Radsport

Monsieur 60 Prozent ist zurück

Der einstige Dopingsünder Bjarne Riis Teamchef von NTT Pro Cycling.

Bjarne Riis lächelte die lästigen Dopingfragen einfach weg. „Vielleicht sollten die Leute mich besser kennenlernen, bevor sie sich ihre Meinung bilden. Was kann ich sagen? Ich werde vielleicht all meine Kritiker zu einem Kaffee einladen und ihnen erklären, wie ich die Dinge mache“, sagte Riis dem Internetportal Cyclingnews am Rande der Tour Down Under in Australien und wollte über seine dunkle Vergangenheit im Radsport nicht länger sprechen.

Knapp fünf Jahre war Riis von der großen Bühne verschwunden, ehe er sich mit seinen Geschäftspartnern beim südafrikanischen World-Tour-Team NTT Pro Cycling einkaufte und gleich als Teamchef den wichtigsten Posten einnahm. Dass der Däne inzwischen geläutert sei, glaubt der frühere Doping-Kronzeuge Jörg Jaksche nicht. „Das würde mich sehr, sehr wundern. Der sieht nicht ein, dass es scheiße war, was er gemacht hat“, sagte Jaksche.

Jaksche, der 2006 im Zuge des Dopingskandals um Eufemiano Fuentes aufgeflogen war, hatte einige Jahre seiner Karriere unter Riis beim Team CSC bestritten. Doping gehörte damals zur Tagesordnung. „Man konnte sich einfach mit Bjarne oder den Ärzten absprechen. Der wusste zu jedem Zeitpunkt, was ich mache. Da wurde auch innerhalb des Teams mit gefälschten Cortison-Attesten gearbeitet“, berichtete Jaksche.

Zu diesen Erkenntnissen war auch die dänische Antidoping-Agentur ADD nach einer dreijährigen Untersuchung im Jahr 2015 gekommen. Dumm nur, dass die Verjährungsfrist bereits verstrichen war. Riis blieb von einer Sperre verschont, während alte Weggefährten wie der langjährige Armstrong-Teamchef Johan Bruyneel lebenslang gesperrt wurden.

Riis bedauerte danach öffentlich seine Fehler, wirklich reumütig wirkte das nicht. Wie auch sein Geständnis im Zuge des Telekom-Skandals, dass er bei seinem Tour-Sieg 1996 gedopt habe. Sein Gelbes Trikot liege in der Garage im Pappkarton. Man könne es sich holen, sagte der Däne, der wegen seines hohen Hämatokritwertes einst den Spitznamen „Monsieur 60 Prozent“ hatte, 2007 lapidar.

Dass Riis nun zurückkehrt, ist für ADD-Geschäftsführer Michael Ask ein Unding. „Ich denke immer noch, dass er moralisch oder ethisch nicht in der Lage ist, ein professionelles Radsportteam zu führen“, sagte Ask der „Süddeutschen Zeitung“.

Von den Tour-Verantwortlichen wurde Riis einst zur Persona non grata erklärt, eine Handhabe hatten sie gegen ihn aber nicht. 2015 schien der Spuk vorbei zu sein, als er beim Tinkoff-Rennstall (das CSC-Nachfolgeteam) entmachtet wurde. Riis arbeitete fortan auf tieferer Ebene und gründete mit seinem Geschäftspartner Lars Seier Christensen den Virtu-Rennstall. Nun bot sich die Gelegenheit zum Einstieg beim südafrikanischen Team, das im vergangenen Jahr unter dem Namen Dimension Data das schlechteste der World Tour war. (dpa)

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