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Nagende Ungewissheit

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Fabio Capello.
Fabio Capello. © dpa

Die englische Auswahl steht nach dem Fehlstart gegen die USA vor dem Spiel gegen Algerien (20.30 Uhr) gewaltig unter Druck. Trainer Capello gibt preis, dass er Torhüter Green nach dessen Aussetzer auf die Bank verbannt. Von Christoph Karpe

Von Christoph Karpe

Die weißen Fahnen mit den gekreuzten roten Balken bestimmen mittlerweile das Straßenbild von Kapstadt. Englische Fans zogen gestern in Gruppen ums Greenpoint Stadion. 30.000 Anhänger der "Three Lions" werden heute auf den Tribünen mit ihren Gesängen versuchen, das nervige Tröten zu übertönen. Auch die Prinzen William und Harry haben sich fürs zweite Gruppenspiel am Abend gegen Algerien angekündigt.

England spürt den Druck, darf die hohen Erwartungen nicht enttäuschen. Ein weiterer Ausrutscher wie jenes fatale 1:1 gegen die USA käme einer Katastrophe gleich. Schließlich tritt Trainer Fabio Capello mit seinem Team hier an, um den zweiten Titel seit 1966 auf die Insel zu holen. Und auch wenn Algerien als 30. der Weltrangliste nicht wirklich Furcht einflößt, sind die Briten in Sorge. Das erste Spiel schmeckte nach einer Tüte lascher Chips. Torwart Robert Green leistete sich beim Gegentor einen Patzer, der in allen Video-Portalen von Zehntausenden Slapstick-Fans angeklickt wurde. Für das zweite Spiel seiner Mannschaft in der Gruppe C berief der Italiener deshalb den Routinier David James in die Startelf.

Rooney sieht sich in der Pflicht

Heute muss der Knoten platzen. Es käme gerade recht zum 64. Geburtstag des Trainers. Aber sollte England nur Platz zwei der Gruppe C hinter den zum Auftakt 1:0 gegen Algerien siegreichen Slowenen belegen, droht im Achtelfinale ein Duell mit Deutschland. Rooney sieht sich in der Pflicht: "Natürlich muss ich besser spielen und auch das Tor treffen. Doch in unserer Mannschaft gibt es noch andere hervorragende Spieler, die für einen Treffer gut sind." Er fühle sich daher nicht besonders unter Druck. "Ich werde mir nicht ständig den Kopf darüber zerbrechen, warum ich nicht treffe. Das wäre fatal. Ich werde schon wieder erfolgreich sein", sagt der 24-Jährige, für den 25 Tore in 61 Länderspielen zu Buche stehen.

Die britischen Fans sehen ihren Star schon außer Form. Zwar gelangen ihm in der Meisterschaft 26 Treffer, doch die Saison mit 44 Pflichtspielen hat Spuren hinterlassen. Beim Aus im Champions-League-Viertelfinale gegen die Bayern verletzte sich Rooney zudem am Knöchel. Seitdem fehlt der Schwung, auch wenn er beteuert, fit zu sein. "Klar war die Saison lang - aber keine Sorge."

Rooney möchte weiter gemeinsam mit Emile Heskey angreifen. Beobachter hatten angemahnt, Chancentod Heskey für den wieder fitten Mittelfeldmann Gareth Barry zu opfern oder lieber Jermain Defoe als zweiten Angreifer zu bringen. "Ich bin glücklich mit meinem Partner Heskey. Gemeinsam werden wir Algerien Probleme bereiten", sagt Rooney.

Trainer Capello, der durchaus erwägt, Defoe den Vorzug zu geben, plagt ein viel akuteres Problem: Kann er seinem Torwart-Favoriten Green noch vertrauen? Bei den Kritikern ist der unten durch: "Ich habe keinen flatternden Ball gesehen oder Pech. Da war nichts. Nur ein unvergleichlicher Fehler", sagte Ex-Arsenal-Keeper Bob Wilson zu Greens Patzer beim Schüsschen von US-Kicker Clint Dempsey. "Klar hat er einen Fehler gemacht, einen großen sogar. So etwas ist fürchterlich für einen Torhüter", gibt auch Capello zu. Aber: "Aber er hat in der zweiten Halbzeit eine großartige Reaktion gezeigt und uns vor einem Rückstand bewahrt."

Doch Capello fürchtet, dass "die ständige Erinnerung an den Fehler ein Kopfproblem hervorruft". Ob er deshalb dem 39-jährigen David James den Platz zwischen den Pfosten zuschlägt, ließ er offen. Der Trainer wollte erst nach einem Gespräch mit Green entscheiden, dem obendrein Liebeskummer zusetzen soll.

Auch die Fehler von James füllen bekanntlich Pannenarchive. Außerdem gilt die Kommunikation zwischen Coach und Torwart-Oldie als gestört. Sein Zögern wird Capello bereits als Missmanagement ausgelegt. Und weil im englischen Lager die Ungewissheit eingezogen ist, lenken sich Spieler und Trainer aktuell damit ab, einen Nebenkriegschauplatz zu eröffnen. Natürlich geht es gegen den Lieblingsfeind: Deutschland. Vehement wird über Franz Beckenbauer hergezogen, der England einen Rückfall in alte Kick-and-Rush-Zeiten bescheinigt hatte. "Soll er reden, ich höre da nicht hin", sagte Rooney und meinte noch: "Ich fände es sogar schön, schnell gegen Deutschland zu spielen und es im Achtelfinale zu schlagen." Dafür sollte er erst einmal gegen Algerien treffen.

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