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Die Toronto Raptors bringen ihre Fans in Extase.

Kommentar

NBA-Champion aus Kanada - ein besonderer Titelgewinn

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Die Raptors bringen den kanadischen Nationalstolz in Wallung - obwohl ihr Triumph mit dem Verletzungspech der Warriors einhergeht. Unser Kommentar.

Ziemlich genau vor einem Monat war es, da hing die Saison für die Toronto Raptors am seidenen Faden. Oder, um es im Basketballkontext zu formulieren: Sie hing am Ring. Plong, plong, plong, plong; viermal hüpfte der Ball hin und her, ehe er sich doch dazu entschloss, mit Erklingen der Schlusssirene nach unten durch die Reuse zu trudeln – 92:90 für Toronto gegen Philadelphia, der Einzug ins Conference-Finale. Spannender kann Sport kaum sein.

Einen Monat später erleben sie bei den Raptors nur noch aufregende Momente. Nach dem ersten Titelgewinn eines kanadischen Teams in der NBA gegen die Golden State Warriors feierten die neuen Champions aus Toronto eine spontane Kabinenparty (inklusive Skibrillen zum Schutz vor Champagnerduschen), während in der Heimat Tausende auf die Straßen gingen und Feuerwerke abbrannten. Der kanadische Nationalstolz ist in Wallung geraten, verständlicherweise, immerhin hatte seit 1993 kein Team aus dem Land des Ahornblattes mehr in einer der großen US-Ligen die Trophäe abgeräumt (zuletzt war es Montreal in der NHL).

Mut der Raptors wird belohnt

Zweifelsohne, der Titel für Toronto ist besonders. Vor allem deshalb, weil er überraschend kam. Zu den Kleinen der Liga zählten die Raptors zwar nicht, so ist der Klub gut strukturiert, auch spielte er eine starke Hauptrunde. Aber ein Finalerfolg gegen die scheinbar übermächtigen Warriors? Gegen jene Mannschaft, die in den vier Jahren zuvor dreimal triumphierte? Nein, das hatte ihnen kaum jemand zugetraut.

Nun sei an dieser Stelle angemerkt, dass der Triumph der Raptors einhergeht mit dem Verletzungspech der Warriors. Erst erwischte es Superstar Kevin Durant, im sechsten Duell musste auch Klay Thompson raus. Die Ausfälle der Topleute konnte Golden State nicht kompensieren.

Das ist die eine Seite, auf der anderen führt die Spur zu Masai Ujiri. Der Nigerianer, der zwischen 1996 und 2002 als Spieler in Europa (unter anderem in Wolfenbüttel) aktiv war, heuerte in Toronto 2013 als Manager an. Die Raptors hatten zuvor fünfmal die Playoffs verpasst. Ujiri krempelte den Kader radikal um. Jahr für Jahr ging er stets einen Tick mehr ins Risiko als viele Konkurrenten. Nicht zuletzt lotste er seinen besten Mann, Kawhi Leonard, vor dieser Runde durch ein riskantes Tauschgeschäft nach Toronto. Ujiri gab Publikumsliebling DeMar Rozan für Leonard auf, der vorher zwei Jahre an einer Verletzung laboriert hatte, dessen Leistungsvermögen also nur schwer zu beurteilen war. Auch beförderte Ujiri den vorherigen Assistenten Nick Nurse zum Chefcoach, obwohl dieser bis dahin lediglich in Belgien und England das Sagen hatte. Der Mut wurde belohnt.

Neben dem Erfolg der kanadischen Basketballer beschäftigt die US-Sportwelt gerade noch ein zweiter, jener von den St. Louis Blues in der NHL. 52 Jahre lang galt der Klub aus Missouri als Synonym für Mittelmaß, ehe er sich nun überraschend seine erste Meisterschaft sicherte. Noch am 3. Januar waren die Blues übrigens Letzter.

Zwei spannende Geschichten, zwei Überraschungssieger.

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