Gregg Popovich, Trainer von NBA-Team San Antonio Spurs, musste viel Kritik einstecken.
+
Gregg Popovich, Trainer von NBA-Team San Antonio Spurs, musste viel Kritik einstecken.

Black Lives Matter

NBA-Proteste: Heftige Kritik an Reaktion von Trump-Gegner Gregg Popovich

  • Sascha Mehr
    vonSascha Mehr
    schließen

Seit dem Neustart der NBA gibt es zahlreiche Proteste von Spielern und Verantwortlichen. Ein Coach verzichte nun aber auf den Kniefall.

  • Spieler und Verantwortliche der NBA protestieren gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit in den USA
  • Die Spiele der NBA werden während der Corona-Krise in Disney World in Orlando ausgetragen
  • Gregg Popovich, Kult-Trainer in den USA, beteiligt sich nicht am Kniefall

Orlando/Florida - Der Neustart in der NBA ist geglückt. Die einzelnen Teams befinden sich in Orlando, auf dem Gelände von Disney World, in der sogenannten „Bubble". Dort ist es nicht möglich raus- oder reinzukommen. Unter strengen Hygienevorschriften und mit täglichen Tests auf das Coronavirus wollen Liga und Teams die Saison zu Ende bringen.

Insgesamt umfasst das erarbeitete Hygienekonzept der NBA 113 Seiten.  Von 32 Teams sind beim Re-Start noch 22 dabei. Diese Mannschaften spielen die Play-Off-Teilnehmer aus, die um den Titel kämpfen werden. Feststehen wird der neue Meister dann voraussichtlich im Oktober.

NBA-Proteste gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit

Kritik hatte es von vielen Seiten gegeben, vor allem weil die NBA die Saison ausgerechnet in Florida fortsetzt. In dem US-Bundesstaat breitet sich das Coronavirus rasant aus und die Zahl der Infizierten steigt täglich. Viele Profis zweifelten im Vorfeld am Turniers in Disney Word, aber nicht nur wegen des Coronavirus. Den Akteuren geht es auch um den Kampf gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit in den USA. Sie befürchteten, dass mit dem Re-Start der NBA der Basketball die politische Debatte in den Schatten stellen würde. Dazu kam es aber nicht.

Die Mannschaften protestieren von Spiel eins an. Die Spieler der NBA haben Botschaften auf ihren Trikots, tragen Shirts mit der Aufschrift „Black Lives Matter“ und gehen beim Abspielen der US-Nationalhymne auf die Knie, um so gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit zu protestieren.

NBA: Nicht alle Spieler knien oder tragen „Black Lives Matter“ T-Shirts

Doch nicht alle schließen sich dem Kniefall bei der Hymne an. Jonathan Isaac vom NBA-Team Orlando Magic blieb stehen. Er begründete das mit religiösen Gründen: „Für mich werden schwarze Leben durch den Gospel unterstützt.“ Viele konnten das nicht verstehen und straften Isaac mit Verachtung. Er habe während der Hymne gebetet, sagte er nach der Partie.

Strafen soll es für den Kniefall übrigens keine geben: „Ich respektiere den gemeinschaftlichen Akt des friedlichen Protests und werde unsere langjährige Regel, die das Stehen während der Nationalhymne verlangt, nicht durchsetzen“, sagte NBA-Boss Adam Silver.

NBA-Proteste: Gregg Popovich beteiligt sich nicht am Kniefall - und erntet Kritik

Neben Jonathan Isaac schloss sich auch ein Kult-Trainer der NBA nicht der Mehrheit an und blieb bei der Nationalhymne stehen: Gregg Popovich von den San Antonio Spurs. „ Jeder muss eine persönliche Entscheidung treffen. Die Liga war diesbezüglich großartig: Jeder hat die Freiheit zu reagieren, wie er möchte“, so der Coach, der aber einen „Black Lives Matter“-Pullover trug. Für den ausgelassenen Kniefall bei der Hymne erntet Gregg Popovich viel Kritik von allen Seiten. Vor allem im Netz bläst dem Coach, wie auch Jonathan Isaac, ein heftiger „Shitstorm“ entgegen.

Verwunderlich ist der Protest-Verzicht von Popovich vor allem auch deshalb, weil der Trainer der San Antonio Spurs ein großer Gegner von Donald Trump ist. Er lässt keine Gelegenheit aus, den US-Präsidenten öffentlich anzugreifen und dessen Politik zu kritisieren. Im Magazin „The Nation“ nannte Popovich Donald Trump zuletzt einen „gestörten Idioten“ - solche Aussagen sind keine Seltenheit, wenn der 71-Jährige öffentlich über Trump spricht. Aus welchem Grund er letztendlich auf den Kniefall beim NBA-Spiel seiner Spurs verzichtete, sagte der Coach übrigens nicht. (smr)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare