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Hat das Team geeint: Carsten Arriens.

Tennis

Mister Unbekannt

Der neue Davis-Cup-Chef Carsten Arriens steht vor seiner ersten Prüfung: der Erstrundenpartie gegen Argentinien.

Von Andrej Antic

Der neue Davis-Cup-Chef Carsten Arriens steht vor seiner ersten Prüfung: der Erstrundenpartie gegen Argentinien.

Als das deutsche Davis-Cup-Team am vorigen Samstag um 22:15 zum Auswärtsspiel nach Buenos Aires reiste, fehlte ausgerechnet der Mann, der am kommenden Wochenende im Fokus stehen wird. Carsten Arriens musste den Flug aus familiären Gründen verschieben. Aber am Dienstag war alles wieder gut. Der neue Teamchef stand auf dem Platz im Estadio Mary Teran de Weiss und schwitzte bei 35 Grad Celsius wie seine Spieler.

Die Erstrundenpartie gegen Argentinien ist die Premiere für Arriens als Davis-Cup-Kapitän. Nun kann man sagen: Schlimmer hätte es nicht kommen können. Argentinien erreichte in den vergangenen fünf Jahren zweimal das Finale, Argentinien gilt zu Hause als fast unschlagbar. Und dann war da ja noch die Episode, die ziemlich genau ein Jahr zurückliegt. Das deutsche Team, das damals noch von Patrik Kühnen geleitet wurde, kassierte im Heimspiel in Bamberg eine saftige 1:4-Niederlage. Der Gegner: Argentinien.

Man kann aber auch argumentieren: Besser hätte es die Auslosung gar nicht meinen können. Verliert Arriens’ Team, dann wäre das der Normalfall. Gewinnt es aber, dann hätte der Neuling einen sensationellen Start hingelegt.

„Wir sind nicht chancenlos“, sagt Arriens. Das soll es dann aber auch gewesen sein

Den 43-jährigen Frankfurter, der mittlerweile mit Frau und zwei Kindern in Köln lebt, interessieren derlei Gedankenspiele wenig. „Wir sind nicht chancenlos“, sagt Arriens. Das soll es dann aber auch gewesen sein. Weiter will er nicht nach vorne preschen, obwohl es auch einige Argumente dafür gäbe, dass Deutschland in der am Freitag beginnenden Partie (im Livestream bei ran.de ab 15 Uhr) durchaus siegen könnte. In der Summe stehen die beiden Einzelspieler Philipp Kohlschreiber, Nummer 19, und Florian Mayer Nummer 28 in der Weltrangliste besser da als ihre Kollegen Juan Monaco (12) und David Nalbandian (83), die voraussichtlich für Argentinien auflaufen werden. Dazu kommt, dass das Davis-Cup-Schlitzohr Nalbandian in diesem Jahr noch kein Match bestritten hat.

Ob Sieg oder Niederlage – für Arriens ist der Trip nach Südamerika ohnehin nur eine Durchgangsstation. Denn als im Herbst des vergangenen Jahres der Nachfolger von Patrik Kühnen gesucht wurde, war sich die Führung des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) in einem Punkt einig: Man wollte einen Mann, der nicht nur ein schlagkräftiges und harmonisches Davis-Cup-Team formen sollte, sondern auch einen mit Visionen. Die Wahl fiel nicht auf die einstigen Davis-Cup-Spieler Rainer Schüttler oder Alexander Waske, sondern auf Arriens. Er hatte laut Vizepräsident Charly Steeb gemeinsam mit seinem Stellvertreter Michael Kohlmann das beste Konzept vorgelegt.

Ariens hat bessere Meriten als Trainer denn als Spieler

„Ich trete nicht nur als Davis-Cup-Coach an, sondern als jemand, der einen Unterschied im Gesamtbereich schaffen will“, sagte Arriens als er Ende November in Hamburg offiziell vorgestellt wurde. Eloquent formulierte er seine Ziele, smart wirkte er in seinem dunklen Anzug.

Mit Arriens beginnt für das deutsche Männertennis eine neue Zeitrechnung. Seine Amtseinführung war in jedem Fall ein Novum. Denn bislang gab es nach dem Davis-Cup-Urgestein Niki Pilic nur Ehemalige, die früher oder später alle scheiterten. Zunächst versuchte sich Boris Becker. Es folgten Charly Steeb und Michael Stich. Patrik Kühnen schaffte das Kunststück, immerhin zehn Jahre im Amt zu bleiben.

Gemessen an seinen Vorgängern ist Arriens ein Unbekannter. Als Spieler brachte er es auf Platz 109 der Weltrangliste. 1992 gewann er ein Turnier in Guaruja, Brasilien. Seine Meriten als Trainer sind da spektakulärer: Bei der DTB-Trainerausbildung schloss er als Lehrgangsbester ab.

Er arbeitete als Verbandstrainer im Saarland, tourte mit Tommy Haas um den Globus und gewann mit dem Bundesligisten TK Kurhaus Aachen in den vergangenen beiden Jahren die deutsche Meisterschaft. Letzteres dürfte für den neuen Job eine entscheidende Rolle gespielt haben. Die Topspieler in Aachen heißen nämlich Kohlschreiber und Mayer.

Der neue Trainer gilt als besonnen, kompetent, zielstrebig – Typ Leisetreter

Hört man sich in der Szene um, dann sind alle begeistert vom neuen Bundestrainer. Er gilt als ruhig, besonnen, kompetent, zielstrebig. Arriens, das wurde bei seinen wenigen öffentlichen Auftritten deutlich, ist eher der Typ Leisetreter. Was man ihm schon jetzt anrechnen muss, ist, dass er die Kommunikation im in der Vergangenheit oft zerstrittenen Davis-Cup-Team verbessert hat. Bei seiner ersten großen Dienstreise im neuen Amt präsentierten sich seine Spieler als verschworene Einheit.

Die Frage ist, ob sie das auch bei Hitze und zweifelhaften Linienrichterentscheidungen im 13?000 Zuschauer fassenden Stadion im Parque Roca in Buenos Aires sind. Für Carsten Arriens wird es eine völlig neue Erfahrung sein. Mister Unbekannt wird er danach nicht mehr sein.

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