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Tragende Säule des deutschen Tennis: Jan-Lennard Struff. 

Tennis

Mutig nach Madrid

Deutsches Daviscup-Team qualifiziert sich für die Finalrunde. Die Teilnahme von Alexander Zverev ist noch offen.

Der bärenstarke Jan-Lennard Struff und seine Kollegen ließen sich im Düsseldorfer Castello feiern, derweil schoss Alexander Zverev im 9000 Kilometer entfernten Staples Center von Los Angeles Selfies mit dem früheren NBA-Star Dwyane Wade. Ob sich an der räumlichen Entfernung zwischen dem besten deutschen Tennisspieler und dem Daviscup-Team bis zur Finalrunde im November in Madrid etwas ändert, ist vorerst unklar. Im vergangenen Jahr war Zverev jedenfalls nicht dabei.

Daviscup-Kapitän Michael Kohlmann reagierte nach dem 4:1 seiner Mannschaft in der Qualifikation gegen Weißrussland eher kühl auf Fragen nach Zverev. „Ich glaube, wir haben letztes Jahr in Madrid gezeigt, dass wie so, wie wir jetzt hier sitzen, ganz gut mithalten können“, sagte der 46-Jährige. Neben ihm nickten Struff, die Doppelspieler Kevin Krawietz und Andreas Mies, Philipp Kohlschreiber und Ersatzmann Dominik Koepfer zustimmend.

In Düsseldorf präsentierte sich die deutsche Mannschaft als verschworener Haufen, in dem jeder einzelne darauf brennt, für Schwarz-Rot-Gold zu spielen. Struff füllte seine Rolle als Anführer souverän aus, Krawietz/Mies zeigten erneut, dass ihr French-Open-Sieg 2019 keine Eintagsfliege gewesen sein muss, und der junge Dominik Koepfer fand nach seinem Daviscup-Debüt im bedeutungslosen letzten Einzel kaum genügend Worte, um seinen Stolz zu beschreiben.

Kohlschreiber denkt nach

Das große Fragezeichen bleibt Philipp Kohlschreiber. Der 36-Jährige kassierte die einzige Niederlage in der Partie gegen die Weißrussen und gab offen zu, dass „Tennis für mich nicht mehr die allerhöchste Priorität genießt“. Ob „Kohli“ im November noch dabei ist, scheint sehr fraglich, denn: „Ich mache mir mit 36 schon Gedanken darüber, was es sonst noch so im Leben gibt.“

Und deshalb brauchen sie Alexander Zverev, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Das weiß selbstverständlich auch Michael Kohlmann. „Mit einem Top-Ten-Spieler sind wir natürlich in einer ganz anderen Position“, sagte er. Und seine Jungs haben ja viel vor in Madrid, es soll auf jeden Fall weiter gehen als 2019, als im Viertelfinale gegen Großbritannien Endstation war. „Dieses Mal wollen wir richtig was reißen“, sagte Andreas Mies und schlug dem Verband vor, zur besseren Unterstützung ein paar Hundert Fans nach Madrid einzufliegen: „So teuer ist das doch nicht.“

Wird das Finale reformiert?

Ob Deutschland in der Vorrunde, die am Donnerstag (12. März) in London ausgelost wird, überhaupt nach Madrid muss, darüber beraten derzeit die zuständigen Gremien des Weltverbandes ITF. Angedacht ist unter anderem, die Vorrunde mit den sechs Dreiergruppen in drei andere Städte auszulagern, als Gastgeber der deutschen Spiele ist München im Gespräch.

„Es wird gerade einiges besprochen“, sagte Boris Becker, Chef für den Bereich Männertennis im DTB: „Die Idee der Finalrunde ist gut, aber es gibt Raum für Verbesserungen.“ Eine davon wäre, erst ab dem Viertelfinale in Madrid zu spielen. Vielleicht findet Alexander Zverev das ja so gut, dass er unbedingt dabei sein möchte. 

sid

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