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Wer neben Weissenberger ausgebootet wird

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Eines ist klar: Als Josef Hickersberger in der Nacht zu Mittwoch den Trainerstab der österreichischen Nationalmannschaft in ein abgelegenes Zimmer im Grazer

Eines ist klar: Als Josef Hickersberger in der Nacht zu Mittwoch den Trainerstab der österreichischen Nationalmannschaft in ein abgelegenes Zimmer im Grazer Schloßberghotel bat, stand eine stundenlange Klausur über eine der schwierigsten Entscheidungen seiner Karriere bevor. Wer darf bei der Europameisterschaft im eigenen Land nicht mitmachen? Der Beschluss wurde gestern zur Mittagsstunde im Grazer Kunsthaus am Lendkai verkündet. Für acht Akteure platzte der Traum - so viele wie bei keiner anderen Nation. Zu den Dummen zählen auch Andreas Ibertsberger (Hoffenheim) und Markus Weissenberger (Eintracht Frankfurt). "Es macht keinen Sinn, einen nicht 100-prozentig fitten Spieler mitzunehmen", sagte Hickersberger zum Verzicht auf den 33-Jährigen, der unter den Folgen eines Muskelfaserrisses litt.

"Ich bin am Boden zerstört. Die Enttäuschung sitzt tief und ist für mich nicht nachvollziehbar", kommentierte Weissenberger seine Ausbootung. "Bis zum nächsten Montag wäre ich 100-prozentig fit gewesen." Schon in dieser Woche hatte er mit Balltraining angefangen. "Es wurde jeden Tag besser." Er hätte sich auch gewünscht, dass ihm Hickersberger die Entscheidung nicht vor versammelter Mannschaft mitteilen würde, sondern in einem Vier-Augen-Gespräch. Weissenbergers Traum ist damit geplatzt, am kommenden Montag beginnt dann für ihn schon das Vorbereitungstraining bei seinem neuen Klub LASK Linz.

Auch woanders gab es reichlich Enttäuschungen. Polens Trainer Leo Beenhakker sortierte nicht unbedingt erwartet Stammverteidiger Grzegorz Bronowicki (Roter Stern Belgrad), Radoslaw Majewski (Groclin Wielkopolski) und Angreifer Radoslaw Matusiak (Wisla Krakau) aus. Kroatiens Cheftrainer Slaven Bilic ersparte sich solch eine Prozedur - er hatte sich schon am 5. Mai auf seinen endgültigen Kader mit sechs Bundesliga-Kräften festgelegt.

Aus der Bundesliga traf es überraschend dafür den Karlsruher Abwehrspieler Mario Eggimann, der bei der Schweiz keine Aufnahme unter die letzten 23 fand. Etwas unerwartet wurde auch den Türken Yildiray Bastürk (VfB Stuttgart) und Halil Altintop (Schalke 04) von ihrem Coach Fatih Terim ein ungewollt früher Sommerurlaub verordnet. Das Bundesliga-Duo gehört neben dem Ex-Hamburger Khalid Boulahrouz (Niederlande) zu den prominentesten Opfern des späten Bannstrahls.

Französischer Bannstrahl

Frankreichs Trainer Raymond Domenech eliminierte noch sieben Spieler, darunter mit Alou Diarra (Girondins Bordeaux), Mathieu Flamini (Arsenal London), Hatem Ben Arfa (Olympique Lyon) oder Djibril Cissé (Olympique Marseille) prominente Profis, die anderswo Stammplätze hätten. Willy Sagnol (FC Bayern) blieb trotz seiner Formschwäche im Kader.

Nach der endgültigen Bekanntgabe aller 16 Kader steht übrigens fest, dass 57 bei der EM beschäftigte Profis aus der Bundesliga stammen. Damit sticht die international oft geschmähte deutsche Spielklasse sogar die Spitzenligen in England (43), Spanien (41) und Italien (36) aus. Ob das allerdings ein Qualitätsmerkmal ist, steht auf einem anderen Blatt. hel/kil

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