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Ein Mittagsschläfchen ist hierzulande im Büro nicht üblich.
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Ein Mittagsschläfchen ist hierzulande im Büro nicht üblich.

Arbeitspause

Mythos Mittagsschlaf

Mit "Power-Napping" die Produktivität am Nachmittag retten.

Von JUTTA BEINER-LEHNER

Als Unternehmensberater möchte Gustav Stubbe seine Vorliebe fürs Mittagsschläfchen nur unter geändertem Namen kundtun: "Der Leistungswettbewerb der Branche ist enorm. Da möchte keiner Vorreiter sein, wenn es um Bekenntnisse geht, sich mitten am Tag eine kleine Auszeit zu gönnen", weiß der 43-Jährige.

"Wenn die Müdigkeit einen plötzlich übermannt, gerät das produktive Arbeiten aus dem Takt", sagt Stubbe. Sein Patentrezept für neue Frische: Einmal kurz 15 Minuten in erquicklichen Schlaf abzutauchen, manches Mal ausgestreckt unter dem Schreibtisch oder auf einem Stuhl sitzend. Das Ergebnis sei immer wunderbar, "eine Entspannung, die durch den ganzen Körper geht". Und schwups - geht alles wieder leicht von der Hand.

Mit seinem Hang zum Minutenschlaf steht Stubbe nicht allein, auch wenn kaum einer darüber spricht. "Nach einer aktuellen Befragung würde jeder zweite gerne einen Mittagsschlaf machen, wenn er nur könnte", berichtet Dr. Wolfgang Wirtz, der Leiter des Mönchengladbacher Schlaflabors im Krankenhaus St. Kamillus. Doch nur rund sechs Prozent der Berufstätigen machten das für sich möglich.

"Bislang wurde der Mittagsschlaf eher Rentnern und Kleinkindern zugestanden", sagt Wirtz, "doch neuere Forschungsergebnisse sprechen inzwischen sogar von seiner vorbeugenden Wirkung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der Haupttodesursache in Industrieländern. Gerade arbeitende Männer zögen aus einem kurzen Schlaf, nicht länger als 20 Minuten, den optimalen Nutzen.

Gut für das Herz

Wer sich drei Mal die Woche diese gesunde Siesta gönnt, verringert sein Risiko um 37 Prozent, ergab eine Langzeit-Studie mit mehr als 23 000 Griechinnen und Griechen zwischen 20 und 86 Jahren, die jetzt in den "Archives of Internal Medicine" veröffentlicht wurde. In den südlichen Ländern wie Griechenland oder Portugal gehört eine Siesta ohnehin zum Alltag. Mit dem munteren Label "Power Napping" finden diese Ergebnisse immer mehr Gehör.

In US-Unternehmen werden vielerorts inzwischen so genannte "Metronap-Räume" eingerichtet, für den gesunden Kurzschlaf der Mitarbeiter, die auch am Nachmittag wieder auf Hochtouren laufen sollen. "Der Mittagsschlaf entspricht einem natürlichen Bedürfnis des Menschen", bestätigt Professor Jürgen Zulley, Vorsitzender der Deutschen Akademie für Gesundheit und Schlaf. Nicht zuletzt sinke das Risiko von Fehlern und Unfällen am Arbeitsplatz.

Damit das Ganze nicht zu einem längeren Schlummer gerät, empfiehlt Wolfgang Wirtz unmittelbar davor einen Espresso zu trinken. "Der geht nach etwa 20 Minuten ins Blut und schon wacht man wieder auf." Den gleichen Zweck erfülle auch ein in der Hand gehaltener Schlüsselbund: Sobald der Tiefschlaf, nach 20 Minuten, einsetzt, entspannt die Faust. Der Schlüssel fällt zu Boden, der Mensch wacht auf.

Hartmut Grüger, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums am Diakonie-Krankenhaus Kaiserswerth, sieht den neuen Ruf nach Power-Napping eher mit Skepsis. "Es wäre volkswirtschaftlich sinnvoller, wenn die Leute insgesamt wieder stärker nach ihren biologischen Erfordernissen leben." Der Rhythmus von Schlafen und Wachen sei bei vielen aus dem Takt geraten, der Nachtschlaf mit weniger als sechs Stunden oft zu knapp bemessen. "Natürlich sind sie dann mittags erledigt." Und die Siesta in südlichen Gefilden sieht Grüger eher klimatisch bedingt. "Statt eines Mittagsschläfchens wäre es sinnvoller, in der Pause einen kleinen Spaziergang zu machen", findet der Mediziner. "Wer nachts ausreichend schläft, hat tagsüber genügend Energie."

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