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Ist fürs Adrette zuständig: Katarina Witt.

Olympische Winterspiele 2018

Münchner Offensive

Nach vielen Rückschlägen soll die deutsche Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 endlich Fahrt aufnehmen. Wenn es nach den vielen prominenten Unterstützern geht, ist die Antwort klar.

Von Wolfgang Hettfleisch

Was den Promi-Faktor anlangt, können die Gegner der Münchner Olympiabewerbung für die Winterspiele 2018 mit deren Befürwortern nicht mithalten. Am Dienstag stellte sich in Garmisch-Partenkirchen der neue Verein „Olympija 2018“ vor. In der ersten Reihe der Ja-Sager: Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, beider Sohn Felix, Alpin-Queen Maria Riesch, die Eishockey-Ikonen Joseph Heiß und Franz Reindl. Sie alle treten in der als Austragungsort der Alpin-Disziplinen vorgesehenen Marktgemeinde für die Bewerbung ein.

Das passt gut ins Konzept der Strategen der Münchner Bewerbung. Knapp zwei Monate vor Abgabe der offiziellen Bewerbung beim IOC, dem sogenannten Bid Book, will man in die Offensive kommen. Nach der Verweigerung von Oberammergau, dem Streit mit renitenten Landwirten in Garmisch-Partenkirchen, dem Beinahe-Infarkt des Bewerbungsetats und dem gesundheitsbedingten Rückzug von 2018-Chef Willy Bogner soll die Zeit der Zweifel und Rückschläge endlich vorbei sein. Also hagelt es plötzlich gute Nachrichten. So verkündete Deutschlands ranghöchster Sportfunktionär Thomas Bach zusätzlich zu den klimaneutralen auch gleich noch die finanzneutralen Spiele, als er versprach, das Organisationskomitee werde eine schwarze Null schreiben.

Sicherheit gibt’s gratis

Kann sein, bedeutet aber keineswegs, dass das Weltsportereignis umsonst zu haben ist. Das OK-Budget soll sich auf 1,3 Milliarden Euro belaufen, weitere 1,6 Milliarden kämen für den Ausbau der Infrastruktur hinzu ? Geld aus Steuermitteln also. Und aus einer im Blog des Sportjournalisten Jens Weinreich einsehbaren Anlage zum Eckdatenpapier, dem Entwurf fürs spätere Bid Book, geht hervor, welche Kosten das IOC Gastgebern zusätzlich zum eigentlichen Olympiabudget aufbürdet. So müssen Bund und Land garantieren, dass sie „Dienstleistungen in Bezug auf die Sicherheit kostenlos zur Verfügung stellen werden“ ? ein Blankoscheck im Wert von vielen Millionen Euro.

Mit solchen Nebensächlichkeiten muss sich Katarina Witt nicht befassen. Sie rührt am Samstag flankiert von 2018-Geschäftsführer Bernhard Schwank, und dem Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Siegfried Schneider, bei den Asian Games in Guangzhou die Werbetrommel. Die Reise nach China wird von viel Flügelschlagen begleitet. Bach spürt Rückenwind, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sieht Grund zur Zuversicht. Und Witt kündigt auf internationalem Parkett kokett ein deutsches Lillehammer gepaart mit dem Flair der Fußball-WM von 2006 an. Auch das zeugt vom neuen Offensivgeist.

Dass sich ein anderer Geist, der olympische, hierzulande endlich einstellt, daran arbeiten acht der 30 Mitarbeiter der Münchner Bewerbungsgesellschaft, die im Marketing tätig sind. „Wir werden auch in der PR immer stärker auf die nationale Ebene gehen“, sagte Marketingdirektor Stefan Bruckner jüngst als Referent einer Fachtagung in Frankfurt. Er berichtete unter anderem, dass Gespräche mit den Verlagen Burda, Springer und Gruner & Jahr geführt würden und dass auch redaktionelle Beiträge dem Anliegen helfen sollen ? was immer das heißen mag. Burda weiß offenbar PR und Journalismus noch zu trennen und kündigte vorige Woche ein Image-Magazin für München 2018 an ? einige sehen darin einen Freundschaftsdienst von Verleger Hubert Burda an Willy Bogner.

Die Mühen der Ebene dürften im Hochglanz-Magazin eher nicht vorkommen. Noch sind längst nicht alle Probleme der Bewerbung gelöst. In Ohlstadt und Murnau, nahe dem neuen Langlauf- und Biathlon-Standort Schwaiganger, wird mangelnde Bürgerbeteiligung beklagt, in Partenkirchen wird um die letzten benötigten Grundstücke gerungen. Und Winfried Hermann, sport- und verkehrspolitischer Kopf der Grünen im Bundestag und ein Befürworter „der ersten Olympiabewerbung, die durch und durch eine grüne Handschrift trägt“, mahnt: Die avisierten Straßenbauprojekte um Garmisch seien „für Olympia nicht alle zwingend“. Man solle sich lieber auf eine verbesserte Bahnanbindung konzentrieren. Doch München-2018-Fans dürfen sicher sein: Fürs Standing im IOC ist wichtiger, dass Frau Witt in Guangzhou ein hübsches Kleid trägt.

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