1. Startseite
  2. Sport
  3. Sport A-Z

Das Milliardärssöhnchen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jürgen Ahäuser

Kommentare

Die Aufmerksamkeit ist ihm sicher: Lance Stroll posiert in Australien vor den Kameras.
Die Aufmerksamkeit ist ihm sicher: Lance Stroll posiert in Australien vor den Kameras. © rtr

Der Kanadier Lance Stroll ist erst 18 Jahre alt und soll als sogenannter "Pay-Driver" die Formel 1 aufmischen.

Lewis Hamilton hat seine Rennfahrerkarriere als Knirps einst selbst angeschoben, indem er etwas vorlaut McLaren-Patron Ron Dennis prophezeite, dass er eines Tages einen seiner Renner in der Formel 1 fahren würde. Sebastian Vettel ist im Vorkonfirmandenalter einem gewissen Dietrich Mateschitz in den Blickwinkel geraten. Ein paar Jahre später waren sowohl Hamilton als auch Vettel mehrfache Weltmeister in der Königsklasse des Motorsports. Neben unheimlich viel Talent und ebenso viel Ehrgeiz hatten der Brite und der Deutsche noch eines gemein. Auf Geldsegen aus der Familienkasse konnten weder der Spross eines englischen Eisenbahnarbeiters noch der Sohn eines hessischen Zimmermanns zurückgreifen.

Mit dem jüngsten und einzigen Neuzugang in der Formel 1 teilen Hamilton und Vettel, dass ihre Väter die Motorsportkarriere ihrer Söhne mit viel persönlichem Einsatz und Enthusiasmus beförderten. Daran mangelt es auch Lawrence Stroll nicht. Der 2,5 Milliarden Dollar schwere Mode-Kaufmann (Pierre Cardin, Ralph Lauren und Tommy Hilfiger) ist ein ausgesprochener Auto-Freak. Der Kanadier besitzt unter anderem gut zwei Dutzend Ferraris (darunter einen Oldie aus den sechziger Jahren, der 27,5 Millionen Dollar gekostet haben soll). Der Senior ist auch Eigentümer des früheren Grand-Prix-Kurses Mont-Tremblant bei Montreal.

Der clevere Investor soll rund 80 Millionen Dollar in die Karriere seines Sohnes Lance gepumpt haben, der am Sonntag in einem Williams sein erstes Formel-1-Rennen bestreitet. Das Cockpit im immer noch familiengeführten britischen Traditionsrennstall soll Papa Lawrence für 35 Millionen Dollar seinem erst 18-jährigem Sohn „geschenkt“ haben. Lance Stroll also ein Pay-Driver, einer für den viel Geld dafür hingelegt wird, damit er im Feld potentieller Helden mitfahren darf. Bezahlfahrer werden, noch dazu wenn sie so jung sind, von der Branche argwöhnisch beäugt. Mehr Geld als Talent, heißt es schnell. Und Lance schien das Vorurteil bei den Tests gleich zu bestätigen. In Barcelona setzte der Sprössling den Williams gleich zweimal ins Kiesbett und einmal in die Mauer, was nicht nur seinem Image schadet, sondern auch dem nicht gerade auf Rosen gebetteten PS-Unternehmen.

Doch es wäre falsch, die Karriere des jungen Kanadiers, die sein Vater zwar mit beträchtlich mehr Schmierstoff, aber ebenso generalstabsmäßig vorantrieb wie der ehemalige Formel-1-Fahrer Jos Verstappen den Weg seines rebellischen Sohnes Max, allein auf das Thema Geld zu reduzieren. Lance Stroll hatte auf Teststrecken, die entweder zu Papas Imperium gehörten oder die der Erziehungsberechtigte mal eben für eine paar Tage mietete, Gelegenheit zu Fahrstunden wie kein anderer vor ihm. Um nahe am Herzschlag des Motorsports zu sein, zog die Familie vor Jahren nach Genf um. Der mächtig protegierte Junior zahlte aber auch kräftig zurück. Lance Stroll hat in allen Serien, in denen er gestartet ist, die Meisterschaft gewonnen. Zuletzt war er Champion in der Formel-3-Europameisterschaft. Das Sieger-Team hatte Lawrence Stroll seinem Sohn mit auf den reich gedeckten Gabentisch gelegt. Aus der Formel 3 kam auch Max Verstappen, der schon mit 17 Jahren in der Formel 1 Schrecken verbreitete. Der Umstieg von 230 auf 950 PS ist ein gewöhnungsbedürftiger, hat der Teenager aus Kanada schnell erkannt.

In der Garage von Claire Williams bildet der 18-Jährige zusammen mit dem in wenigen Tagen doppelt so alten Felipe Massa ein Paar der Pole. Pensionist Massa kehrte nur ins Cockpit zurück, weil Valterri Bottas den Platz von Weltmeister Nico Rosberg im Mercedes erbte. „Das Team weiß, dass ich ein Rookie bin, dass ich jung bin und noch mehr lernen muss als vielleicht ein erfahrener Pilot“, sagte er, der den in 250 Grand Prix gestählten Teamkollegen Massa als „eine Art Mentor“ sieht und bescheiden bleibt: „Natürlich möchte ich keine Fehler machen, aber die Realität ist, dass es harte Zeiten geben wird.“

Auch interessant

Kommentare