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Gerolsteiner-Profis

Manche haben schon neue Verträge

  • Jörg Hanau
    VonJörg Hanau
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Drei Radfahrer hätten bereits unterschrieben. Weitere zehn stehen in aussichtsreichen Verhandlungen. Das Team löst sich mangels Sponsoren auf.

Ein Blick reicht. Christian Henn hat sein gewinnendes Lächeln verloren. "Wir waren ja alle auf diesen Moment vorbereitet", sagt der Sportliche Leiter des Teams Gerolsteiner, das zum Jahresende aufgelöst wird, weil sich kein deutscher Sponsor traute, in das ProTour-Team von Hans-Michael Holczer zu investieren. "Es geht weiter, sicher", sagt der ehemalige Radprofi, "aber wie? Sicher nicht mehr so schön."

Der 44 Jahre alte Heidelberger wirkt betroffen, obgleich seine berufliche Zukunft gesichert ist. Nun, da das Kapitel Gerolsteiner nach der Lombardei-Rundfahrt im Oktober beendet wird, habe Henn seinem neuen Arbeitgeber bereits eine Zusage gegeben. "Wir müssen nur noch ein paar Punkte klären, unterschrieben ist aber nichts", bestätigte Teammanager Gerry van Gerwen den angedachten Wechsel zu Milram.

Kein Interesse an Schumacher

Das von der Bremer Nordmilch AG gesponserte ProTour-Team steht vor einem personellen Umbruch. "Wir werden uns von einigen italienischen Fahrern trennen", bestätigte van Gerwen, dafür bedient er sich nun vorzugsweise aus der Konkursmasse der Gerolsteiner. Mit Henn sollen namhafte deutsche Profis, aber auch Pfleger und Mechaniker zu dem in Dortmund ansässige Team wechseln.

"Wir interessieren uns beispielsweise für Wegmann, Fothen, Russ und Fröhlinger", sagte der Niederländer. Weniger groß fällt van Gerwens Interesse am WM-Dritten und zweifachen Tour-de-France-Etappensieger Stefan Schumacher aus, der in der Vergangenheit nicht nur für sportliche Schlagzeilen gut war. Auf die Frage, ob auch Schumacher auf seiner Wunschliste steht, antwortete van Gerwen mit einem "entschiedenen Jein".

Milram ist nicht der einzige Rennstall, der um Gerolsteiner-Profis buhlt. Drei Fahrer hätten bereits neue Verträge unterschrieben, sagte Holczer. Weitere zehn stehen in aussichtsreichen Verhandlungen. Spitzenfahrer wie etwa der Italiener Davide Rebellin spielen hingegen auf Zeit, sie wollen sich erst nach der Spanien-Rundfahrt in drei Wochen entscheiden, ließ Henn wissen. Der Tour-Dritte Bernhard Kohl unterschrieb bereits am Donnerstag einen neuen Vertrag. Dem Vernehmen nach soll die belgische Equipe Lotto das Rennen um den Österreicher gemacht haben.

Aber es gibt im 26 Fahrer starken Gerolsteiner-Team nicht nur die Stars. Henn spricht von einem Dreiklassensystem: "Die Topfahrer, die sich ihren Job aussuchen können. Eine Mittelschicht, die auf jeden Fall unterkommt. Und dann sind da noch die Helfer, die auf der Kippe stehen, allenfalls eine Chance haben, wenn in einem Team am Ende noch ein Platz frei ist."

Schöner Tag für van Gerwen

Nachvollziehbare Existenzängste begleiteten am Freitag daher manch Gerolsteiner-Profi beim 3,6 Kilometer langen Prolog der Deutschland-Tour, den der Australier Brett Lancaster aus dem Team Milram im österreichischen Kitzbühel gewann. Bester Deutscher war Gerald Ciolek (Columbia) als Dritter vor Markus Fothen (Gerolsteiner). Tourfavorit Linus Gerdemann (Columbia) wurde Neunter. Ein schöner Tag für van Gerwen, der kein Hehl daraus machte, auch mit Ciolek und Gerdemann in Verhandlungen über einen Wechsel vom T-Mobile-Nachfolgeteam Columbia zu Milram zu stehen.

"Irgendwie haben wir alle geglaubt, der Hans schafft das schon. Es gab ja immer Gespräche", sagte Gerolsteiner-Profi und Holczer-Schwiegersohn Ronny Scholz am Rande der D-Tour. In zwei Fällen sollen die Vorstände sponsorwilliger Unternehmen in letzter Sekunde von ihren Marketingchefs zurückgepfiffen worden sein. "Vielen Entscheidern fehlte neben dem Vertrauen vor allem der Mut, ein solches Projekt weiterzuführen", sagte Holczer, der bei der Sponsorenakquise nicht nur seriöse Gesprächspartner anlockte.

"Einer wollte von mir doch tatsächlich 500.000 Euro haben", erzählte Holczer. Als Gegenleistung avisierte der ihm einen Sponsor, der angeblich zehn Millionen Euro ins Team investieren würde. Nur eine von vielen Anekdoten, die Holczer aus den zurückliegenden zwölf Monaten zu erzählen weiß. Doch damit ist jetzt Schluss: "Ich habe keine Lust mehr, solchen Betrügern hinterherzulaufen."

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