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Auf dem Sprung ins Halbfinale: Martin Strobel (r.) im Duell mit Torwart Björgvin Pall Gustavsson.

Handball-WM

Die Mauer von Berlin steht jetzt in Köln

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Die deutsche Defensive steht gegen Island und ist bereit fürs Spitzentreffen gegen Kroatien.

Aron Palmarsson saß auf der Ersatzbank und schüttelte immer wieder den Kopf. Der Topstar der isländischen Handballer ärgerte sich über eine Leistenverletzung, die ihn dazu zwang, nach 20 Minuten das Spielfeld zu verlassen. Der Spielmacher vom ruhmreichen FC Barcelona hatte aber auch von draußen beobachtet, wie die eigenen Kollegen anrannten, wie sie versuchten, Lücken in der deutschen Abwehr zu finden. Palmarsson sah, wie die Isländer immer wieder an der Deckung abprallten. „Im Angriff war es zu schwer“, sagte der 28-Jährige. Er ahnte, dass es selbst mit ihm auf dem Feld nicht geklappt hätte mit einem Erfolg gegen die Deutschen, dafür war die Abwehr der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) zu undurchdringlich.

„Naja, es geht ja immer noch besser“, sagte Patrick Wiencek, er wollte nach dem 24:19 der deutschen Handballer gegen Island zum Auftakt der Hauptrunde bei der Weltmeisterschaft deshalb nicht von Perfektion sprechen. Wiencek trug noch das schweißdurchtränkte Trikot und in seinen Augen war das Adrenalin zu erahnen, das in seinen Adern weiterhin in hohem Maß vorhanden war. Der Kreisläufer des THW Kiel spielt eine entscheidende Rolle dafür, dass sich die deutschen Handballer berechtigte Hoffnungen machen können, das WM-Halbfinale zu erreichen. Wiencek und seinen Mitspielern werden ab jetzt ganz sicher nur noch bessere Gegner als Island gegenüberstehen, aber das Wissen um die funktionierende Abwehr erlaubt den Fans, von mehr zu träumen. „Wenn sie weiter so gut spielen und vielleicht noch etwas besser, dann können die Deutschen Weltmeister werden“, lautete das Fazit von Palmarsson.

Den deutschen Handballern ist etwas Außergewöhnliches gelungen. Die Mannschaft von Christian Prokop hat in Berlin unweit der Überreste der Berliner Mauer eine eigene Abwehr-Mauer errichtet und bereits in der Vorrunde lediglich 22 Gegentreffer pro Partie hinnehmen müssen. Diese Mauer hat die DHB-Auswahl jetzt nach Köln verpflanzt und sie gegen die Isländer noch einmal verdichtet. Phasenweise kamen die Angreifer der „Isis“ schlicht gar nicht mehr durch, so dass Andreas Wolff später mit einem Lächeln im Gesicht sagen konnte: „Das ist für mich ja fast schon langweilig, weil ich gar nicht mehr mitspielen darf.“

Ganz so ernst gemeint war die Aussage des Torhüters nicht gemeint, denn der Keeper des THW Kiel hatte am Ende der 60 Minuten mit zwölf Paraden entscheidend zum Erfolg beigetragen, der dafür sorgt, dass die Deutschen in der Hauptrundengruppe I mit 5:1-Punkten auf Halbfinalkurs. Mit einem Sieg gegen die Kroaten morgen Abend (20.30 Uhr/ZDF) könnte die DHB-Auswahl schon den vermutlich entscheidenden Schritt in Richtung des Halbfinales machen.

Die Aufgabenstellung wird dann allerdings eine andere, vermutlich eine deutlich schwierigere sein. „Das ist absolute Weltklasse“, sagte Abwehrchef Hendrik Pekeler mit Blick auf den Rückraum der Kroaten. Den Halbrechten Luca Stepancic könne man kontrollieren, wenn man ihn offensiv verteidige, vermutet der Abwehrchef – Sorgen machen ihm hingegen Luka Cindric (KS Kielce) und Domagoj Duvnjak (THW Kiel): „Cindric ist unglaublich schnell auf den Beinen und Duvnjak hat das Spiel halt verstanden.“ Es wird also noch mehr Aufmerksamkeit der Defensive nötig sein, in der mit jedem Spiel dieser Weltmeisterschaft die Feinjustierung fortschreitet. Pekeler und Wiencek bilden einen harmonisch aufeinander abgestimmten Innenblock, der es versteht, die Emotionen (Wiencek) mit dem intelligenten, weil vorausahnenden Abwehrspiel (Pekeler) zu vereinen.

Mit Finn Lemke, der in der Schlussphase gegen Island aufs Feld kam, haben die Deutschen darüber hinaus einen Backup von internationalem Format. Neben den drei Akteuren aus der Abwehrzentrale verweben sich die übrigen Akteure zu einem Geflecht, das dem Gegner nur sehr wenige Lücken anbietet. Damit – und mit der Unterstützung von 19 000 Zuschauern – werden die Deutschen nur schwer zu schlagen sein.

Auf dem Weg ins Halbfinale kommt dem Duell mit den Kroaten eine enorme Bedeutung zu. Gewinnen die Deutschen gegen das Team von Trainer-Altmeister Lino Cervar, haben sie sich beinahe sicher für die K.o.-Runde in Hamburg qualifiziert, bei einer Niederlage sind sie allerdings auf fremde Hilfe und einen Sieg gegen Spanien am Mittwoch angewiesen, um es ins Halbfinale zu schaffen. „Das wird ein ganz heißes Match“, prognostiziert Pekeler, der weiß: Die Abwehrmauer von Köln muss gegen Kroatien dicht halten.

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