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Lewis Hamilton bei Testfahrten in Barcelona.

Formel 1

Mercedes zittert um seine Vormachtstellung

Ferrari scheint die beste Antwort auf das neue Aerodynamik-Reglement gefunden zu haben. Mercedes muss aufholen.

Die umfangreiche "Macho-Kur" vor zwei Jahren konnte Mercedes nichts anhaben, soll nun tatsächlich eine "Light-Diät" den Dauersieger der Formel 1 ausgebremst haben? Lewis Hamilton jedenfalls schlug schon mal Alarm. "Das Auto hat nicht optimal funktioniert. Wir sind eine halbe Sekunde zurück", stellte der fünfmalige Weltmeister bei den Testfahrten in Barcelona fest.

Obwohl der Brite bei seiner besten Runde bis auf drei Tausendstel an die Marke seines Dauerrivalen Sebastian Vettel herankam, ist eines offensichtlich: Ferrari hat im Winter den besten Job gemacht und reist als Favorit zum Saisonstart in Melbourne am 17. März (6.10 Uhr/Sky und RTL). Mercedes muss wohl hoffen, in Australien zumindest die zweite Kraft zu sein.

Dabei war die Aufgabe, die von den Ingenieuren der zehn Rennställe gelöst werden musste, auf den ersten Blick vergleichsweise einfach. Ein paar Anpassungen an Front- und Heckflügel oder Leitblechen mussten zur Saison 2019 vorgenommen werden, insgesamt ist die zuletzt überaus filigrane Aerodynamik deutlich simpler geworden.

Erheblich einschneidender war der Eingriff durch den Weltverband FIA zur Saison 2017, als das komplette Bodywork-Konzept der Boliden auf den Kopf gestellt wurde. Mercedes fuhr der Konkurrenz in der Folge zwar nicht mehr nach Belieben um die Ohren, doch die Dominanz der Silbernen blieb ungebrochen. In Zahlen: Fünf Fahrertitel, fünf Konstrukteurstitel, 74 Siege in 100 Rennen seit 2014.

Bemerkenswert war, dass Mercedes und auch Red Bull mit einem komplett anderen Frontflügel-Konzept zu den Tests gereist waren als die anderen Rennställe. Mindestens genauso bemerkenswert war außerdem, dass die Silberpfeile nach nur einer Woche ein umfangreiches Update präsentierten, das laut Technikchef James Allison "wohl auch in Melbourne" zum Einsatz kommen wird - und das dem Ferrari-Ansatz deutlich näher kam.

Pokerten die Silberpfeile also oder waren sie ratlos? In jedem Fall hat Mercedes Luft nach oben. Vettels neuer Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc (21) jedenfalls legte sich bereits in überraschender Deutlichkeit fest: "Ein Ferrari wird den Auftakt in Melbourne gewinnen." Wenn der SF90 denn hält. Denn die Standfestigkeit war die einzige augenscheinliche Schwäche der Scuderia vor dem Saisonstart.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff wollte den Tests, die immer auch den Charakter eines Schattenboxens haben, nicht zu viel Bedeutung beimessen. "Alle schauen auf die Rundenzeiten, und jeder würde gerne vorne stehen. Da muss man Disziplin wahren und die Ingenieure ihre Arbeit machen lassen", sagte der Österreicher. Es gehe "nicht darum, Bestzeiten, sondern Daten zu sammeln."

Auch Hamilton relativierte. "Testen ist testen. Es gibt keine Punkte dafür, bei den Tests die schnellste Runde zu fahren." Wer im Rennen die schnellste Runde fährt und zudem noch in den Top Ten landet, darf sich ab Melbourne allerdings durchaus über einen Zusatzpunkt freuen. Die zuständige Strategiegruppe und die Formel-1-Kommission des Automobil-Weltverbandes (FIA) verabschiedeten diese Neuerung wenige Tage vor dem Saisonstart.

In der Formel 1 wurde bereits von 1950 bis 1959 die schnellste Rennrunde mit einem Zusatzpunkt belohnt. 1958 verschaffte diese Regel dem Briten Mike Hawthorn gar den entscheidenden Vorteil im Titelduell mit seinem Landsmann Stirling Moss: Mit einem einzigen Punkt Vorsprung auf Moss gewann Hawthorn damals den Titel. (sid)

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