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"Wir wollen eigene Geschichte schreiben." Christian Prokop.

Handball

Mannschaftsgefüge als A und O

Handball-Bundestrainer Christian Prokop ist vor dem Lehrgang in Hamburg entspannt, aber auch heiß auf die anstehende Heim-WM.

Christian Prokop lächelt viel dieser Tage. Der Bundestrainer der deutschen Handballer wirkt gelöst wie lange nicht. Je näher die Heim-WM rückt, desto entspannter ist er. „Ich trainiere eine tolle Mannschaft“, sagt Prokop: „Jetzt ohne Ablenkung die letzten Schritte zu machen, das ist einfach eine ganz tolle Erfahrung und bringt viel Schwung mit.“

Das riesige öffentliche Interesse und die immense Erwartungshaltung können der Vorfreude Prokops ganz offensichtlich nichts anhaben. „Ich möchte klarstellen, dass wir sehr viel erreichen wollen, aber nichts müssen“, sagt der DHB-Coach und nippt an seinem Kaffee. Jeder Spieler habe bei dem bevorstehenden Turnier „eine ganz tolle Gelegenheit als Sportler und das Glück, gerade zum Zeitpunkt einer Heim-WM Nationalspieler zu sein“. Erfolgreich und emotional wolle man spielen: „Und wir möchten das Publikum von Anfang an begeistern.“

Hauptziel ist das Halbfinale

Doch bei aller Lockerheit – Prokop weiß: Das Vorgeplänkel ist vorbei, jetzt wird es ernst. Mit dem Lehrgang ab Mittwoch in Hamburg biegt die Nationalmannschaft auf die Zielgerade ihrer Vorbereitung ein – und für Prokop ist das Turnier nach der mit Platz neun verpatzten EM die zweite Chance. Der 40-Jährige, der nach den abschließenden Testspielen am Freitag in Hannover gegen Tschechien (16.15 Uhr/ARD) und am Sonntag in Kiel gegen Argentinien (14 Uhr/Livestream auf zdfsport.de) noch zwei Spieler streichen und seinen 16-köpfigen WM-Kader benennen wird, muss liefern. „Hauptziel“ bei der am 10. Januar beginnenden WM, sagt Prokop ohne Umschweife, sei das Erreichen des Halbfinales: „Dafür brauchen wir mentale und spielerische, aber auch charakterliche Top-Leistungen.“

Prokop hat klare Vorstellungen davon, wie das gelingen soll. Der EM-Titel von 2016 und das Wintermärchen vor eigenem Publikum 2007 dienen zwar als motivierende Beispiele, eine bloße Kopie will Prokop mit seinem Team aber nicht sein. „In dem ein oder anderen Motivationstrailer wird es sicherlich das ein oder andere Bild geben, ansonsten wollen wir aber unsere eigene Geschichte schreiben und nach vorne schauen“, sagt Prokop. Unmittelbar vor dem Turnier sei es wichtig, „einen guten Spagat hinzukriegen zwischen dieser Vorfreude, aber auch ernsten Themen“.

Wenn der gebürtige Köthener über die Stärken seines WM-Kaders spricht, fällt auffallend häufig das Wort Mannschaft. Als Kollektiv werde man Weltklasse auf das Parkett bringen müssen. „Wir werden nicht weit kommen, weil einzelne Spieler ständig Spiele entscheiden“, sagt Prokop. Natürlich könnten etwa die beiden Torhüter Andreas Wolff und Silvio Heinevetter oder die Kreisläufer zum Faktor werden – doch: „Das A und O wird das Mannschaftsgefüge sein.“

Gute Typen im Team

Als Vorbild könnte das deutsche Eishockey-Team herhalten, das nach seinem olympischen Silber-Coup jüngst als „Mannschaft des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Die Kufencracks hätten es geschafft, „dass sich Deutschland mit ihnen identifiziert hat. Es war ein eingeschworener Haufen, der um jeden Puck gekämpft hat, kein Star wurde herausgehoben. Das sind immer wieder die Faktoren für Erfolgsgeschichten“, sagt Prokop. Trotz der hohen Erwartungshaltung könne sein Team „euphorisieren und emotionalisieren, weil wir gute Typen in der Mannschaft haben“.

Eine Mannschaft, die sich spätestens ab der Ankunft in Hamburg im Tunnel befinden wird. Nebengeräusche werden bewusst minimiert, das Handy ist beim Essen oder in Teamsitzungen tabu. Es werde zwar kein ausdrückliches Social-Media-Verbot geben, „aber allen muss bewusst sein, dass wir den medialen Konsum dosieren müssen“, sagt Prokop.

Der Fokus liegt ab sofort voll auf der WM. (sid)

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