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Nationalmannschaft sagt "Danke Fans!" in Berlin

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Die Fanmeile vor dem Brandenburger Tor in Berlin ist voll.
Die Fanmeile vor dem Brandenburger Tor in Berlin ist voll. © Foto: dpa

Berlin. Enttäuschung weggejubelt: Auch ohne den "Pott" des Fußball-Europameisters haben rund hunderttausend Fans am 30. Juni mit der Nationalelf auf

Berlin. Enttäuschung weggejubelt: Auch ohne den "Pott" des Fußball-Europameisters haben rund hunderttausend Fans am 30. Juni mit der Nationalelf auf Deutschlands größter Fanmeile in Berlin den EM-Abschluss gefeiert.

Ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer wogte am Brandenburger Tor, als die Vize-Europameister von Trainer Joachim Löw mit zwei Bussen vorfuhren. Auf einem Papp-Pokal stand "Danke", auf einem Transparent "Ihr seid die Besten". Als Torhüter Jens Lehmann als erster auf die riesige Bühne kam und einen Ball in die Massen schoss, klatschten die meist jungen Fans und hüpften. Die Kicker präsentierten sich nach der 0:1-Niederlage im EM-Endspiel gegen Spanien schon wieder locker, wenn auch nicht in großer Jubellaune.

"Natürlich ist man enttäuscht", gestand Kapitän Michael Ballack, der als letzter Spieler auf dem weißen Laufsteg vor dem Wahrzeichen erschien, mit Blick auf das verlorene Finale. Aber ohne den Rückhalt der Fans hätte es die Elf gar nicht bis dorthin geschafft, rief der 31-Jährige, dessen frisch genähte Augenbraue vom Kampf gegen die Spanier gezeichnet und von einem Pflaster bedeckt war. Auch Verteidiger Philipp Lahm dankte den Fans für "die tolle Stimmung über Wochen".

Den größten Kreischfaktor vor allem bei den weiblichen Fans gab es, als sich Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger und Stürmer Lukas Podolski der Menge zeigten. Podolski, der seine Sonnenbrille lässig ins bedruckte Mannschafts-T-Shirt gesteckt hatte, animierte - nicht ganz melodiesicher - zum Mitsingen der Fankurvenhymne "Humba, humba tätärääää..."

Genau vor 722 Tagen war die Nationalelf schon einmal zum Fanfest nach Berlin gekommen - zum emotionalen Abschluss der Fußball-WM 2006 im eigenen Land. An das damalige Sommermärchen wurden jetzt wieder Erinnerungen wach. Doch während vor zwei Jahren an einem Sonntag rund 1,5 Millionen Menschen gefeiert hatten, fiel die Party diesmal an einem normalen Arbeitstag etliche Nummern kleiner aus. Nach einer Stunde war das Fantreffen mit vorwiegend jungem Publikum schon wieder vorbei. Etliche vermissten eine "Gänsehautstimmung" wie 2006, als der WM-Dritte Deutschland als "Weltmeister der Herzen" gefeiert worden war. Damals war es auch eine - letztlich vergebliche - Demonstration, um Teamchef Jürgen Klinsmann zum Bleiben zu bewegen.

Trotzdem hatten sich schon Stunden vor dem offiziellen Partystart tausende Anhänger warmgefeiert. Wie beim EM-Finale, das am Sonntagabend bis zu 600 000 Menschen auf der Fanmeile verfolgt hatten, waren viele in Fahnen gehüllt. Andere trugen schwarz-rot- goldene Perücken oder hatten sich die Nationalfarben ins Gesicht gemalt. "Für Schweini tue ich alles", rief die 15-jährige Marie, die mit drei Mitschülerinnen gekommen war und für ihr Idol Schweinsteiger früher aus der Schule gehen durfte.

Zu ihrem letzten EM-Termin vor dem wohlverdienten Urlaub schwebten die Nationalkicker mit einer Lufthansa-Sondermaschine aus Wien am Flughafen Berlin-Tegel ein. Es war ein Empfang wie für Gewinner: Zwei Wagen der Flughafenfeuerwehr sprühten eine Begrüßungsfontäne, unter der die Boeing 737-300 hindurchrollte, auf der Gangway standen Stewardessen mit Blumen. Schon bei einer "Ehrenrunde" der Maschine über Berlin sei er beim Blick auf die Fanmeile beeindruckt gewesen, erzählte Verteidiger Per Mertesacker.

Eskortiert von Polizeimotorrädern wie sonst nur Staatsgäste ging es dann in zwei Bussen mit dem Schriftzug "Danke Fans!" zum Brandenburger Tor. Dort wartete schon der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit dem Gästebuch der Hauptstadt, in das sich die Spieler eintrugen. Auf der dicht umlagerten Bühne fiel bei den Spielern die Anspannung nach den wochenlangen Strapazen des Turniers ab. TV-Komiker Oliver Pocher, der seinen Fußballsong "Schwarz und weiß" ins Mikrofon röhrte, bekam aus den Reihen der Nationalspieler eine Bierdusche ab.

Am Ende rollten die Fußballer ein langes Spruchband aus, auf dem stand: "82 Millionen + 23 = 1 Team". Denn auf den Zuspruch der Fans will die Elf auch mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika bauen. Bei allem Respekt für den frischgebackenen Europameister meinte Trainer Löw: "Sollten die Spanier nochmal kommen in einem Turnier, dann werden wir sie schlagen." Und Schweinsteiger versprach, "alles zu geben und alles zu versuchen", auch einmal mit einem Pokal nach Berlin zu kommen. (dpa)

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