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Vettel hier, Vettel da, Vettel überall.

Kommentar

Mission gescheitert

Die Zusammenarbeit zwischen Sebastian Vettel und Ferrari hat sich als großer Irrtum erwiesen - die Konsequenz ist nun nur logisch. Ein Kommentar.

Immer dann, wenn Sebastian Vettel wieder zum besten Rennfahrer der Welt geworden war, machte sich seine hessische Heimat Heppenheim schick. Dann wurden Gratulationsplakate über die Haupteinfallstraße des schnuckeligen Städtchens am Rande des Odenwalds gespannt, Bäckereien nahmen das Weltmeister-Brot in ihrem Sortiment auf, das Goldene Buch wurde herausgekramt.

Vettel hier, Vettel da, Vettel überall.

Letztmals war diese Wandlung der Kleinstadt an der Bergstraße 2013 zu beobachten, da hatte Vettel seinen vierten Weltmeistertitel in der Formel 1 eingefahren. Lang‘ ist’s her. Und wird sich aller Voraussicht nicht mehr wiederholen. Nicht nur, dass Sebastian Vettel seinen Hauptwohnsitz längst in die Schweiz verlegt hat, seine Zeit auf der größten Bühne des Rennsports neigt sich seit gestern mehr denn je dem Ende zu. Ab 2021 gehen er und Arbeitgeber Ferrari getrennte Wege. Nachdem Vettel vier Titel mit dem Red-Bull-Team geholt hatte, wollte sich der Deutsche bei den Italienern sportlich unsterblich machen. Er wollte in die Kategorie eines Michael Schumacher aufsteigen, er wollte nicht mehr nur ein herausragender Rennfahrer mit großen Erfolgen sein, sondern ein Mythos bei einem Team voller Mythen. Verknappt zusammengefasst, muss festgehalten werden: Der Versuch misslang, kein WM-Titel in fünf Jahren. Die Liaison zwischen dem mittlerweile 32-Jährigen und dem Traditionsrennstall war ein Irrtum.

Doch weshalb ist die vielversprechende Kombination Vettel/Ferrari letztlich gescheitert?

Zum einen verfügte Vettel, vielleicht mit Ausnahme von 2017, nicht über einen roten Flitzer, mit dem er realistisch auch hätte Weltmeister werden können. Zum anderen fruchteten aber auch Vettels Ideen zur Weiterentwicklung des Wagens nicht in jenem notwendige Maße, wie es einst Schumacher gelungen war. Unter dem Druck, es irgendwie doch zu packen, schlichen sich Fehler ein. Vettel verlor am Lenkrad zunehmend seine Lockerheit, die ihn einst überhaupt zum König der Königsklasse gemacht hatte. Das gegenseitige Vertrauen zwischen Ferrari und Vettel schwand von Saison zu Saison, der Deutsche wurde bei den Italienern nie zu einem echten Teamleader. Fast mutete es so an, als warte man gegenseitig auf Aussetzer des jeweils anderen. Eine Arbeitsatmosphäre, die Erfolgen nicht zuträglich ist und eine Trennung unausweichlich macht.

Weltmeister-Brote werden in Heppenheim daher so schnell nicht mehr über die Ladentheke gehen.

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