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Sebastian Coe.

Leichtathletik

Coe nach „harten vier Jahren“ weiter IAAF-Präsident

Sebastian Coe darf auch die nächsten vier Jahre die Geschicke des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF leiten. Der deutsche Verbandspräsident Jürgen Kessing schaffte dagegen nicht den Sprung ins Council.

Direkt nach der einstimmigen Wiederwahl äußerte Sebastian Coe seinen Herzenswunsch für die neue Amtszeit. Die nächsten vier Jahre, so der alte und neue Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, sollten doch bitte nicht wieder „von Russland dominiert werden“.

Seit seinem Amtsantritt 2015 als Nachfolger des skandalumwitterten Lamine Diack ist Coe damit beschäftigt, den kriselnden Verband zumindest halbwegs wieder auf Kurs zu bringen. Der russische Dopingskandal, das korrupte System unter Diack – dazu die großen Diskussionen im Fall Caster Semenya: Langweilig wurde Coe jedenfalls nicht.

„Es waren vier harte Jahre“, sagte der zweimalige Olympiasieger, nachdem er zwei Tage vor WM-Start beim IAAF-Kongress in Doha einstimmig bis 2023 wiedergewählt worden war.

Russischer Dopingskandal nicht aufgearbeitet

Auch DLV-Präsident Jürgen Kessing lobte die Wiederwahl Coes („eine eindrucksvolle Bestätigung seiner Arbeit“), er selbst wird allerdings in den kommenden Jahren den Kurs der IAAF nicht in leitender Position mitbestimmen. Der 62-Jährige scheiterte mit seiner Kandidatur für das Council, höchstes Gremium des Verbandes. Seine 45 Stimmen seien ein „respektables Ergebnis“ gewesen, sagte Kessing. Und eher ein Testlauf, in vier Jahren will er es wieder versuchen.

Bis 2023 will sich Coe mit dem Verband der Zukunft zuwenden. „Wir haben vier Jahre voller Veränderungen hinter uns, jetzt ist Zeit, etwas aufzubauen“, sagte Coe. Denn die Probleme der Sportart sind groß: Die Attraktivität sinkt, die Leichtathletik verliert an Fans, es fehlen Innovationen. Ob dabei eine WM in Doha, noch unter dubiosen Umständen unter Coes Vorgänger Diack vergeben und zu einem ungewöhnlich späten Zeitpunkt im Jahr, allerdings hilft, ist mehr als fraglich.

Die Leichtathletik-Familie stützte jedenfalls ihren „Heilsbringer“. Nach der WM wird der Verband in „World Athletics“ umbenannt – doch auch wenn Coe die Altlasten damit am liebsten hinter sich lassen will, sie werden auch in seiner zweiten Amtszeit zum Thema werden.

Der russische Dopingskandal ist bei weitem nicht aufgearbeitet, die fast vierjährige Suspendierung des nationalen Verbands RUSAF wurde nach neuen Manipulationsvorwürfen am Montag zum insgesamt zwölften Mal verlängert. In Doha nehmen 30 russische Sportler als „neutrale Athleten“ teil. Zudem steht auch noch das Urteil des Schweizer Bundesgerichts über die umstrittene Testosteron-Regel im „Fall Semenya“ aus.

Allerdings hat Coe auch schon eine Menge erreicht. Er gab dem Verband eine neue Struktur, sein „Glanzstück“, die unabhängige Integritätskommission AIU, zuständig unter anderem für Doping und Ethik, sucht in anderen Sportarten ihresgleichen. Am Mittwoch verkündete er zudem den größten Sponsoren-Deal der IAAF-Geschichte mit dem chinesischen Multi-Konzern Wanda.

Für seine harte Haltung zu Russland gab es viel Lob. Allerdings blieb ihm dabei eigentlich keine Wahl, denn auch Coe stand zu Beginn seiner Amtszeit unter Druck. Erst im April 2019 wurde die verbandsinterne Untersuchung darüber, ob Coe in seiner Zeit als Vizepräsident vom Doping- und Korruptionsskandal gewusst habe, eingestellt.

„Wir haben viel geschafft, darüber gibt es keine zwei Meinungen. Einiges, weil ich Veränderungen wollte. Und einiges, das gebe ich offen zu, weil wir dazu gezwungen wurden“, hatte Coe im Vorfeld erklärt.

Wie hart „Tradition“ und „Moderne“ in der IAAF aber noch aufeinanderprallen, zeigte sich symbolisch am Mittwochmorgen, wenige Stunden vor der Wahl. Die neu geschaffene AIU suspendierte das Council-Mitglied Ahmed Al Kamali vorläufig. Dem altgedienten Sportfunktionär aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, der sich erneut zur Wahl stellen wollte, werden mögliche Verstöße gegen die Integritätsvorschriften vorgeworfen. (sid)

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