Bein auszureißen. Soll heißen: Schlagt bloß nicht die mit einem Punkt Vorsprung die Tabelle anführende Mannschaft von Michael Ballack. Denn dadurch würde United, ein Sieg in Sunderland vorausgesetzt, der 19. Meistertitel quasi auf dem Silbertablett serviert. Noch liegen die Großklubs aus Liverpool und Manchester mit je 18 Titeln gleichauf.

Klar ist: Kann ManU den letzten Spieltag mit Punktevorsprung angehen, wird Gast Stoke City kein ernstes Hindernis mehr sein. Nimmt wiederum Chelsea die Hürde in Liverpool, dürfte Wigan Athletic am 9. Mai an der Stamford Bridge nur ein manierlicher Sparringspartner im Vorprogramm der Meisterfeier sein.

Es ist keine angenehme Situation für den FC Liverpool. Aber das müssen die Spieler ausblenden. "Wir wollen so viele Punkte wie möglich holen und schauen, ob wir vielleicht doch noch auf Platz vier springen können", trat Kapitän Steven Gerrard den Spekulationen bereits entgegen. Der Vierte der Premier League spielt in der Qualifikationsrunde zur Champions League. In Wahrheit muss Liverpool froh sein, wenn es für die Europa League reicht.

Schulden von 300 Millionen

Das ist, nur mal so zur Erinnerung, jener Wettbewerb, in dem der Champions-League-Sieger von 2005 am Donnerstag (21.05 Uhr/live auf Sky) vor heimischem Publikum gegen Atletico Madrid um den Einzug ins Finale in Hamburg streitet. Angesichts der Aufregung um das vom liberalen Leitmedium The Guardian konstatierte "Anfield Dilemma" gegen den FC Chelsea ist das Semifinale fast schon zur Nebensache geworden.

Dabei ist es ungeachtet der 0:1-Niederlage im Hinspiel in Madrid wohl noch die beste Chance für den berühmten Klub, an die Tröge des europäischen Klubfußballs heranzukommen. Und das womöglich für einige Zeit. Die Situation beim FC Liverpool als Krise zu bezeichnen, wäre die Untertreibung des Jahres. Die Schulden sollen sich auf mehr als 300 Millionen Euro türmen, die US-Eigentümer erwiesen sich als völlig unfähig und versuchen nun fast verzweifelt, ihre Anteile loszuwerden. Trainer Benítez soll´s nach Turin ziehen, den derzeit verletzten Stürmerstar Fernando Torres umgarnen die Scheckheft-Diplomaten von Manchester City.

Am Sonntag gegen Chelsea Schicksal zu spielen, könnte also für lange Zeit die letzte tragende Rolle der Reds im großen Drama des englischen Fußballs sein. "Liverpool ist ein stolzer Klub", sagt Rooney. Was er meint, ist: Die Reds werden alles daran setzen, Chelsea zu stoppen. Und wenn es ihren Fans das Herz bricht.

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