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Er glaubt, Blau stehe ihm besser: Fernando Torres.

Fernando Torres

Vom Mersey an die Themse

Der spanische Starstürmer Fernando Torres wechselt für 60 Millionen Euro von Liverpool zu Chelsea London. Eine Entfremdung zwischen dem FC Liverpool und seinem zuletzt mehr und mehr zu alter Stärke zurückfindenden Torjäger hatte sich schon länger angedeutet.

Von Wolfgang Hettfleisch

Der Spieler weiß nur Gutes über seinen weltbekannten Arbeitgeber, den FC Liverpool, zu berichten. „Es ist ein wunderbarer Klub“, sagt der torgefährliche Angreifer, „jeder möchte hier spielen.“ Spätestens hier wird dem aufmerksamen Beobachter des englischen Fußballs klar: Von Fernando Torres ist hier nicht die Rede. Die Schwärmerei stammt von Luis Suarez, dem just erworbenen Vollblut, das seine Kunststücke in der Fußball-Manege an der Anfield Road zeigen soll.

„Ferry ’cross the Mersey“

Dass die Fans dort noch Doppelpässe zwischen dem für 26,5 Millionen Euro von Ajax Amsterdam zum Renommierklub von der Merseyside gelockten Uruguayer und „El Niño“, dem Madrilenen mit dem Knabengesicht, zu sehen bekommen, war am Montag alles andere als sicher. Torres, auf den die Fans des FC Liverpool lange so stolz waren, würde lieber heute als morgen die „Ferry ’cross the Mersey“, die Fähre über den Mersey-Fluss, nehmen und sich nach Süden durchschlagen. Nicht gleich bis in die alte Heimat, nur bis in den Westen Londons – zum FC Chelsea, wo Milch, Honig und Ölmillionen fließen. Der Klub des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch verpflichtete den Spanier am Montagabend Für die Rekordsumme von etwa 60 Millionen Euro. Liverpool gab den Wechsel am Abend auf seiner Homepage bekannt, sich mit den Blues auf einen Wechsel des Stürmers verständigt zu haben.

Die Entfremdung zwischen dem FC Liverpool und seinem nach zwei Knieoperationen 2010 zuletzt mehr und mehr zu alter Stärke zurückfindenden Torjäger deutete sich schon länger an. Vorigen Sommer hatte es wiederholt Gerüchte über eine unmittelbar bevorstehende Rückkehr des blonden Familienvaters nach Spanien gegeben. Diverse Nationalmannschaftskollegen nahmen damals kein Blatt vor den Mund, wenn es darum ging, die Transferpolitik der „Reds“ zu kritisieren. Ein Spieler von der Klasse ihres „Nando“ müsse in einer Mannschaft mit realistischen Titelambitionen spielen, so das Credo. Die aber lösten sich beim fünfmaligen Gewinner des Europapokals der Landesmeister und der Champions League spätestens in Luft auf, nachdem der überragende Mittelfeldabräumer Javier Mascherano vor der Saison seine Sachen gepackt und sich dem FC Barcelona angeschlossen hatte. Tatsächlich stolpern die Roten, nachdem es zwischenzeitlich gar ausgesehen hatte, als könnten sie in Abstiegsgefahr geraten, durchs Tabellen-Niemandsland.

Viel zu wenig für einen wie Torres, den Kenny Dalglish, die als neuer Cheftrainer nach der Trennung von Roy Hodgson installierte Klub-Ikone, gleichwohl ungern ziehen lassen würde. „Es bleibt bei dem, was wir schon vor zwei, drei Tagen gesagt haben“, knurrte die legendäre Nummer sieben des großen Liverpool-Teams der späten 70er- und frühen 80er-Jahre, als sie am Montag auf das neue, höhere Angebot aus London angesprochen wurde. „Chelski“ hatte sein Gebot für Torres nach übereinstimmenden Berichten englischer Medien auf mehr als 58 Millionen Euro aufgestockt.

Angebot für Carroll akzeptiert

„El Niño“ hielt am letzten Tag der winterlichen Transferperiode den Betrieb auf. Dem Domino-Prinzip folgend hingen am Montag etliche Transfers innerhalb der Premier League davon ab, dass rechtzeitig weißer Rauch für den Mega-Deal aufstieg, der bis 23 Uhr Ortszeit (Mitternacht deutscher Zeit) über die Bühne gehen konnte. Auch Liverpool hatte vorgebaut und seine Fühler nach Andy Carroll ausgestreckt. Mit Erfolg: Der Nationalspieler von Newcastle United reiste am Montagabend nach Liverpool, um den Medizincheck zu absolvieren, nach dem die „Magpies“ das Angebot der „Reds“ von umgerechnet 40 Millionen akzeptiert hatten. Damit war der Weg für Torres nach London frei. Dalglish nahm es gelassen. Wechsel kämen im Fußball eben vor, so der Schotte. Und dann bemerkte er spitz: „Aber die wichtigsten Leute beim FC Liverpool sind diejenigen, die auch hier sein wollen.“

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