Kommentar

Münchner Basar

Die Alttiere im Löwenrevier wollen im neuen Geld baden, ohne sich nasszumachen. TSV-Präsident Dieter Schneider soll dem 1860-Gönner entgegentreten.

Von Wolfgang Hettfleisch

Im Lateinunterricht lernt man, dass nur auf gute Weise über die Toten gesprochen werden soll. Hält man sich beim vor einem Jahr gestorbenen Karl-Heinz Wildmoser senior an den Grundsatz, lässt sich sagen: Zehn schöne Jahre lang, von 1994 bis 2004, durften sich die Fans des TSV 1860 München in der Präsidenten-Ära des Großgastronomen an Bundesliga-Fußball satt essen. Seitdem wird Zweitligakost serviert. Dabei fehlt es den Löwen nicht an Talenten. Im Gegenteil. Aus den Profis, die in den vergangenen Jahren die Jugendarbeit der Sechz’ger durchliefen, ließe sich ein tolles Erstligateam formen. Nur sind die Blauen so klamm, dass Talente wie die Bender-Zwillinge auf dem Münchner Basar angeboten werden müssen. Sonst könnte man über den Traditionsklub bald nur noch auf gute Weise sprechen.

Manifest wurde der orientalische Einschlag beim Klub aus Giesing im Juni mit dem Einstieg des Investors Hasan Ismaik. Der Jordanier ließ 18,4 Millionen Euro springen und bewahrte 1860 so vor der Pleite. Der Geldgeber hat wildere Fantasien als Scheherazade. Er träumt von einer Art FC Barcelona an der Isar.

Die Alttiere im Löwenrevier wiederum wollen im neuen Geld baden, ohne sich nasszumachen. TSV-Präsident Dieter Schneider soll dem Gönner entgegentreten. Die Botschaft: „Danke für die Kohle, aber zu melden hast du hier nix.“ Nicht mal der allerhärteste „50 plus eins“-Fetischist würde das Reinheitsgebot im deutschen Profifußball so auslegen. Aber wir befinden uns ja auf dem Münchner Basar. Und beim Feilschen geht es darum, Unmögliches zu fordern, um am Ende rauszuholen, was drin ist. Das erfordert allerdings eine rechtzeitige Annäherung. Oder der solvente Kunde hüpft irgendwann entnervt auf seinen Teppich und fliegt davon.

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