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Aljona Savchenko und Robin Szolkowy: Kür zum Rosaroten Panther

Sotschi 2014 - Eiskunstlauf

Mauscheln scheint dazuzugehören

Die Eislaufverbände der USA und Russlands weisen Vorwürfe eines Deals zurück. Die französische Sportzeitung „L’Equipe“ berichtet von einer Absprache beider Verbände - Gold für Russland gegen Gold für die USA.

Von Karin Bühler

Dass Eiskunstlaufen nicht allein mit Anmut, Pirouetten, Glitzerklamotten und Akrobatik zu tun hat, sondern durchaus auch mit Finten und Taktiererei, haben gerade die deutschen Paarläufer Robin Szolkowy und Aljona Savchenko bewiesen. Sie gaben bekannt, dass sie am Dienstagabend statt ihrem geplanten Kurzprogramm zur Musik von Softgeiger André Rieu nun doch lieber ihr altes Pink-Panther-Programm von 2011 zur Aufführung bringen, weil sie sich im künstlerischen Wert mehr Punkte erhoffen. Mit einem kurzfristigen Wechsel die Gegner zu verwirren, ist zwar eine eher unübliche Methode, aber natürlich durchaus zulässig.

Weniger regelkonform erscheint das Komplott, auf das die französische Sportzeitung „L’Equipe“ am Samstag zwischen Preisrichtern aus Russland und den USA aufmerksam gemacht hat. Dort wird ein nicht namentlich genannter russischer Trainer zitiert, der behauptet, es gäbe einen Deal: Gold für Russland im Paarlauf und im Teamevent gegen Gold für die USA im Tanz der Paare.

Erinnerungen an 2002

Einig wie selten behaupteten Russen und Amerikaner postwendend natürlich, solcherlei Absprachen gebe es nicht. Die Recherche von „L’Equipe“ sei kategorisch, falsch behauptete eine Sprecherin des US-amerikanischen Eislauf-Verbandes. Sogar Russlands Sportminister Witali Mutko schaltete sich ins Krisenmanagement ein.

Mauscheleien unter Preisrichtern? War da nicht was? Der große Skandal 2002 bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City zum Beispiel. Als die französische Preisrichterin Marie-Reine Le Gougne damals den Auftritt des russischen Eistanzpaares überaus wohlwollend bewertete, um dem französischen Paar weiterzuhelfen. Den Kanadiern Jamie Sale und David Pelletier, das dadurch auf Rang zwei kam, wurde nach Bekanntwerden des Falls hinterher eine weitere Goldmedaille überreicht, Gougne dagegen nach einem Nervenzusammenbruch suspendiert.

Neues Zählsystem

Als Hintermann der Geschichte kam der Russe Alimschan Tochtachunow ins Spiel. Ein Krimineller, der den Spitzenamen „Taiwanchik“ trägt. Von genauen Untersuchungen des Falls ließ der Weltverband (ISU) allerdings alsbald ab. Statt Tochtachunows Machenschaften zu analysieren, änderte der Verband das Zählsystem. Seither stimmen die Preisrichter anonym ab. Die gute alte Sechs komma Null gibt es daher nicht mehr. Die neue Zählweise, so hieß es, von Seiten des Weltverbandes sorge für mehr Gerechtigkeit und weniger Möglichkeit zur Einflussnahme. Wie bei allen olympischen Sportarten, in denen subjektive Eindrücke über Platzierungen entscheiden, ist das nur ein frommer Wunsch. Denn tatsächlich ist es gerade im Eiskunstlaufen eher so, dass das neue Wertungssystem zum einen für mehr Langeweile bei den Zuschauern gesorgt hat. Und zum anderen schützte es die Preisrichter. Denn Sportler, Zuschauer und Journalisten sind noch viel weniger in der Lage, die Wege der Absprachen und geheimen Deals nachzuvollziehen als vorher.

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