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Hoch soll er leben: Michael Schumacher (Mitte) jubelt am 13. November 1994 auf den Schultern von Rennleiter Tom Walkinshaw (links) und Teammanager Flavio Briatore als neuer Weltmeister.

Formel-1-Kommentator Christian Danner im Interview 

Michael Schumachers erster WM-Triumph heute vor 25 Jahren: „Er ist einer von uns“

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Heute vor 25 Jahren begann eine Ära: Am 13. November 1994 gewann Michael Schumacher den ersten seiner sieben Weltmeister-Titel.  

Im Interview spricht der langjährige Weggefährte und Formel-1-Kommentator Christian Danner über den ersten Triumph und den Mythos Schumi. In einem Reifenstapel beginnt heute vor 25 Jahren der Mythos Michael Schumacher: In der drittletzten Runde des Großen Preises im australischen Adelaide kommt der Kerpener vom Kurs ab und berührt beim Zurücksteuern mit seinem Benetton Damon Hills Boliden. 

Schumacher kracht in den Reifenstapel – doch auch Hill, nur einen Punkt in der WM-Wertung hinter dem Deutschen, muss aufgeben. Schumacher ist erstmals Weltmeister. Formel-1-Kommentator Christian Danner spricht im Interview über den ersten der sieben WM-Titel und den Mythos Schumacher, der auch nach dessen tragischem Skiunfall am 29. Dezember 2013 und dem verletzungsbedingten Rückzug nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma aus der Öffentlichkeit weiterlebt.

Wann ist Ihnen am 13. November 1994 die Luft weggeblieben: Als Schumacher ausschied? Oder als feststand, dass er Weltmeister wurde?

Das war ja fast deckungsgleich. Als der Unfall passiert ist, ist mir die Luft weggeblieben. Mit dem Renn-Ausgang habe ich gerechnet. Auch wenn es eines der größten Fouls war, das je in der Formel 1 passiert ist. Die Spucke ist mir trotzdem weggeblieben.

Der Tag ist Ihnen also noch sehr lebendig in Erinnerung?

Ja, sehr lebendig. So etwas erlebst du ja nicht alle Tage: einen Deutschen als Formel-1-Weltmeister. Aber ein fairer Ausgang wäre mir lieber gewesen.

Wo haben Sie das Rennen verfolgt?

Im Bett. Ich hatte mir den Wecker gestellt und bin nach dem Rennen wieder eingeschlafen, wenn auch schlecht gelaunt. Am nächsten Morgen habe ich mich dann über den WM-Titel gefreut, vor allem für Motorsport-Deutschland. Als ehemaliger Formel-1-Fahrer war ich unheimlich stolz, dass wir nun auch einen Champion hatten.

War Ihnen da gleich klar: Das ist die Geburtsstunde einer Legende?

Ja sicher, denn er hat gleich in konkurrenzfähigen Autos gesessen. Und deshalb war absehbar, dass etwas Großes auf uns zukommt. Er war unglaublich talentiert, dazu kamen viel Energie, Wille und Biss. Und er hat so das öffentliche Interesse für meinen Sport geweckt. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar.

Wie haben Sie den jungen Schumacher damals erlebt?

Er war ein sehr entschlossener und aufgeweckter Bursche, der noch nicht in allen Bereichen versiert war. Aber in einem konnte man ihm nichts vormachen: beim Rennfahren. Da war er perfekt ausgebildet und extrem talentiert. Für einen wie mich, der aus der der Szene kommt, war es sehr speziell, einen solchen Ausnahmekönner zu erleben. Er war sichtbar anders und aggressiver als die anderen und hatte alles unter Kontrolle – das war schon beeindruckend.

Wie unterschied er sich vom späteren Schumi?

So, wie sich Sportler weiterentwickeln – aber weniger im Rennauto. Da war er von Beginn an sagenhaft. Er kam ja nicht gerade mit einem Universitätsabschluss in die Formel 1. Er hat alles aufgesaugt, was er aufsaugen konnte. Er war offen und aufgeschlossen. Obwohl man in der stressigen Formel 1 schnell zum Insulaner werden kann, der sich nur in der Formel 1 auskennt.

Welchen Stellenwert haben Daten wie das heutige?

Für mich persönlich sind das nicht die Tage, an denen ich ehrfürchtig aus dem Bett steige und mich erinnere, was damals passiert ist. Ich finde es aber super, dass man den Fans bei RTL heute die Chance gibt, sich live daran erinnern zu können.

Warum ist er immer noch so allgegenwärtig?

Das ist einfach zu beantworten: Er war der Erste, der in diesem Metier erfolgreich war. Er hat ein unglaublich breites Publikum angesprochen, er ist einer von uns, einer aus dem Volk in einem großen Land mit großer Automobil-Industrie. Und er war ein Garant: Er gewinnt immer. Aus unzähligen Gesprächen weiß ich, wie er eine unglaublich breite Schicht der Bevölkerung fasziniert hat. Es war aber mehr ein Schumi-Boom als ein Formel-1-Boom. Die Rennen damals waren teilweise gähnend langweilig. Aber in der Retrospektive lässt sich sagen: Es ist toll, dies miterlebt zu haben.

Wissen Sie, wie es Schumacher heute geht?

Nein. Ich drücke ihm nach wie vor ganz fest die Daumen und wünsche ihm gute Besserung, dass es wieder ganz gesund wird.

Wie viel Schumacher steckt noch in der heutigen Formel 1?

Grundsätzlich gar nichts. Die Formel 1 ist immer durch ihre Piloten geprägt, Senna beispielsweise war zu meiner aktiven Zeit der Held. Schumacher hat seine eigene Ära gehabt, dann kamen die Vettel-Weltmeisterschaften, jetzt befinden wir uns in der Hamilton-Ära. Ich hoffe, dass bald der nächste Schumacher in der Formel 1 auftaucht.

Wird Lewis Hamilton die Legende Schumacher überholen?

Die Bewertung einer Legende ist nicht nur abhängig von der Anzahl der WM-Titel. Hamilton ist in England nur ein relativ bekannter Rennfahrer, auch wenn er von der Dominanz und Brillanz des Fahrens Michael absolut ebenbürtig ist. Michael Schumacher aber war und ist in Deutschland eine Persönlichkeit zwischen Bundeskanzler und Papst. Da ist er unerreicht.

Wird Mick die Fußstapfen Schumachers in der Königsklasse fortführen?

Ich erwarte ihn ganz sicher in der Formel 1, die normale Entwicklung wäre, dass er noch ein Jahr Formel 2 fährt und 2021 dann in der Königsklasse. Er ist ein Fahrer, der unglaublich schnell dazulernen kann, der eine große Zukunft hat, dem man aber auch zugestehen muss, nicht gleich der Vater zu sein.

Wie geht er mit der Bürde des Namens um?

Mick managt das großartig, wenn man bedenkt, was der Bub an Belastung mit sich tragen muss. Er ist im selben Metier wie sein Vater, wird ständig verglichen. Auch dessen Unfall schwingt mit. Und wenn Mick in der Formel 1 testet, schaut schließlich die ganze Welt zu.

Wird er der nächste Weltmeister namens Schumacher?

Es ist noch zu früh, darüber zu sprechen. Bislang hat er sich sehr gut angestellt. Sagen wir so: Wenn er in die Formel 1 wechselt, wünsche ich ihm schon mal das schnellste Auto.

Im TV: Die Michael-Schumacher-Story, RTL, am heutigen Mittwoch (13.11.), 20.15 Uhr

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