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Fallon Sherrock ist die erste Frau, die einen Mann bei einer Darts-WM besiegte.

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Mehr Frauen ans Board

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Die Darts-WM hat gezeigt, dass Deutschland von der Weltspitze abgehängt worden ist und dass Frauen mehr gefördert werden sollten. Der Kommentar.

Die am Neujahrsabend zu Ende gegangene Darts-Weltmeisterschaft hat einmal mehr gezeigt, dass Deutschland im internationalen Vergleich weit hinterherhinkt. Der beste deutsche Dartsprofi Max Hopp scheiterte bei seiner siebten WM-Teilnahme in der dritten Runde genauso wie Debütant Nico Kurz. Während das für den 22-jährigen Nidderauer bei seinem ersten Turnier im Alexandra Palace in London ein Riesenerfolg war, muss Hopp sich und sein Spiel hinterfragen.

Vor fünf Jahren hatte der „Maximiser“ selbstbewusst das Ziel formuliert, jüngster Darts-Weltmeister aller Zeiten zu werden. Dafür hätte er schon vor zwei Jahren den WM-Titel der besten Pfeilewerfer gewinnen müssen, um dem Niederländer Jelle Klaasen (21 Jahre und 90 Tage) den Rekord abzujagen. Hopp ist mittlerweile 23 und hat es immer noch nicht geschafft, das Achtelfinale zu erreichen. Diesmal scheiterte der Weltranglisten-24. in der dritten Runde am Weltranglisten-82. Darius Labanauskas (2:4 Sätze) - mit einem Drei-Darts-Durchschnitt von nur 92,16 Punkten (gut sind an die 100). Hinterher gab sich Hopp die Note Zwei minus. Wenn er das wirklich glaubt, wird er es nie unter die besten 16 der Welt schaffen. Labanauskas war ein schlagbarer Gegner. Hopp setzt sich offenbar bei der WM zu sehr unter Druck, es als erster Deutscher ins Achtelfinale schaffen zu müssen – und scheitert daran jedes Mal.

Zumal er sieht, dass auch in Deutschland die Konkurrenz größer wird und es der Industriemechaniker Nico Kurz ebenfalls in die dritte Runde schaffte. Doch um mit der absoluten Weltspitze mitzuhalten, reicht es nicht, die Präzisionssportart semiprofessionell zu betreiben. Hinter den Top 32 der Welt lauern jede Menge Klassespieler auf ihre Chance und haben auch bei dieser WM vielen Favoriten ein Bein gestellt.

So auch die Engländerin Fallon Sherrock. Die erste Frau, die einen Mann bei einer WM besiegte, hat der Professional Darts Cooperation (PDC) vor Augen geführt, dass es vielleicht doch sinnvoll wäre, mehr feste Startplätze für Frauen zu vergeben, um sie für den Sport zu begeistern. Die PDC hat jahrelang auf das Leistungsprinzip gesetzt und die Förderung von Mädchen und Frauen vernachlässigt. Die WM 2020 war überhaupt erst das zweite Turnier mit zwei festen Startplätzen für Frauen. Als Belohnung für ihre beiden WM-Siege wird Sherrock kommendes Jahr auf Welttournee gehen und auch in Deutschland spielen. Wie man einen Hype in bares Geld ummünzen kann, wissen sie bei der PDC ganz genau. Ob sie jetzt nachhaltiger Frauen fördern werden, wird sich in den nächsten Jahren weisen.

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