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„Es tat erst am Ende weh und nicht schon bei Kilometer zwölf oder 13.“ Katharina Steinruck.

Marathon

„Mama, es sind nur noch drei Minuten“

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Läuferin Katharina Steinruck über ihre nächsten Ziele im Marathon.

Katharina Steinruck ist beim Frankfurt Marathon in neue Sphären vorgedrungen. Ihre neue Bestleistung von 2:27:26 Stunden bedeuten die zehntbeste Zeit einer deutschen Läuferin überhaupt. Am Montag sprach die 30-Jährige von der LG Eintracht Frankfurt über:

...den Tag danach: Heute früh fiel es mir schwer, mich im Bett zu bewegen. Ich bin irgendwie dann doch rausgerollt. Das war alles sehr schmerzhaft. Wenn nicht alles weh tun würde, wäre es nicht normal, denn dann hätte ich nicht alles gegeben. Ich bin immer noch total happy. Es wird ein bisschen brauchen, bis ich das realisiert habe, was ich da geleistet habe. Es war ein Top-Rennen und doch ein sicheres Laufen. Es tat erst am Ende weh und nicht schon bei Kilometer zwölf oder 13, wie ich das auch schon erlebt habe. Ich konnte mir sogar ein bisschen die Stadt angucken.“

Jo Schindler, Renndirektor beim Frankfurt Marathon, hat am Montag ein zufriedenes Fazit gezogen. „Wir haben unseren Status als zweitgrößter und zweitbester Marathon bewahrt.“ Der Veranstalter schaut dabei vor allem auf die Zahl jener, die über die klassischen 42,195 Kilometer wirklich ins Ziel kommen. Hier lag die Zahl mit 10 753 Läufer und Läuferinnen ungefähr auf Vorjahresniveau. Aber knapp über dem Ergebnis des Konkurrenten Hamburg. Unerreicht bleibt die September-Veranstaltung in Berlin, die laut Schindler „ganz andere Dimensionen hat.“ Verbessern möchte er für den ältesten Stadtmarathon die Frauenquote bei den Finishern, die diesmal bei 22,4 Prozent lag.

...den geplanten Urlaub: Ich fliege am Dienstag in den Urlaub. Mit meinem Mann nach Lanzarote. Eine Woche abschalten, Handy ausmachen. Da werden wirklich die Beine hochgelegt. Wenn ich etwas tue, dann allenfalls ein bisschen am Strand wandern.“

...die Anteilnahme ihrer Freundin und Trainingsgefährtin Gesa Felicitas Krause, die sich gerade in den USA aufhält: Ich habe mitbekommen, dass sie sich die Nacht um die Ohren geschlagen hat, um meinen Lauf zu verfolgen. Ich konnte mit ihr noch nicht sprechen, aber meine Mama hatte Kontakt mit ihr. Wir kennen uns ja schon mindestens zehn Jahre, haben viele Trainingslager und Wettkämpfe bestritten. Dann verfolgt man die Wettkämpfe des anderen, selbst wenn er sich auf der anderen Seite der Welt befindet. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir wieder zusammen nach Kenia gehen und im Sommer vielleicht in die Alpen. Sie wird sicherlich mal einen Marathon laufen, dazu muss ich sie gar nicht überreden.

...ihre weiteren Pläne und Ziele: Nach dem Urlaub geht bald das Training wieder los. Ich werde auch wieder einen Silvesterlauf machen und habe im Frühjahr einen Marathon geplant. Vielleicht schaffe ich es sogar, noch schneller zu laufen. Man leckt natürlich Blut, weil ich auf einem sehr hohen Niveau aufbauen kann. Ein Limit setze ich mir gar nicht. Ich traue mir ein 2:26er Zeit. Der ganze erste Teil im Westen, Schwanheim, Griesheim, war am Sonntag von Gegenwind geprägt. Wenn wir also statt 74:11 den Halbmarathon in 73:50 bestreiten würden, fehlten nur noch sechs Sekunden.

...die Vergleich mit ihrer Mutter Katrin Dörre-Heinig, die eine Bestzeit von 2:24:35 Stunden aufweist: „Wir haben Montagmorgen genau darüber gelacht. Ich habe ihr gesagt: ‚Mama, es sind nur noch drei Minuten!‘ Ihre Aussage dazu ist ja immer: Sie ist meine Trainerin und kann mich ja so coachen, dass ich ihr nicht zu nahe kommen (lacht). Es ist auf jeden Fall für eine deutsche Läuferin realistisch, in den Regionen von 2:24, 2:25 zu laufen. Der Hauptunterschied zu früher ist: Damals konnte man mit diesen Zeiten Medaillen bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften und große internationale Rennen gewinnen. Heute ist das leider nicht mehr machbar, aber damit muss ich mich abfinden.

...ihre Olympia-Chancen: Mit meiner Zeit am Sonntag habe ich natürlich ein Brett vorgelegt, meine Chancen sind erheblich gestiegen, dass ich 2020 dabei bin. Das ist definitiv mein emotionales Highlight. Ich hoffe natürlich nicht, dass noch zwei Mädels schneller laufen werden. Jetzt müssen erstmal zwei nachlegen.

...die Verlegung der Marathon-Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen von Tokio nach Sapporo: Das ist eine gute und richtige Entscheidung, denn die Spiele sind für die Athleten. Ich bin 2014 in Chiba, eine Großstadt in der Nähe von Tokio, eine Staffel gelaufen. Das ist ein völlig euphorisches Läuferland. Der Stimmung wird die Verlegung keinen Abbruch tun. Wo wir nächsten Sommer den Olympischen Marathon laufen, wäre eigentlich komplett egal.

Aufgezeichnet: Frank Hellmann

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