1. Startseite
  2. Sport
  3. Sport A-Z

Ein Meer von Tränen machte sie berühmt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Fünf Jahre nach dem Trauma gegen Steffi Graf: Jana Novotna 1998 mit der Wimbledontrophäe.
Fünf Jahre nach dem Trauma gegen Steffi Graf: Jana Novotna 1998 mit der Wimbledontrophäe. © dpa

Die Tenniswelt trauert um Jana Novotna. Im Alter von nur 49 Jahren starb die Wimbledonsiegerin von 1998 nach einer schweren Krebserkrankung.

Jana Novotna konnte einfach nicht aufhören zu weinen. Ihre bittere Niederlage im Wimbledonfinale gegen Steffi Graf warf die Tennisspielerin im Jahr 1993  derart aus der Bahn, dass sie selbst von der Herzogin von Kent in den Arm genommen und getröstet werden musste. Novotna hatte das prestigeträchtige Endspiel fast schon gewonnen, ehe sie die Begegnung doch noch aus der Hand gab.

Die Bilder ihres emotionalen Tränenausbruchs machten sie berühmt, fünf Jahre später siegte sie im All England Tennis Club aber doch noch. Am Sonntag starb die Tschechin im Alter von nur 49 Jahren nach einer Krebserkrankung im Kreise der Familie in ihrer Heimat. „Nach meiner Niederlage habe ich meine Gefühle rausgelassen und den Zuschauern die menschliche Seite des Tennis gezeigt. Damit habe ich mich trotz Niederlage genauso zu einer Gewinnerin gemacht“, sagte Novotna einmal in einem Interview mit dem „Tennis-Magazin“ über das dramatische Finale.

„Die Tenniswelt trauert nach dem Tod von Jana Novotna. Ich habe keine Worte dafür. Jana war eine Freundin und eine tolle Frau“, schrieb Martina Navratilova am Montag. Auch wenn Novotna nie die Erfolge ihrer erfolgreichen Landsfrau und 18-maligen Grand-Slam-Siegerin Navratilova erreichte, traf der tragische Verlust nicht nur ihr Heimatland. „Ich bin tief schockiert, ich werde dich vermissen“, twitterte ihre frühere Kollegin Barbara Rittner und nannte Novotna „eine wundervolle Person, ein Vorbild“.

Wimbledon-Sieg von 1998 war der einzige Grand-Slam-Titel

Novotna gewann in den 14  Jahren ihrer Profikarriere 24 Titel im Einzel und 76 im Doppel. Sie war in der Weltrangliste die Nummer zwei im Einzel und die Nummer eins im Doppel. Im Wimbledonfinale 1993 gegen Graf hatte Novotna schon mit 6:7, 6:1 und 4:1  geführt, 40:30 stand es bei eigenen Aufschlag, sie hatte also Spielball zum 5:1– und verlor den entscheidenden Satz nach einem unerklärlichen Leistungseinbruch doch noch mit 4:6. 1998 holte sie in Wimbledon gegen die Französin Nathalie Tauziat ihren einzigen Grand-Slam-Titel. Novotna bezeichnete sich als „sehr sensibel“, sie sei „nie eine dieser Tennis-Maschinen“ gewesen, „die auf den Ball einschlagen und keine Gefühle zeigen.“ Die Wimbledonveranstalter twitterten: „Sie war ein wahrer Champion und ihr Erfolg 1998 wird noch sehr lange in Erinnerung bleiben.“

„Tennis gibt mir alles und erfüllt mich auch nach all den Jahren“, hatte Novotna noch vor zwei Jahren in London am Ort ihres größten Triumphes gesagt. Außerdem hatte sie zwei Silber- und eine Bronzemedaille bei Olympischen Spielen gewonnen, mit Tschechien holte sie 1988 den Sieg im Fedcup. „Jana war auf dem Platz und außerhalb des Platzes eine Inspiration für alle, die die Chance hatten, sie kennenzulernen. Unsere Gedanken sind bei Janas Familie“, sagte WTA-Chef Steve Simon.

Sechs Jahre nach ihrem Rücktritt wurde Novotna 2005 in die Tennis Hall of Fame aufgenommen. Auch Tschechiens Ministerpräsident Bohuslav Sobotka reagierte betroffen und hob Novotnas Bedeutung für das Land hervor. „Der tschechische Sport hat eine bedeutende Persönlichkeit verloren“, teilte der Sozialdemokrat mit. „Die Freude, die sie uns mit ihrem Sieg in Wimbledon oder dem Gewinn der Olympia-Bronzemedaille in Atlanta bereitet hat, bleibt unvergesslich.“ (dpa/sid)

Auch interessant

Kommentare