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Hat immer wieder Rückenschmerzen: Christoph Harting.

Leichtathletik

Die 80 Meter bleiben das Ziel

Diskuswerfer Christoph Harting denkt groß, trotz anhaltender Probleme.

Ein großer Diskuswettkampf im Berliner Olympiastadion ohne Harting als Zugpferd? Undenkbar. Eine deutsche Meisterschaft ohne Harting als Sieger? Gab es seit 13 Jahren nicht mehr. Nach dem Rücktritt des langjährigen Dominators Robert Harting liegt es bei der Leichtathletik-DM in der Hauptstadt am Wochenende an dessen Bruder Christoph, die Traditionen aufrecht zu erhalten. Der 2,07-Meter-Hüne wirft weiterhin dem Niveau seines Rio-Olympiasieges hinterher – und doch bleibt der Weltrekord das Karriereziel. „Ich habe dieses Gefühl, dass ich der Beste sein kann, und ich möchte die beste Version von mir werden. Wenn ich eines Tages hinter den Buchstaben WR meinen Namen lese, kann ich sagen: Es reicht“, sagte der Berliner der FAZ vor seinem Meisterschafts-Heimspiel (Diskusfinale: Samstag, 18.10 Uhr/ARD).

Es mag vermessen klingen für jemanden, der in der laufenden Saison nur die Nummer 15 der Welt ist und seit seinem 2016er-Goldcoup zwei Großereignisse vermasselt hat: das Ticket für die WM 2017 verpasst, bei der Heim-EM 2018 in Berlin in der Qualifikation ausgeschieden.

Aber Christoph Harting wäre nicht Christoph Harting, wenn er nicht seine eigene Sicht auf die Dinge hätte. Auf einem guten Weg sei er, sagte der 29-Jährige: „Sonst hätte ich 2017 nicht wieder mit dem Sport angefangen. 2017 war ich von der Leistung her stärker als 2016 und 2018 stärker als 2017. 2018 war mein stärkstes Jahr, und 2019 wird stärker werden. Und 2020 wird wieder stärker.“

WM hat keine Priorität

Sein Trainer Torsten Lönnfors macht sich keine Sorgen. Harting habe bisher zwar „eine schwierige Saison“ erwischt, sagt Lönnfors, aber dies sei angesichts der anhaltenden Rückenprobleme seines Schützlings kein Wunder. Vor dem Heimspiel sei Harting „nicht topfit, aber gut in Form“. Zuletzt hat das Duo viel an der komplizierten Technik gewerkelt, doch Harting fehlt derzeit immer noch ein „Beschleunigungsweg von 15 bis 20 Zentimetern“. Das verhindert große Weiten. An genau die denkt Harting. „Die 80 Meter bleiben das große Ziel“, sagte er. Seine Bestleistung liegt seit Rio bei 68,37, der 33 Jahre alte Weltrekord von Jürgen Schult knapp sechs Meter weiter. 80 Meter, wirklich?

„Naja, auf alle Fälle über 74,08“, schränkte Harting in Bezug auf die Schult-Marke ein: „Dieser maximalen Weitenentwicklung ordne ich alles unter. Dafür verzichte ich auch auf kurz- und mittelfristige Erfolge. Ich muss nicht Europameister werden, ich muss nicht Weltmeister werden. Im Zyklus meiner Leistungsentwicklung ist es wichtiger, weit zu werfen, als Etappenziele mitzunehmen.“

Ein solches Etappenziel wäre die DM. Harting ist Titelverteidiger, siegte 2018 in Nürnberg zum zweiten Mal nach 2015. Bruder Robert, mit dem Christoph ein berüchtigtes Nicht-Verhältnis pflegt, gewann von 2007 bis 2014 sowie 2016 und 2017.

Harting liegt in der DLV-Saisonbestenliste mit 66,01 Metern nahezu gleichauf mit den Magdeburgern Martin Wierig (66,04) und David Wrobel (65,84), das Trio dürfte sich in Berlin auch die drei WM-Tickets sichern. Doch sind die späten Titelkämpfe im Wüstenstaat Katar (27. September bis 6. Oktober) überhaupt ein reizvolles Ziel – gerade im Hinblick auf die Vorbereitung für die frühen Olympischen Spiele 2020 in Tokio (24. Juli bis 9. August)? „Ich halte es mir offen. Wenn ich sagen kann, ich bin konkurrenzfähig, und ich laufe nicht Gefahr, mich zu verletzen, dann: Warum nicht?“, sagte Harting: „Aber die WM ist nicht mein Saisonhöhepunkt.“ (sid)

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