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Bärenstark: Fabian Wiede (links) war gegen Kroatien der überragende Spieler auf dem Feld.

Fabian Wiede

Ein Mann für den besonderen Moment

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Wenn der Druck am höchsten ist, wächst Rückraumspieler Fabian Wiede über sich hinaus und zeigt seine ganze Klasse.

Manchmal erzählt ein einziger Moment die Geschichte eines kompletten Handballspiels. Als die deutschen Handballer gegen das Team aus Kroatien leidenschaftlich darum rangen, vorzeitig das Halbfinale bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land zu erreichen, geschah dieser Moment nach exakt 55 Minuten Spielzeit. Die Deutschen hatten eine 18:15-Führung aus der Hand gegeben, lagen 18:19 zurück und drohten erneut ohne Treffer zu bleiben, weil die Schiedsrichter Zeitspiel angezeigt und damit den Druck auf die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) noch einmal erhöht hatten. Die Nervenanspannung war riesig, als Fabian Wiede zum Helden aufstieg – der Rückraumspieler der Berliner Füchse nahm sich einen schweren Wurf, donnerte den Ball in den linken Winkel des kroatischen Tores, traf damit zum 19:19 und leitete die Wende zum hauchdünnen 22:21-Erfolg der eigenen Mannschaft ein.

Es ist erstaunlich, welche mentale Kraft dieser 24-Jährige immer wieder beweist, denn es wirkt so, als würde die Anspannung bei Wiede immer weiter abnehmen, je dramatischer die Partie ist, die er gerade absolviert. Mit einem präzisen Pass auf Uwe Gensheimer bereitete er zudem den entscheidenden Treffer zum 22:20 knapp 40 Sekunden vor dem Ende vor. Was den Unterschied in diesem Kampf auf Biegen und Brechen ausgemacht habe, wurde Andreas Wolff nach dem Match gefragt, und die Antwort des Torhüters fiel eindeutig aus: „Fabian Wiede, er hat ein überragendes Spiel gemacht.“

Immer ein neuer Held

Die deutschen Handballer weisen in den Tagen von Berlin und Köln eine Eigenschaft auf, die sie vor drei Jahren zum Europameister machte – in jedem Spiel findet sich ein neuer Held. Es ist dabei allerdings kein Zufall, dass es in dem bislang aufreibendsten Match der Welttitelkämpfe ausgerechnet der Berliner war. Bob Hanning, Vizepräsident des DHB und parallel Manager der Berliner Füchse, sagte das schon früh voraus. Vor drei Jahren, als die Europameisterschaft in Polen schon begonnen hatte, der Weg der Deutschen zur Goldmedaille aber längst noch nicht absehbar war, legte Hanning eine Statistik offen, mit der er den Wert von Wiede unterstrich. „Ich arbeite seit sieben Jahren mit Fabi, und in jedem Jahr haben wir zusammen mindestens einen Titel geholt“, sagte der Berliner Manager. Die Botschaft: Schon in der Zeit als Jugendspieler der Füchse stach die Eigenschaft bei Wiede heraus, in großen Spielen eine große Leistung zu zeigen. Nach dem dramatischen Sieg gegen die Kroaten legte er im Bauch der Kölner Arena nach: „Er ist immer da, wenn man ihn braucht, auf Fabian Wiede ist Verlass.“

Gegen Kroatien überzeugte der Linkshänder mehr als 19 000 Zuschauer von dieser Eigenschaft, als er die größtmögliche Bühne nutzte, um seinen besonderen Wert für die deutsche Nationalmannschaft unter Beweis zu stellen. Es gibt in der Welt des Sports so unglaublich viele Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, aber es gibt eben nur wenige, die in der Lage sind, in den Augenblicken des größten Drucks noch größer zu werden. Wiede hat nicht den härtesten Wurf oder die schnellsten Beine, aber er hat neben seinen besonderen spielerischen Fähigkeiten die Besonderheit, an der Aufgabe zu wachsen. Und damit ist er in der Lage, eine ganze Mannschaft zu tragen.

Nerven wie Drahtseile

„Man hat einfach ein gutes Gefühl, wenn die ersten Würfe reingegangen sind“, sagte Wiede nach dem Spiel beinahe beiläufig. Der Matchwinner, nach der Partie auch offiziell als bester Spieler ausgezeichnet, wollte wieder in eine unauffällige Rolle schlüpfen. Doch das klappte nicht, denn mit seinen sechs Toren (bei sechs Versuchen) war er zum Helden aufgestiegen. Nicht diese perfekte Bilanz machte besonderen Eindruck, sondern die Tatsache, dass er mehrere Tore bei drohendem Zeitspiel erzielte, als die Schiedsrichter warnend den Arm gehoben hatten. Wenn andere Spieler in diesen Phasen nervös wurden und überhastet agierten, traf Wiede mit seinen Treffern nicht nur das Tor, sondern gleichzeitig auch die Psyche des Gegners.

Diese Fähigkeiten von Wiede werden weniger im sportlich wenig bedeutenden letzten Hauptrundenspiel heute Abend (20.30 Uhr/ARD) gegen Spanien, viel mehr aber im Halbfinale am Freitag in Hamburg erneut nötig sein. Der Gegner im vorletzten Spiel dieser Weltmeisterschaft ist noch unklar und wird erst am späten Mittwochabend endgültig feststehen. Für Wiede ist der Name des Kontrahenten aber ohnehin nicht entscheidend, sondern das Ziel, das er mit dem Match verbindet. „Jetzt wollen wir ins Finale“, sagte der Rückraumspieler, der bewiesen hat, dass er in den großen Spielen Zustände wie Nervosität oder Angst nicht kennt.

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