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Enttäuschte Kölner: Lukas Podolski (Links) und Milivoje Novakovic beim Verlassen des Feldes.

Zaghafte Kölner

Mutlos am Millerntor

Im Duell zweier Abstiegskandidaten ist der 1. FC Köln vom FC St. Pauli überrollt worden. Mit 3:0 hatten die Hamburger am Ende die Nase verdient vorne, Köln konnte froh sein, nicht höher verloren zu haben.

Von Karlheinz Wagner

Nach 20 Minuten gab es Beifall auf offener Szene für den 1. FC Köln. Abwehrspieler Fabrice Ehret hatte aus dem Mittelfeld heraus einen Rückpass versucht und derart verbaselt, dass Torwart Michael Rensing Richtung Eckfahne sprinten musste, um den Ball vor dem nächsten Angreifer zu erreichen. Rensing drosch den Ball hoch übers Tribünendach der Gegengeraden; dorthin, wo sich am Hamburger Himmel die fantastische Silhouette der Elb-Philharmonie abzeichnet, die im Hafen ihrer Fertigstellung entgegen wächst. Viele der 24 355 Zuschauer am Millerntor applaudierten anerkennend. Einen solchen Kunstschuss sieht man auf St. Pauli offenbar nicht alle Tage.

Dass es die stärkste Szene der Kölner war, wird nicht mal deren Trainer Frank Schaefer bestreiten. „Es gibt Tage, da gibt es nichts zu beschönigen“, sagte er nach dem 0:3 (0:2) seiner Mannschaft beim Hamburger Abstiegs-Konkurrenten. Nur eine Woche nach dem erhebenden 3:0-Erfolg über – allerdings schrottreife – Bremer ist es in Köln wieder Zeit für ein bisschen Panik. Nach von beiden Seiten spielerisch schwachen, aber kämpferisch intensiven und giftigen 20, 25 Minuten hatte der 1.FC Köln seine Bemühungen für beendet erklärt und die Arbeit eingestellt. Warum? Schwer zu sagen. „Wir haben alles vermissen lassen, was man in solch einem Spiel zeigen muss. St. Pauli hat ein Lehrbeispiel dafür geliefert, wie man aufzutreten hat – mit Aggressivität, Leidenschaft und Kampf“, sagte Schaefer.

Der FC St. Pauli, angeführt vom ideenreichen Charles Takyi, konnte sein Glück kaum fassen, übernahm mit ungestörtem Kombinationsfußball die Kontrolle und suchte mit Weitschüssen den Erfolg. Das 1:0 resultierte aus solch einem Weitschuss, weil Takyi sich 30 Meter vor dem Tor den Ball in aller Ruhe zurechtlegen durfte und Rensing schön, aber erfolglos dem Ball ins lange Eck platzierten Ball hinterherflog.

Schaefer ritt nicht auf seinen Personalproblemen herum: „Ich will kein Alibi für diese Leistung liefern.“ Aber weil Pedro Geromel gelbgesperrt und Youssef Mohamad beleidigt zu Hause geblieben war, musste Schaefer seine Defensive komplett umbauen. Christian Eichner und der japanische Neuzugang Tomoaki Makino bildeten das Abwehrzentrum, Fabrice Ehret und Andrézinho verteidigten außen – oder auch nicht. Makinos Debüt misslang gründlich, auch wenn Schaefer „gute Ansätze“ gesehen haben will. Das 2:0, ebenfalls durch Takyi, entsprang dem Chaos in der Kölner Hintermannschaft, die weder den Torschuss noch die vorangegangene Kombination im Strafraum zu unterbinden vermocht hatte.

Am Ende hatte St. Pauli nicht nur ein 3:0, sondern auch 30:3 Torschüsse vorzuweisen. „Wir sind hier überrollt worden“, fasste Schaefer zusammen, „die Torschuss-Statistik ist dafür nur ein weiterer Beleg.“ Die starke Torwartleistung von Michael Rensing war auch einer. Ein halbes Dutzend schwer zu haltende Schüsse parierte der Kölner Schlussmann. „Nur ihm haben wir es zu verdanken, dass wir nicht höher verloren haben“, bestätigte sein Trainer. Und jetzt? Wenn der Blick nach vorne nicht erfreulich ist, guckt man eben zurück: „Wir haben immer noch aus den letzten elf Spielen 14 Punkte geholt.“

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