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Missbrauchsprozess gegen Olympia-Trainer

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Ein Missbrauchsprozess gegen einen seiner Olympiatrainer sorgt nach den sportlichen Enttäuschungen von London für neuen ...

London. Ein Missbrauchsprozess gegen einen seiner Olympiatrainer sorgt nach den sportlichen Enttäuschungen von London für neuen Ärger beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV).

Der Trainer der Beckenschwimmer muss sich am Dienstag wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen vor dem Kieler Amtsgericht verantworten. Die Anklage wirft dem Mann vor, sich von August 2004 bis März 2006 in 18 Fällen an einer damals minderjährigen Schwimmerin vergangen zu haben. Der Verteidiger des Trainers, Kai Dupre, wies die Vorwürfe zurück.

Die Staatsanwaltschaft Kiel hatte bereits im Jahr 2009 ihre Ermittlungen begonnen und im September 2011 Anklage erhoben. Nach erster Fassungslosigkeit ist der nach eigenen Angaben bis Freitag ahnungslose Verband verärgert, dass der Trainer ihn weder über die Anklage noch den bevorstehenden Gerichtstermin informiert hat. «So etwas kann ich nicht nachvollziehen. Das Vertrauensverhältnis ist gestört, logisch», sagte DSV-Präsidentin Christa Thiel der Nachrichtenagentur dpa.

Für den Prozess ist nur ein Verhandlungstag angesetzt, an dem auch das Urteil gesprochen werden soll. Laut Anklage nutzte der Mann das besondere Betreuungsverhältnis als Trainer zu der jungen Sportlerin aus. Die damals über 16 Jahre alte Athletin, die auch an deutschen Jugend-Meisterschaften teilnahm, sei mit Wissen der Eltern mit dem Trainer in den Urlaub gefahren.

Der DSV will nach Abschluss des Verfahrens personelle Konsequenzen prüfen. Wie Thiel betonte auch Generalsekretär Jürgen Fornoff, dass zunächst weiter die Unschuldsvermutung gelte. Aber falls «irgendetwas an den Vorwürfen dran» sei, werde eine weitere Zusammenarbeit «nicht mehr möglich sein», hieß es vom DSV.

Der Verband hatte wie bereits der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erklärt, dass der Trainer nicht für die Spiele von London nominiert worden wäre, wenn die Vorwürfe bekanntgewesen wären. «Zwar gilt in "dubio pro reo". Aber wenn wir eher davon erfahren hätten, hätten wir gegen ihn entschieden und ihn zu Hause gelassen», sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, der sich bereits im Fall der Ruderin Nadja Drygalla mit einer brisanten Personalie im Olympia-Team beschäftigen musste. Die Achter-Ruderin aus Rostock zog vorzeitig aus dem olympischen Dorf aus, weil ihre Beziehung zu dem früheren NPD-Landtagskandidaten Michael Fischer für helle Aufregung gesorgt hatte.

Thiel wies einen Bericht zurück, wonach der DOSB vor dem DSV von dem Verfahren wusste, über das die «Neue Osnabrücker Zeitung» zuerst berichtet hatte.

Niemand bezog offiziell Stellung zu der Frage, ob der Angeklagte Verband und Verein nicht informierte, um als Trainer seine ersten Olympischen Spiele nicht zu gefährden. Wie alle Teilnehmer hatte er eine Ehrenerklärung bezüglich des eigenen Wohlverhaltens unterschrieben.

Verteidiger Dupre wollte sich nicht zum Befinden seines Mandanten äußern. Der Mann war bis zum Sonntag auch für Verband und Verein, der nach eigenen Angaben bis zum Wochenende ebenfalls völlig ahnungslos war, nicht erreichbar. «Er will seine Ruhe», so Dupre. Die Trainer waren nach Ende der Beckenwettbewerbe vor einer Woche aus London in den Urlaub abgereist.

Für das Verfahren am Dienstag sind drei Zeuginnen geladen: die betroffene junge Frau, die zugleich Nebenklägerin ist, sowie zwei ihrer Freundinnen. Eine der beiden sei zugleich eine frühere Partnerin seines Mandanten gewesen, sagte der Anwalt.

Der Verteidiger wollte sich nicht zu der Frage äußern, ob er zum Schutz der Privatsphäre seines Mandanten einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit während der Aussage des Angeklagten stellen wird. Er behalte sich eine Entscheidung darüber bis zum Prozessbeginn vor, sagte Dupre. Auch die Rechtsanwältin der Nebenklägerin könnte für die Aussage der jungen Frau Nicht-Öffentlichkeit beantragen. Das Schöffengericht müsste dann entscheiden, ob es einem solchen Antrag stattgibt oder ob das Interesse an der öffentlichen Erörterung überwiegt. (dpa)

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