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Übte sich am Rande der Wada-Konferenz in Kattowitz im Umgang mit dem Fußball: IOC-Präsident Thomas Bach.

Kampf gegen Doping

Mehr Geld, neue Tests

IOC-Präsident Thomas Bach heizt den Anti-Dopingkampf an.

Mit neuartigen Dopingtestverfahren schon bei Olympia 2020 in Tokio und einer zusätzlichen Millionenzahlung will IOC-Präsident Thomas Bach den weltweiten Anti-Dopingkampf stärken. Gleichzeitig nahm Bach auf der fünften Weltkonferenz der Wada in Kattowitz auch die Regierungen in die Pflicht. Nur mit staatlicher Unterstützung könne auch das Umfeld eines Dopingsünders ermittelt werden – was nicht nur für Bach immer wichtiger wird. „Egal, ob Doping in Russland, die Operation Aderlass oder das Nike Oregon Project, all die Fälle haben gezeigt, welchen Einfluss das Umfeld auf die Athleten hat“, betonte Bach in seiner Rede vor 1600 Delegierten. „Der Athlet ist nicht der einzige Täter“, sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Bach sprach von Trainern, Beratern, Betreuern, Ärzten und Physiotherapeuten, die oftmals dem Dopingumfeld angehören, von den Verbänden aber nicht belangt werden könnten. „Wir können einen Mediziner die Akkreditierung für die Olympischen Spiele entziehen und ihn lebenslang von Olympia sperren, mehr aber nicht. Der Mann kann dann zu Hause in Ruhe weiter arbeiten, das ist eine große Ungerechtigkeit“, sagte Bach. Deshalb forderte er von der Politik eine stärkere Beteiligung am Anti-Dopingkampf. „Wir ermutigen die Regierungen, Gesetze zu erlassen, um Menschen aus dem Umfeld bestrafen zu können“, sagte er.

„Bahnbrechende Methode“

Derzeit teilen sich Sport und Politik auch die Finanzierung des 40-Millionen-Dollar-Etats der Welt-Antidopingagentur. „Der Haushalt entspricht nicht den Erwartungen. Jeder durchschnittliche Fußballverein hat einen größeren Etat“, sagte Witold Banka, der am Donnerstag in Kattowitz aller Voraussicht nach zum Nachfolger des umstrittenen Wada-Präsidenten Sir Craig Reedie gewählt wird.

Reedie zog eine durchwachsene Bilanz seiner Amtszeit. Der Schotte bezeichnete die Dopingkrise in Russland als „den schlimmsten Fall eines Systemversagens in der Geschichte der Anti-Dopingbewegung“. Die Debatte um das staatlich geförderte Dopingsystem im Riesenreich habe die Wada viel Glaubwürdigkeit gekostet, sagte Reedie, der zudem ankündigte, nach der Sperre des umstrittenen Leichtathletik-Coach Alberto Salazar alle Sportler zu untersuchen, die beim 61-Jährigen trainiert haben.

„Die einfache Frage ist: Hat eine der Anschuldigungen gegen Salazar dazu geführt, dass Athleten ihre Leistung beeinflusst und sich selbst betrogen haben?“, sagte Reedie. Salazar, Cheftrainer des elitären Nike Oregon Projects, war am 1. Oktober wegen Verstößen gegen die Anti-Dopingbestimmungen für vier Jahre gesperrt worden. Mitte Oktober beendete Nike das Laufteam. Zu den Schützlingen von Salazar gehörte unter anderem auch die WM-Dritte über 5000 Meter, Konstanze Klosterhalfen.

Bach kündigte indes an, weitere zehn Millionen US-Dollar im Kampf gegen Doping zur Verfügung zu stellen. Allein fünf Millionen davon sollen für die Lagerung von Dopingproben eingesetzt werden, die später nachträglich untersucht werden. Nachtests der Olympischen Sommerspiele in Peking 2008 und in London 2012 hatten sich als besonders effektiv erwiesen.

Zudem erklärte Bach, dass schon bei den Olympischen Spielen im kommenden Sommer in Tokio neue Typen von Gentests den Anti-Dopingkampf stärken könnten. Da die Erforschung genetischer Sequenzen sehr gut vorangekommen sei, „könnte dieser neue Ansatz eine bahnbrechende Methode sein“, betonte Bach. (sid/dpa)

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