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Markus Eisenbichler geht als Favorit in die neue Saison.

Skisprung

Markus Eisenbichlers größter Fan ist Oma

Markus Eisenbichler geht als Weltmeister in die neue Skisprung-Saison - und mit seiner Rolle als „Adler Nummer eins“ betont lässig um. 

Der größte Fan von Markus Eisenbichler sitzt Woche für Woche im Altenheim und drückt die Daumen. „Meine Oma fiebert immer vorm Fernseher mit. Die erzählt dann, wie begeistert alle sind. Die sagen: Das ist einer von uns“, verriet der Skisprung-Weltmeister, als er im Oktober ein Pflegeheim in seiner bayerischen Heimat Siegsdorf besuchte. Ab Freitag ist die Oma wieder gefordert, dann nämlich startet der berühmte Enkel in Wisla in die neue Saison – und das als Mitfavorit.

Die Scheinwerfer werden nach dreimal Gold bei der WM 2019 in Seefeld zwangsläufig auf Eisenbichler gerichtet sein. Eine Rolle, die dem 28-Jährigen nicht unbedingt liegt. Termine wie der im Altenheim sind dem bodenständigen Eisenbichler viel lieber als die Ehrungen, die ihm zuletzt zuteil wurden. Er weiß auch, dass die Hoffnungen der deutschen Fans künftig auf ihm ruhen. Zumal Olympiasieger Andreas Wellinger und Ex-Weltmeister Severin Freund verletzt fehlen.

Markus Eisenbichler ist hungrig auf Erfolg

Eisenbichler geht mit seiner Rolle als „Adler Nummer eins“ betont lässig um. Ob er das „neue Gesicht“ des deutschen Skispringens sei, wurde er vor dem Saisonstart gefragt. Der Bayer schüttelte energisch den Kopf. „Wir haben kein Gesicht, wir sind ein Team“, antwortete er und holte aus: „Ich war der Beste von uns im Weltcup und bei der WM, aber Karl Geiger war genauso gut, der hat auch drei Medaillen gemacht. Richard Freitag hat auch sensationelle Erfolge gefeiert. Und der Leyhe war auch gut.“ Ende der Durchsage.

Hungrig auf Erfolg ist Eisenbichler freilich bei aller Bescheidenheit noch immer. Erst einen Weltcupsieg hat der Überflieger auf dem Konto, weil vergangene Saison meist Ryoyu Kobayashi eine Nummer stärker war. Der neue Bundestrainer Stefan Horngacher traut seinem Schützling zu, dem Japaner die Stirn zu bieten. „Markus kann definitiv an die Leistungen der vergangenen Saison anknüpfen. Er kann auch noch besser springen, das zeigt er immer wieder“, sagt der Österreicher.

Und vielleicht gelingt Eisenbichler bei der Vierschanzentournee der nächste Coup, auch dort musste er sich im vergangenen Winter nur Kobayashi geschlagen geben. „Die Tournee ist ein bisschen ein Fluch, letztes Jahr wäre es fast so weit gewesen. Mal schauen“, sagt der DSV-Adler. Zweites Ziel wird die Skiflug-WM Mitte März in Planica. Dort sei eine Team-Medaille „auf alle Fälle“ möglich, und „auch im Einzel möchte ich angreifen.“

Doch dafür muss Eisenbichler, den einst schon Ex-Bundestrainer Werner Schuster als „Schönwetterspringer“ bezeichnete, im richtigen Moment voll da sein. Das hat auch Horngacher erkannt. Für Eisenbichler werde es entscheidend, seine Topleistung „auf dem Punkt“ zu bringen: „Da hat er manchmal noch ein bisschen Probleme und überzieht den Bogen.“ Wenn alles passt, das weiß auch Horngacher, kann es für seinen Vorflieger ganz weit hinaus gehen.

Und dann lässt sich auch der sonst so zurückhaltende Markus Eisenbichler gerne feiern. Auf der großen Bühne, viel lieber aber im kleinen Kreis. „Die Leute in der Heimat sind stolz, dass es einer von daheim auf die Weltbühne geschafft hat“, sagt er. So wie seine Oma im Altenheim mit ihrem kleinen, aber feinen Fanklub. (sid)

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